ZAPP: Klimajournalismus; "Meinung" in den tagesthemen; China | ZAPP | NDR

Diese Sendung wurde vom NDR live untertitelt (30.09.2020) Willkommen zu ZAPP Wer früher während der Tagesthemen ein Bier holen wollte oder aufs Klo musste: Dem hätte ich den Kommentar als richtigen Zeitpunkt empfohlen Der erzählte oft den vorherigen Film nach, das war nicht so spannend Aufregung gab’s selten, dazu musste sich Uli Wickert vor laufender Kamera vom Kommentar eines Kollegen distanzieren Ich empfehle etwas mehr Gelassenheit im Umgang mit Buchheims Bildern Schließlich bleibt er, was er ist: ein schwieriger Künstler Das war der Kommentar von Georg Schmolz vom MDR und nicht die Meinung der Tagesthemen-Redaktion Seit einiger Zeit ist dieser Kommentar im Fokus Im Netz toben die Debatten Die Redaktion hat zuletzt an dem 42 Jahre alten Format rumgeschraubt Herausgekommen ist ein neuer Name: Kommentar heißt nun Meinung Die Umbenennung ist was für Sprachfeinschmecker, aber dahinter verbirgt sich auch Grundsätzliches Fast jeden Tag macht sich irgendwo in Deutschland jemand in der ARD bereit, heute Thorsten Hapke in Hannover Die Tagesthemen wollen seine Meinung Die Rubrik dafür heißt auch so: * Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit den Tagesthemen * Was wir bislang als Kommentar ausgewiesen haben, nennen wir jetzt Meinung Damit noch deutlicher wird, dass dies nicht die Ansicht der Tagesthemen-Redaktion ist, sondern die Meinung eines Einzelnen Und nicht nur das Im Nachrichtenhaus der ARD wird an noch anderen Reformen für den Kommentarplatz gearbeitet Schon bald soll es ein Pro und Contra geben, wie schon im Netz, gut geklickt – hier zu einem SUV-Verbot Absolut! Jedes dritte neu zugelassen Auto ist hier ein rollender Panzer Im SUV lebt man länger Im Crashtest schneiden sie besser ab als andere Autos Helge Fuhst ist in der Chefredaktion zuständig für die Tagesthemen Die werden für ihre Reformen kritisiert Jan Böhmermann sieht die Redaktion in einer: “heraufbefürchteten journalistischen Defensive”, als “Angsthasenredaktion” Er fragt zur Umbenennung: Was sind das für Leute, die das nicht verstehen? Es geht doch vor allem darum, dass die Zuschauer uns verstehen Zweitrangig ist, was die journalistisch korrekten Begriffe sind Kommentar war ja nie falsch, ist kein falscher Begriff Wir glauben nur, dass in unserem Format, in den Tagesthemen, der Begriff Meinung besser passt Dass er besser verständlich ist und besser in die Zeit passt Auch aus der Wissenschaft kommen Zweifel an der Reform Der Historiker Jürgen Zimmerer stört sich nicht an der Umbenennung Er sorgt sich um die Inhalte Es ist ein Etikettenschwindel Ob Meinungen oder Kommentar: Dass das subjektive Positionen sind, ist eigentlich vorher jedem klar Das Problem ist: Wessen Position wird gehört, wessen Position wird gesendet und welche Position bekommt damit Legitimität? Die Tagesthemen erreichen immer wieder Botschaften wie diese: “Wo ist der Pro-AfD-Kommentar der Tagesthemen?” “Wie viele Kommentare mit liberaler Grundtendenz gab es in jüngster Zeit in ARD und ZDF?” Kritiker fordern Unparteilichkeit, erinnern an den Rundfunkstaatsvertrag Wir haben keine Statistik geführt, ob es im letzten und diesem Jahr so viel mehr gab als vor fünf Jahren Aber es hat in der Diskussion zugenommen, dass man darauf schaut: Gibt es bei einzelnen Themen nur eine Richtung oder sind wir breiter aufgestellt? Geben wir Denkanstöße in verschiedene Richtungen im demokratischen Bereich? Die Kritik müssen wir als Öffentlich-Rechtliche uns gefallen lassen und uns damit auseinandersetzen Von Anfang an: Streitbare Meinungen in den Tagesthemen Guten Abend, willkommen zu den Tagesthemen 2. Januar 1978: In der ersten Sendung geht es um eine Spiegel-Veröffentlichung Dilettanten waren es, die sich hier an Thesen und an der Beschreibung eines Zustands versuchten Der tägliche Kommentar Mal analytisch: Die Hintergründe für Helmut Kohls Einreise-Verweigerung dürften in der inneren Unsicherheit der DDR-Führung zu suchen sein

