Billige Lebensmittel aus Fernost – China in Dosen | SWR Doku

(Dynamische Musik) Kochen mit Konserven Familie Allgäuer brutzelt am Herd ein schnelles Gericht Spaghetti Bolognese Doch woher kommen die Zutaten aus Dosen, Tuben und Gläsern? “Keine Ahnung”, sagen sie Wo lese ich das denn? – Nirgendswo Für den gewöhnlichen Verbraucher nicht erkennbar, wo das herkommt Dort, wo es schnell und billig gehen soll, steckt immer öfter auch China drin Viele verarbeitete Lebensmittel kommen mittlerweile aus Fernost Zum Beispiel Apfelsaftschorle aus Konzentrat Ein Apfel ist, sag ich mal, ein klassisches deutsches Produkt Da auf Länder wie China zurückzugreifen, versteh ich nicht Obst und Gemüse einmal um die Welt geschickt Nachhaltig ist das nicht, aber für viele einfach praktisch Ich komme von der Arbeit, die Kinder haben Hunger Dann ist natürlich so eine Dose Tomatenmark, ja, schnell mal aufgemacht, reingekippt Da geht keine Zeit drauf fürs Schneiden Das andere ist der Preis Nee, mir fällt mir noch was Drittes ein Das ist, dass ich hier auf dem Land lebe und tatsächlich wenig Möglichkeiten habe, auf dem Markt einzukaufen In deutschen Supermärkten landen jährlich chinesische Produkte im Wert von rund zwei Milliarden Euro, Tendenz steigend Egal ob Champignons und Spargel in Gläsern oder Südfrüchte in Dosen (Beunruhigende Musik) Woher aber kommt all die billige Ware? Und wie wird sie produziert? Wir schauen hinter die Kulissen einer Milliardenbranche (Unruhige Musik) Handarbeit ist angesagt Das Geschäft lohnt sich trotzdem In China ist die Gewinnspanne höher aufgrund des Faktors Arbeit, klar Zu Hause kennt kaum jemand die Herkunft der Lebensmittel Irreführende Etiketten – keine Seltenheit Das ist chinesisches Tomatenmark Der Kunde wird es als italienisches Tomatenmark, höchstwahrscheinlich, verzehren Bauern ackern in verpesteter Luft Industrie überall Viele Flüsse sind vergiftet, die Umweltschäden enorm Was bedeutet das für die Lebensmittel? (Bewegte Musik) Es ist angerichtet In Eltville haben Testfamilie Allgäuer und ihre Gäste aus den Konserven eine schnelle Mahlzeit zubereitet Ich hätte wirklich niemals gedacht, dass so viele Sachen aus China kommen Weil ich dachte jetzt, das wär frischer Also, Tomaten wusste ich jetzt so nicht Bei Dingen wie Klamotten oder Plastik schon, aber nicht bei Essen Tochter Emma hat ihre Freundin Kathi eingeladen Auch bei ihr zu Hause ist man beim Essen preisbewusst Meine Mutter schaut meistens darauf, wie die Preise sind im Verhältnis Und wir kaufen eigentlich meistens das Günstigste Ich denke, wir Deutschen sind schon berühmt dafür, dass wir ein paar Cent sparen können Und dann eher zu den Sachen greifen, die günstiger sind, auch ohne nachzudenken Wo aber könnte China drinstecken? Zum Beispiel in Würstchen Wursthäute, sogenannte Saitlinge, aus Schaf- oder Schweinedarm kommen massenweise von dort Bei Mandarinen- und Spargelkonserven stammen mittlerweile fast zwei Drittel aller Importe aus China Und verarbeitete Tomaten in großen Mengen China ist auch weltgrößter Produzent von Apfelsaftkonzentrat Doch weil alle diese Lebensmittel verarbeitet sind, muss ihre Herkunft nicht angegeben werden Wir fragen nach Wir wollen von den großen Discountern und Supermärkten wissen, in welchen ihrer Artikel chinesische Lebensmittel stecken Aldi Süd teilt mit, dass es sein könne, dass für Säfte und Schorlen, für Tiefkühlprodukte und Konfitüren zum Teil auf chinesische Rohware zurückgegriffen werde Das gelte auch für andere Lebensmittel Namen teilt man uns nicht mit Aldi Nord räumt ein, es sei möglich, dass bei einzelnen Lebensmitteln auch Ware aus China verarbeitet wurde Auch hier keine Produktnamen Lidl erklärt immerhin, dass man etwa frischen Ingwer und Knoblauch aus China beziehe Darüber hinaus biete man bei Konserven saisonabhängig chinesische Artikel an