Mal mahnend: Im publizistischen Bereich sind es vor allem Hetzblätter der Springer-Presse, auch FAZ und Spiegel Sie haben zur Panikmache gegen Ausländer beigetragen Mit starker Haltung: Der griechische Schwanz hat lange mit dem europäischen Hund gewedelt Zu lange Mit klarem Appell: Wir müssen fokussiert bleiben und die Infektionszahlen so weit senken, dass wir Infektionsketten wieder nachvollziehen können Gerne auch via App Zuständig für die Auswahl der Kommentierenden ist ARD-Chefredakteur Rainald Becker Sein Ziel: Multiperspektivität Es geht darum, wenn Sie im Jahr 25-mal Klimawandel kommentieren und das immer in die gleiche Richtung: Dann blenden Sie einen Teil der Bevölkerung aus Da wollen wir gegensteuern, um das mal klar zu sagen Der ARD-Chefredakteur will die andere Position zum Klimawandel Er spricht aber auch über die Corona-Maßnahmen Und auch Flüchtlinge polarisieren Der Deutschlandfunk hat gerade erlebt, wie die andere Position ankommt – zu Moria Eine Korrespondentin forderte, die “Brandstifter” dort zu lassen: Die andere Sicht will nicht jeder Historiker Zimmerer, der auch zur NS-Zeit forscht, befürchtet, dass extreme Positionen auch in den Tagesthemen freien Raum bekommen Unter dem Etikett “Meinung” Multiperspektivität ist gut Die Demokratie lebt von Multiperspektivität Aber es gibt einen Rahmen, außerhalb dessen Positionen absurd sind Ich warte dann auf den Kommentar “Die Erde ist eine Scheibe” oder aber “Der Antisemitismus ist richtig” Antisemitische Kommentare oder Meinungen in den Tagesthemen haben da nichts zu suchen Das wird es nicht geben, solange ich Chefredakteur bin, aber sicher auch unter meinem Nachfolger nicht Da muss man einschreiten Und ansonsten: Alles muss möglich sein zwischen diesen Leitplanken, die uns die demokratisch freiheitliche Grundordnung setzt Aber da sind die Grenzen Jeden Abend eine Meinung in den Tagesthemen Welchen Positionen die ARD am Ende ihre Sendezeit einräumt: Viele werden das beobachten Die Klimakrise ist oft Thema bei den Tagesthemen Zuletzt, als über die Waldbrände in Kalifornien berichtet wurde Zehntausende Menschen sind geflohen, es gab Tote Was hat das mit dem Klimawandel zu tun? Einige Unverbesserliche meinen: gar nichts Die Wissenschaft sagt: sehr viel Die Erderwärmung führe zu mehr Trockenheit, das begünstige solche Katastrophen Journalisten müssen darüber berichten Aber wie? Der Stern hat nun eine Ausgabe mit Fridays for Future produziert Ist das weniger Journalismus, dafür mehr Aktivismus? Inga Mathwig und Nils Altland Kein Grad weiter Monatelang waren Fridays for Future pandemiebedingt kaum auf der Straße, auch in den Medien wenig präsent Spätestens zum Klimaaktionstag letzten Freitag hat sich das geändert Diesmal berichten einige Medien nicht nur über die Aktivisten, sondern mit ihnen Die tageszeitung wird zur klimazeitung: Die setzen Themen, schreiben Artikel, die Redaktion lässt sie machen Weniger erwartbar: der Stern #keinGradweiter Eine Ausgabe zusammen mit Fridays for Future Im Editorial erklärt die Chefredaktion: Ist das hier noch Journalismus oder Aktivismus? Große Diskussion in der Journalistenblase Er hat den Klimaschutz zu seinem Thema gemacht

Und doch geht ihm die Zusammenarbeit des Stern mit den Aktivisten zu weit Der Stern hat sich Glaubwürdigkeit genommen Er hat mit einer Organisation zusammengearbeitet, die andere Ziele verfolgt als ein journalistisches Produkt Hat der Stern seine Unabhängigkeit aufgegeben? Der Chefredakteur sieht das Problem nicht: Die jungen Aktivistinnen waren bei unseren Konferenzen, die haben sich an den Diskussionen beteiligt Was Themenfindung anging, sie haben uns Gesprächspartner vorgeschlagen Wir haben über Wordings diskutiert Die journalistische Arbeit, die Recherche, das Schreiben, die Verifikation: Das war alles Stern-Standard Wie viele alte Printmedien steht auch der Stern unter Druck Hilft da ein neues, grünes Image? Mit neuen, grünen Anzeigenkunden? Hätten wir jetzt große SUV-Anzeigen im Heft gehabt, wäre uns das um die Ohren geknallt worden Jetzt wird uns um die Ohren geknallt, dass die Umweltverbände inseriert haben Ich kann es nicht jedem recht machen Dass der Stern kein Verhältnis zu dem Thema Umweltschutz, Klimaschutz, Nachhaltigkeit hat: Da muss ich widersprechen Wir haben mehrere Titelgeschichten zu dem Thema gemacht Er begrüßt das Aus Sicht von Michael Brüggemann berichten Medien zu wenig über den Klimawandel Er erforscht die Berichterstattung seit Jahren Die Haltung des Stern – für ihn folgerichtig Der Journalismus steckt immer in einem Spannungsverhältnis Sie wollen unabhängig sein und neutral berichten Aber jeder Journalist hat Werte, auch gesellschaftliche Anliegen, die man vertritt Es gibt die Möglichkeit, so zu tun, als ob ich das gar nicht habe Das wäre verlogen Der Stern ist einen anderen Weg gegangen und hat das transparent gemacht Für Schächtele lassen sich Journalismus und Aktivismus nicht vereinbaren Deswegen hat er einen kreativen Ausweg gefunden Er widmet sich der Klimapolitik auf der Bühne, mit einer Mischung aus Comedy und Theaterstück Ihr vernichtet gerade die Grundlagen der menschlichen Zivilisation! Aber Mutzele, das bin doch nicht ich! Das ist die Industrie und Politik Deswegen rufe ich dich ja an Ihr lasst Politik und Industrie den Karren vor die Wand fahren Vom Journalisten zum Autor einer Klimashow mit klarer Agenda – für Schächtele eine unumkehrbare Entscheidung Wenn ich wieder zurück wollte in den klassischen Journalismus, würde das gehen? Ich glaube, es würde nicht gehen Also glaube ich auch, dass der “Stern” nicht einfach so zurückkehren kann Deswegen hätte der “Stern” das nicht tun dürfen, weil diese Rückkehr niemand mehr abnimmt Wenn Fridays for Future sich kritisch verhalten sollte, Spenden umlenken oder so Dann werden wir darüber berichten Kritisches Berichterstatten auch über die Aktivisten und eine klare Haltung für Klimaschutz: Kein Widerspruch für immer mehr Medienschaffende Mehr als 50 von ihnen haben vergangene Woche einen offenen Brief unterzeichnet Das unterschreiben nicht alle Medienhäuser Im Juni demonstrieren Klimaschützer vor der Tagesschau in Hamburg Die Forderung: Statt der “Börse vor acht” soll die ARD eine Sendung namens “Klima vor acht” senden Eine Gruppe wirbt dafür mit einer Crowd-Funding-Kampagne Von der ARD heißt es nur, so ein Format sei derzeit nicht geplant Tagesthemen oder Tagesschau sind natürlich in einer anderen Position Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wird von den Bürgern finanziert Da ist es noch wichtiger und klarer, dass sie nicht sich in eine Richtung stark positionieren sollen Da wäre ich viel vorsichtiger als bei Presseunternehmen, die schon immer eine bestimmte Richtung haben, eine bestimmte Leserschaft, auf die sie sich konzentrieren dürfen Das würde ja niemand der Welt oder der FAZ vorwerfen, dass sie konservativer sind als die Süddeutsche In der vielfältigen Medienlandschaft bewertet letztlich die Leserschaft, ob Redaktionen die Aktivisten zu nah an sich heranlassen Das TV-Duell von Trump und Biden dominiert heute die Nachrichten Nur dominiert weniger der Inhalt, sondern die verbalen Tiefschläge und Zwischenrufe von Trump