Beispielsweise Spargel der Marke “Freshona” (Unruhige Musik) Auch bei Rewe haken wir nach Rewe antwortet überhaupt nicht Zusätzlich schreiben wir noch Edeka an, doch auch von Edeka keine Antwort Der Hamburger Hafen Hier landet ein Großteil der Lebensmittel aus China für den deutschen Markt Allein im letzten Jahr rund 700.000 Tonnen Nur was und für wen? Das will niemand so recht sagen Warum? Das wollen wir herausfinden Nach vielen vergeblichen Anfragen gibt es endlich eine Zusage Die Hamburger Handelsfirma Hüpeden & Co. erklärt sich bereit, mich zu empfangen und über das Chinageschäft zu sprechen Der Chef, Thomas Schwieger, begrüßt mich Hier an dieser Tafel wird alles, was wir importieren erst mal organoleptisch, also mit Mund … und Nase und Augen überprüft Wunderbare orange Farbe Das, was dieses Produkt auch so interessant macht, außer dem Geschmack und dem Geruch – die Optik Dann wird probiert Der Geschmack ist völlig arteigen Keine Fremdgeschmacksnoten dabei Die Ware ist ordnungsgemäß geschält Und es gibt auch keine weißen Hautfetzen Das liegt daran, dass natürlich bei der industriellen Verarbeitung dieses Häutchen, was noch um jedes Segment gewachsen ist, durch eine Lauge entfernt wird Diese Ware ist nicht zu beanstanden Thomas Schwieger ist ein Pionier im Geschäft Seit 50 Jahren kauft er in China Nahrungsmittel ein Für Discounter, Lebensmittel- hersteller und Großküchen Michael Dron ist einer seiner jungen Mitarbeiter Er habe Talent und Ehrgeiz, hören wir, und einen neuen Auftrag Dron soll nach China reisen und Qualitätskontrollen überwachen bei einigen Zulieferern Wir dürfen ihn begleiten Es geht nach Xiamen, rund 4 Millionen Einwohner Irgendwo da unten: das chinesische Büro der Firma Hüpeden Doch zunächst geht es im Auto weiter nach Yangzhou Auf dem Weg sehen wir überall Industrieanlagen (Ruhige Musik) Direkt neben der Mandarinenfabrik: ein Kraftwerk Viele Chinesen haben eine sogenannte Smog-App auf dem Handy Unsere zeigt heute einen Wert von über 290 mit dem Hinweis: “sehr ungesund” Und so riecht es hier auch (Ruhige Musik) Die Delegation besteht aus dem chinesischen Hüpeden- Mitarbeiter Mr. Wu und Michael Dron Der Chef der Mandarinenfabrik ist einverstanden, dass auch wir, ein deutsches Fernsehteam, dabei sind In China gibt man sich sonst eher bedeckt Mr. Wu ist der Mann, der für Michael Dron die Qualitätskontrollen durchführen wird Er ist das Bindeglied zwischen den Chinesen und der deutschen Importfirma Dann zeigt man uns den Verkaufsschlager (englisch:) Das Hauptprodukt ist die Mandarinenorange (Reporter:) May I just? – Yes Die Chinesen zeigen uns ihre Produkte Einzige Bedingung: Mit Rücksicht auf die deutschen Importeure sollen wir die Labels auf den Dosen unkenntlich machen Man will keinen Ärger Offenbar fürchten manche deutsche Handelspartner ein Imageproblem durch Waren aus China Also for … the European market Das ist mehr für den Food-Service – (Reporter:) Verstehe, also für Bäckereien. So in der Art. Ja – Großküchen, genau Aber was tatsächlich auffällt, ist, dass, auf den meisten der Konserven zumindest, nicht “Herstellungsland: China” draufsteht. Hat das einen Grund? Man erkennt das meistens an den Cancodes. – Ah Die Cancodes sind hier oben drauf Sie verstehen das, der Kunde muss das wissen Diese Codes müsste er kennen (Sprecher:) Gleich hinter der Fabrik werden die Mandarinen aus anderen Landesteilen angeliefert Ohne Unterlass – über ein Förderband geht es in eine riesige Halle Und dann sehen wir sie – Hunderte Arbeiterinnen und Arbeiter, die die Früchte für Deutschland dosenfertig machen Es ist heiß und stickig, ein süßlicher Geruch liegt in der Luft In Handarbeit wird hier jede Mandarine einzeln geschält (Treibende Musik)