Davon gab es mehr als genug Nein, reden wollte Trump nicht Nicht über Inhalte So hatte sein Gegenüber irgendwann “die Faxen dicke” Schwups, hatte Trump Biden auf sein Spielfeld gezogen Da, wo nicht das Argument gewinnt, sondern die Beleidigung Ein Duell, das eher an eine Schulhofprügelei erinnert Der Moderator hatte Mühe, die Debatte vom Schulhof ins TV-Studio zu holen Verloren haben so beide Kandidaten In Deutschland dagegen geht es bei TV-Duellen geradezu harmonisch zu Wir haben die Flexi-Rente eingeführt in der Großen Koalition: Wer länger arbeiten möchte, kann es Aber es gibt viele, die können das nicht Find ich toll. A la bonheur Ähnlich viel Testosteron wie bei Trump und Biden jetzt auch in den Medienmeldungen der Woche Durchgezappt: Die Krone der Schöpfung Dieses Durchgezappt handelt nur von Männern Von starken, großen, mutigen Männern Die ARD zum Beispiel Hat ihr neues “Führungsteam für die digitale Zukunft’ vorgestellt Männer, wohin man schaut Der neue ARD-Chefredakteur Degeto-Geschäftsführer Funk-Geschäftsführer Vize-Leiter des Hauptstadtstudios Chefsprecher der Tagesschau Ach ja, da war noch eine Frau: Christine Strobl wird neue Programmdirektorin Die erste Frau auf diesem Posten in 70 Jahren – wow! Ist es das, was die ARD unter Frauenförderung und Diversität versteht, Herr Buhrow? Die ARD hat sich da überhaupt gar nichts vorzuwerfen Wir sind gut unterwegs, wir könnten immer besser werden Immerhin kommt der neue Chefredakteur der ARD aus dem Osten, vom MDR Jo, bis dann! Wobei, einmal gegoogelt: Der Mann kommt zwar aus Halle, aber Halle in Westfalen Egal, immerhin ist er … ein Mann! Nennt sich MontanaBlack Bähm, das war ein Rekord, Digga! Millionen Fans schauen ihm auf der Streaming-Plattform Twitch und auf YouTube beim Zocken zu Zahlen, von denen wir bei Zapp nur träumen können Gerade war MontanaBlack im Urlaub auf Malta und hat auch von dort kräftig Videos hochgeladen Wie er sich, sagen wir, Sehenswürdigkeiten anguckt Ich dreh hier bald durch, Digga, einer mit fünf Weibern, was hat der gemacht, was ich nicht gemacht hab? Oooorrgh, Digga, ooorh Von “sexistischen Grunzlauten” schreibt der Spiegel Wir vom Bildungsfernsehen sagen dazu: Gutturaal-laut Dann hat MontanaBlack noch die Frau vom Hochhaus gegenüber bespannert und fotografiert Sie hier macht da gerade richtig schöne Bilder Ja, komm doch mal runter auf mein Zimmer, ich hab noch ein Bettchen frei! Nun ist der brünftige Mann 33 Tage gebannt auf Twitch – und darf keine Videos mehr hochladen Schauen wir uns den neuen YouTube-Kanal von Kai Pflaume an: “Ehrenpflaume” Die Pflaume will jetzt auch auf YouTube groß rauskommen Und besucht deshalb MontanaBlack Der erzählt lustige Sachen von seinem Hund Vincent war schon ein cooler Typ Und er hat immer versucht, meine Katzen zu ficken Okay, haha Das war amüsant Er hatte seine speziellen Vorlieben Ein Brüller Ehrenmann und Ehrenpflaume scheinen den gleichen Humor zu haben Du warst ein Frauenmagnet, meine Mutter mochte dich auch gerne Ich verstehe nicht, warum du jetzt sagst warst Ist wohl Männerhumor

Diese Geschichte hört sich an wie ein Märchen, aber sie ist wahr Es war einmal ein Prinz Groß und stark und so charmant Er eroberte das Herz der einsamen Königin Friede, Herrin über das große Springer-Reich Und weil er gelobt ihr Reich aus Bild und Welt und Kleinanzeigen zu retten, schenkt sie ihm eine Milliarde Euro Nicht in Gold, sondern in Firmenanteilen * Oooorg, Digga * Da wird der starke Prinz ganz schwach Mir fehlen immer noch die Worte, wenn man spürt, dass das tatsächlich konkret wird Doch seine Friede macht ihm Mut: Prima! Wir schaffen das, Mathias! Wir lernen: Hinter jedem großen Mann steht am Ende immer … eine Frau Viele waren erstaunt, als sie Chinas Propaganda in einer Buchhandlung vorfanden, bei Thalia Ein großes Regal etwa mit dem Hauptwerk von Chinas Staatschef Xi Jinping, “China Regieren” Chinas Propaganda kommt näher – oft ohne groß aufzufallen Caroline Schmidt hat herausgefunden, die chinesische Regierung verfolgt ein langfristiges Ziel In der FAZ: Eine rührende Geschichte über einen Deutschen, der im Krieg viele Chinesen gerettet hat Dessen Enkel schon im Frühjahr Schutzmasken aus China besorgen konnte Eine Anzeige In der Buchhandlung Thalia: Ein Werk über Chinas Zukunft und den Weg dorthin, ein friedlicher Weg natürlich Im Internet archiviert: Artikel über ein angeblich glückliches Tibet, in der Zeitung China Watch, die dem Handelsblatt beilag Chinesische Propaganda mitten in Deutschland Der chinesische Staat zahlt Anzeigen, Ausstellungsregale, Beilagen – und deutsche Unternehmen machen mit Solche Kooperationen gibt es heute einige, so Lea Deuber von der Süddeutschen Zeitung Wir erreichen sie in Peking China verfolgt seit vielen Jahren eine aktive und aggressive Expansion seiner Medien ins Ausland Das Ziel ist klar: Den Dialog über China mitbestimmen zu können Die Agenda setzen zu können, über welche Themen gesprochen wird Die Agenda setzen wollte China schon bei Olympia 2008 in Peking: China hatte die Welt zu sich eingeladen, wollte glänzen Was hängenblieb, waren eher Chinas dunkle Seiten Eine Demütigung, die sich nicht wiederholen durfte Ein besseres Image musste her – und wie, war auch schnell klar: Die KP-Spitze beschließt, dass chinesische Staatsmedien ihren Einfluss in der Welt ausbauen sollen Damit sie, wie Staatschef Xi Jinping sagt, “Chinas Geschichte der Welt besser erzählen können” Das Kalkül dahinter beschreibt die Sinologin Mareike Ohlberg aus Sicht der chinesischen Führung so: Wir möchten aus dem Ausland Anerkennung kriegen für unsere Politik, Strategie, für unser System Wenn nur genug Ausländer positiv über uns sprechen, dann haben wir in China selbst ein anderes Standing China hat seitdem 10 Mrd. Dollar investiert und ein riesiges Mediennetz im Ausland aufgebaut Die Nachrichtenagentur Xinhua besitzt heute acht Zentralen, die Nachrichten in zehn Sprachen senden Der chinesische Auslandskanal CGTN hat Produktionszentren in Nairobi, Washington und London Sie strahlen Nachrichten und Dokumentationen in fünf Sprachen aus Die Propaganda dieser Staatsmedien wirkt im Westen oft plump Natürlich gebe es keine schrecklichen Lager in Xinjiang Das Leben für die Uiguren sei wie im Bilderbuch Und das Corona-Virus habe China auch vorbildlich eingedämmt Am 24. Januar kam die erste Einheit von Medizinteams nach Hubei In der Zwischenzeit haben chinesische Unternehmen ein 1000-Betten-Hospital innerhalb von zehn Tagen aufgebaut Das Zweite folgte schnell Wenig subtil diese Propaganda Das geht auch anders: Viele von diesen Medienkanälen interviewen ausländische Politiker, Altpolitiker und andere Personen, die dann die Punkte rüberbringen, die man rüberbringen möchte