Gearbeitet wird durchgehend im Akkord Zehneinhalb Stunden in drei Schichten (Treibende Musik) China ist auch ein Kostenvorteil gegenüber anderen Ländern In China ist die Gewinnspanne höher, aufgrund der Menschen und der Infrastruktur, die hier gegeben sind Um konkurrenzfähig und auch, sag ich mal, zu einem guten Preis die Produkte produzieren zu können Verpackt in weiße Schutzanzüge fol- gen wir Mr. Wu, dem Chefinspekteur, bei seiner Qualitätskontrolle An dieser Station prüft der Vorarbeiter das Schälen Ich denke, dass das Schälen hier sehr gut gelungen ist Aber nicht nur das Schälen geht hier noch in Handarbeit, auch das Zerlegen der Mandarinen In atemberaubender Geschwindigkeit, mit einem scharfen Drahtmesser gefährlich nah an den Fingern Buchstäblich ein Drahtseilakt mit großer Präzision Und alles für die Zufriedenheit der Kunden im fernen Deutschland (Treibende Musik) Gegenüber, an der Schälstation, dürfen wir mit einer Arbeiterin sprechen Ihr Name ist Xiao (Mandarin:) Ich bin 40 Jahre alt und eigentlich Bäuerin, hab aber keine Arbeit mehr gefunden Das Leben mit der Fabrikarbeit ist ganz akzeptabel Ich arbeite täglich zehneinhalb Stunden Und der monatliche Lohn beträgt zwischen 2.000 und 3.000 Yuan Je nachdem, wie viele Überstunden zusammenkommen, verdient sie umgerechnet nur rund 250 bis maximal 390 Euro Das ist auch in China nicht viel Erst recht, weil die Lebenshaltungs- kosten beständig steigen (Nachdenkliche Musik) Xiao hat Schichtende Gern hätten wir sie weiter begleitet und näher kennengelernt, hätten von ihren Wünschen erfahren oder Sorgen Doch das wird von der Fabrikleitung abgelehnt Die Wohnquartiere der Arbeiter bleiben für uns tabu Ein Blick auf ein Arbeiterquartier direkt hinter der Fabrik lässt erahnen, warum Die Luft ist beißend, der Smog noch immer unerträglich Davor gelegen: ein Testfeld für Mandarinen Das Fabrikgelände ist umzingelt von Schwerindustrie In China wird nahezu jeder Quadratmeter Boden genutzt, für die große Wachstumsmaschine Wirtschaft Doch die riesige Umweltbelastung bekommt man nicht in den Griff In der Fabrik fahren die zerteilten Mandarinen über Förderbänder direkt unters Dach Dort wird eine Lauge angerührt Darin erhält die Mandarine sozusagen ihr künstliches Lifting (Verhaltene Musik) Jegliche Hautreste, die nach dem Schälen noch bestehen, werden durch die Lauge weggeätzt Über ein Wasserbad geht es wieder hinunter ins Erdgeschoss, wo Mr. Wu wartet Nach der Behandlung sind die Früchte fertig zum Eindosen Jedes Segment der Mandarinen wurde komplett gesäubert Das ist eine alkalische Behandlung Das ist eine chemische Lösung Es ist gefährlich für Ihre Haut Und nicht nur das – Mr. Wu warnt uns, wir sollen in der Nähe der Lauge unbedingt auf unsere Smartphones Acht geben Das ist gefährlich für Ihre Handys Ja, doch Also seien Sie bitte vorsichtig Den Mandarinen scheint das alles nichts auszumachen Mr. Wu jedenfalls lässt es sich schmecken Und dann kommen sie – die Dosen für Deutschland Mit den Mandarinen gefüllt, gibt es noch jede Menge Zuckerwasser hinein, zum Nachsüßen Die Etiketten folgen für die jeweiligen Markenhersteller, und dann gehen die Mandarinen auf ihre lange Reise nach Europa Warum aber verschweigen die meisten deutschen Lebensmittelhändler, dass sie aus China stammen? Ich hab mich persönlich immer dafür eingesetzt, dass das, was wir handeln, auch dann mit dem Ursprung, aus dem es kommt, verkauft wird Wir verkaufen es ja auch in unseren Verträgen als chinesische Ware Aber da wir inzwischen zu 80, 90 Prozent dieses Eigenmarkengeschäft mit den Einzelhändlern haben Jeder möchte eben nur seinen eigenen Namen auf dem Produkt

in seinem Regal haben Müssen Sie dazu die Einzelhändler direkt fragen Das haben wir getan Der Verband des deutschen Lebensmittelhandels antwortet: “Rechtlos im Supermarkt.” Auf diese Formel bringt das Foodwatch Andreas Winkler, Sprecher der Verbraucherschutzorganisation, erzählt uns, dass man immer wieder Verbesserungen fordert, und Gesetzesänderungen für eine verbindliche Herkunftsangabe Doch politisch sei das nicht durchsetzbar Die Lebensmittelindustrie wehrt sich seit Jahren mit Händen und Füßen gegen eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung Die Hersteller haben kein Interesse daran Das ist so ein Fall, wo man sieht, die Interessen der Lebensmittellobby werden von der Politik besser geschützt als die Wünsche der VerbraucherInnen So sieht es Foodwatch Doch zurück nach China Wir sind wieder unterwegs mit Michael Dron, dem jungen Lebensmittelimporteur Im Schatten unfertiger Wolkenkratzer eine Champignonfabrik Die nächste Station, an der Michael Dron und Mister Wu eine Qualitätskontrolle durchführen werden Auch hier, hunderte Arbeiterinnen im Akkord für deutsche Discounter und Supermärkte Es wird sortiert nach Größen, es wird gesiebt, halbiert und geviertelt Natürlich alles in Handarbeit Chefkontrolleur Wu erklärt uns die Anlage Auch Michael Dron ist zufrieden Europa kann den Bedarf einfach nicht decken Der Faktor Arbeiter, der hier zur Verfügung steht, das ist immens und auch die Ge- schwindigkeit, wie es hier abläuft (Atmosphärische Musik) Immer neue Pilzladungen werden angeliefert Am Ende entscheidet nur Zeit, Menge und Geschwindigkeit, ob das Tagessoll erfüllt wird Die Fabrik zahlt Mindestlohn Hier rund 220 Euro monatlich plus Überstunden Das ist selbst für chinesische Verhältnisse wenig Dann geht es zur Abwiegestation Eine Aufseherin kontrolliert alles genau und winkt schon wieder die Nächste Die Arbeiterinnen wuchten reihenweise die schweren Schüsseln Zwischen 17 und 20 Kilo muss jede von ihnen auf die Waage bringen Der Wasserverbrauch ist hoch Die Champignons machen nicht nur Arbeit, sondern auch Dreck Der muss noch weg, dann kann wieder eine neue Schicht beginnen Zurück in Hamburg bei Importfirma Hüpeden, die für deutsche Lebensmittelhändler in China Konserven produzieren lässt Zum Beispiel Tomatenmark Immer mehr Tomatenprodukte kommen aus Fernost Doch kaum ein Verbraucher ahnt das (Reporter:) Ist das nun italienisches Tomatenmark oder chinesisches? Also das ist chinesisches Tomatenmark Mit einer traditionell italienischen Marke Steht jetzt hier drauf, dass das aus China ist? Es muss nicht draufstehen – Mhm Die größten Importeure von chinesischem Tomatenmark sind übrigens die Italiener Sie verarbeiten es weiter, entweder gemischt oder aber auch so Zu ihren Produkten, wie eben Tomatenmark, abgefüllt in Italien Wie aber werden in China Tomaten produziert, wollen wir wissen, und sind ohne die deutschen Importeure unterwegs, im Süden des Landes Auch hier ein Kraftwerk und Schwerindustrie inmitten der Anbauflächen Es gelingt uns, den Kontakt zu einem Tomatenbauern herzustellen Weifang ist Anfang 50 Ein wichtiges Werkzeug: der blaue Spritzkanister für die Pestizide Es ist früh am Morgen Von der Wohnung im Ort fährt er hinaus zu seinen Tomaten Weifang erzählt von großen Schwierigkeiten, die die Tomatenfarmer hier in letzter Zeit mit der Ernte hätten Und niemand wisse, warum Auch die Offiziellen nicht Es geht direkt an den Fluss Dessen Wasser nutzen die Farmer für ihre Tomatenfelder, erzählt uns Weifang (chinesisch:) Früher war die Ernte noch ganz okay Doch zuletzt werden die Früchte immer weniger und schlechter Wir leiden sehr darunter Es muss an der Qualität des Bodens liegen, die wird dramatisch schlechter, jedes Jahr Dadurch bekommen die Tomaten wohl diese Krankheiten Es ist wie ein langsamer, tödlicher Krebs