Dadurch kommt das glaubwürdiger rüber Und Ohlberg sieht auch erste Erfolge dieser Strategie Einzelne Narrative aus Peking kämen langsam hier an In den frühen Corona-Zeiten haben Leute hier auf offener Straße darüber geredet: Wie beeindruckend ist es, dass China innerhalb von wenigen Tagen das Krankenhaus hochziehen kann Dann der Berliner Flughafen, und oh, der Vergleich Letztlich waren das Notspitale, die haben wir in Europa auch hochgezogen Außerdem kauften staatstreue chinesische Investoren westliche Medien Laut ihren Recherchen und Reporter ohne Grenzen besitzen sie Anteile von Zeitungen und Sendern in verschiedenen Erdteilen Die Idee dahinter: Dann kann man langsam, nicht über Nacht, die Berichterstattung ändern Sie langsam in eine Richtung drehen, die der Kommunistischen Partei gegenüber positiver gestimmt ist China kooperiert auch mit deutschen Produktionsfirmen, so bei Dokumentationen Anfang des Jahres kam heraus: Chinas Botschafter wollte Journalisten hier bei der Gründung eines Nachrichtenportals über China helfen In einem Brief bat er Unternehmen um Beteiligung am Jahresbudget von 250.000 Euro Chinas Regierung hat verstanden, wo die Einfallstore in internationalen Medien sind Gerade in europäischen oder amerikanischen Medien ist das eine Geldfrage Viele dieser Kooperationen funktionieren darüber, dass es sehr lukrativ ist Das Projekt Chinareporter wurde eingestellt Auch eine Dokumentation in der ARD, Wuhan-Chronik eines Ausbruchs, wird im Juni nicht ausgestrahlt Laut SWR könne die Produktionsfirma nicht alle Rechte einräumen Dadurch seien journalistische Standards verletzt Teile dieser Dokumentation stammten von der Propagandabehörde in China Wenn man so Material zugeschoben bekommt, dann kann man nicht einordnen, was für ein Material ist das Das können Schauspieler sein Das wissen wir nicht Die Frage ist dann: Wie arbeitet man mit dem Material? Hat man das verifiziert? Hat man noch mal in dem Krankenhaus angerufen, arbeiten die Leute da überhaupt? Wir haben bei der Produktionsfirma nachgefragt, aber keine Antwort bekommen Man muss sich klar machen, dass es in China keine freie Berichterstattung gibt Wenn man mit solchen Staatsmedien kooperiert und einen offenen Dialog erhofft, dann muss klar sein, dass dieser auf chinesischer Seite nicht stattfinden kann Wie schwierig eine solche Zusammenarbeit ist, hat auch der NDR gemerkt Er hat zusammen mit CGTN bis Ende 2019 punktuell sechs Sendungen produziert Die wurden in beiden Ländern ausgestrahlt Darin ging es um Wirtschaftsthemen Menschenrechtsverletzungen wie in Xinjiang konnten nicht angesprochen werden Wenn ich was vereinbare, thematisch, und es geht um die Seidenstraße, dann kann ich schlecht mit Xinjiang kommen Denn dann wird die Sendung abgebrochen und nicht stattfinden Zumindest in der letzten Sendung diskutierten sie über Hongkong, was Cichowicz als Erfolg wertet Die Führung in Hongkong ist nicht in der Lage, die Gefühle und Wünsche der Menschen vor Ort zu verstehen So zu verstehen, dass es eine Lösung geben kann Das klingt lächerlich und hysterisch und widerspricht dem gesunden Menschenverstand Weitere Sendungen sind nicht mehr in Planung Ich kann mir im Moment nicht vorstellen, wie wir mit den Chinesen uns auf ein Thema einigen würden Jetzt haben wir Fragestellungen Xinjiang, die Entwicklung in Hongkong, wie sie jetzt ist Mit dem Gesetz, das geschaffen wurde Themen, um die man jetzt keinen Bogen mehr machen könne Andere gehen weiter und finden, dass Journalisten ihren Umgang mit China neu definieren sollten Wenn man auf Austausch setzt, dann muss man sich ein Regelwerk dafür setzen Sagen, was geht, was nicht Unsere Freiheit kann nicht aufs Spiel gesetzt werden, um einen Dialog zu führen, der gegen diese Grundsätze verstößt Es geht um die Freiheit und nicht nur um schöne Bilder wie in einer aktuellen Doku Die bietet eine deutsche Produktionsfirma an in Koproduktion mit der Propagandabehörde Chinas Das war es von ZAPP Jetzt geht’s weiter mit dreihundertsechzig ZAPP kommt wieder am 21.10. – wir bleiben aktuell auf Social Media Copyright Untertitel: NDR 2020