Unsere Tomaten sind nicht zu retten Was Weifang vermutet, bestätigen Wissenschaftler Die Böden in China sind zu großen Teilen extrem mit Schadstoffen belastet Viele schmutzige Industrieanlagen wurden von den Großstädten aufs Land verlegt, um die Ballungsräume zu entlasten, schaden jetzt aber der Landwirtschaft In Deutschland besuche ich Greenpeace in Hamburg Die Organisation hat zahlreiche Untersuchungen in China durchgeführt Chemieexperte Manfred Santen sieht sich Aufnahmen an, die die massive Einleitung von Industrieabwässern dokumentiert Die habe dramatische Folgen für Mensch und Natur, erklärt er, und für die Nahrungsmittelproduktion Es gibt weite Gebiete, in denen das Wasser, Trinkwasser, nicht mehr aus den Oberflächengewässern gewonnen werden kann, weil sie verschmutzt sind Das ist eine Folge der Industrialisierung Wenn dieses Wasser genutzt wird in der Landwirtschaft, zum Beispiel von den Kleinbauern, aber auch von größeren Betrieben, heißt es einerseits, dass diese Substanzen in den chinesischen Lebensmitteln landen können, aber auch in Produkten nachweisbar sein könnten, die exportiert werden Wieder zurück auf der Tomatenfarm Lipiu heißt die Hilfsbäuerin von Weifang Sie bereit eine besondere Mischung vor Gleich mehrere Chemikalien kommen zum Einsatz Unter anderem das Fungizid Chlorothalonil, das in Deutschland nicht mehr verwendet werden darf Ebenso Terbufos, ein Pestizid, das in Europa verboten ist, Die giftige Mischung soll den kranken Tomaten wieder Leben einhauchen Zum Einsatz kommt auch hier das dreckige Wasser aus dem Fluss Experten sprechen davon, dass bis zu 70 Prozent aller Anbauflächen Chinas verseucht seien Nicht nur die Industrie, auch die Bauern selbst verschmutzen den Boden zusätzlich Weifang rührt einen weiteren Chemiecocktail an Es ist ein Teufelskreis Umso schlechter die Böden, umso mehr sprühen die Bauern Doch das führt am Ende zu immer weniger Erträgen (Düstere Musik) Nach dem Motto “Viel hilft viel” setzt Weifang auch noch große Mengen Düngemittel ein Schon drei bis fünf Tage nach dem Einpflanzen muss man künstlichen Dünger geben Und dann besprühen wir die Tomaten zusätzlich mit Pestiziden Nach 15 Tagen muss man das wiederholen Wieder Pestizide und noch mal Kunstdünger Weifang weiß nicht, wie sie diesmal genug Früchte durchbringen können, bis der Aufkäufer der Ware hier erscheint Der verkauft die Tomaten dann an Großbetriebe, die sie weiterverarbeiten und auch exportieren Ob nach Deutschland, das könne er nicht sagen Seine Assistentin Lipiu streut noch etwas anderes aus Es ist Gift, erzählt sie uns (chinesisch:) Schaut her, eine Ratte hat diese Tomate angefressen Wenn ich kein Rattengift auslege, fressen diese Viecher uns einfach alles weg Ich verstreue das also, um sie auch 100-prozentig zu töten Zusätzlich streue ich noch etwas anderes aus Es ist dieses Produkt, sehen Sie Damit kann man die Tomaten zusätzlich vor Insekten und Ungeziefer am Boden schützen Keine Sorge, das Zeug wird doch überall eingesetzt Nicht nur wir machen das Letztes Jahr ging die Ernte gerade noch so, aber dieses Jahr ist es schrecklich Wir haben riesige Einbußen Keine Ahnung, wie das weitergehen soll, wir haben kein Glück mehr Was die Tomatenbauern nicht zu wissen scheinen: Gerade der viele Dünger sorgt dafür, dass sich Gift und Schadstoffe besonders gut im Boden anreichern Ich möchte mehr erfahren über die Nahrungsmittelsicherheit in China Ein heikles Thema Denn nach zahlreichen Lebensmittelskandalen wächst der Unmut im Land Ich bin zu einem Gespräch per Skype verabredet mit einem chinesischen Blogger Er will unerkannt bleiben, denn öffentliche Kritik ist unerwünscht Man habe deswegen sogar ein neues Gesetz erlassen In Zukunft ist es Privatpersonen, Medien und Verbraucherschutzorganisationen streng verboten, über Lebensmittelsicherheit öffentlich zu berichten Dabei seien die Probleme inzwischen dramatisch,

berichtet mit der Blogger In den letzten Jahren hat die Umweltverschmutzung durch die rasante Industrialisierung massiv zugenommen Die Folgen sehen wir: Schwermetalle überall Verseuchte Böden und vergiftetes Wasser Das sind alles Ursachen für die Probleme bei der Lebensmittelsicherheit Daraus resultiert zum Beispiel ein erhöhter Befall mit Keimen und Schimmelpilzen Dazu kommt der starke Einsatz von Pestiziden, Antibiotika und Wachstumshormonen Und alles ohne effektive Kontrollen, gerade in kleineren und mittleren Betrieben Die Gier der Produzenten ist ein weiter Faktor Wir sind wieder in China unterwegs mit Michael Dron, dem deutschen Lebensmittelimporteur Er legt Wert darauf festzustellen, dass man höchsten Wert auf Qualität und Sicherheit lege Die Problem seien ihm allerdings durchaus bewusst Natürlich ist es eine riesige Industrie und die Luftverschmutzung, ja, das kennt man aus China Aber, was ich natürlich so mitbekomme, dass man gerade zum Thema Umwelt immer wieder bemüht ist, gewisse Standards zu setzen, um das zu verbessern. Man setzt sich damit kritisch auseinander Man sucht nach Wegen, wie man das permanent verbessern kann Experten berichten allerdings davon, das bereits erlassene, strengere Umweltschutzbestimmungen teilweise wieder zurückgenommen wurden Der mögliche Grund: der enorme Wachstumsdruck für die chinesische Wirtschaft Für uns geht es in eine Fabrik, die Pilzprodukte für Deutschland herstellt (englisch:) Das sind unsere Konservenprodukte für den Weltmarkt Wir produzieren Pilze Gemüse. Und das hier ist für den deutschen Markt Das exportieren wir nach Deutschland Darin sind Champignons, Namekos, Austernpilze und Strohpilze Ein Pilztopf eines namhaften deutschen Discounters Die Fabriksprecherin erklärt uns stolz die Vorzüge ihrer Produktion Hier sehen wir den Vergleich zwischen der traditionellen und der modernen Produktion, wie wir sie betreiben Die traditionelle braucht viel Platz, verschmutzt die Umwelt, ist unsauber und bringt schlechtere Erträge Qualitäts- und Sicherheitsstandards gar nicht erst zu erwähnen Wir selbst benutzen überhaupt keine Pestizide Dies dagegen ist ein traditionelles Pilzhaus Dass dort Pestizide eingesetzt würden, sei nicht auszuschließen, erfahren wir noch Dann führt man uns in die heiligen Hallen der Produktion Es ist blitzblank und nur wenige Arbeiterinnen sind zu sehen Champignons werden hier gezüchtet auf eigens kompostiertem Schweine- und Hühnermist, der werde aufwendig sterilisiert, erklärt Michael Dron Für unsere Kunden als Einzelhändler, sie stellen Anforderungen und wissen auch, wie hoch die Qualität in diesen Ländern ist Wie streng sie überwacht werden und jährlich zertifiziert, kontrolliert von Externen aber auch Internen, angekündigte oder unangekündigte Prüfungen finden statt Sodass man hier wirklich sagen kann, die Qualität ist sehr gut Natürlich kämpft man teilweise mit den Konsumenten, der vielleicht etwas abschreckt vor chinesischen Lebensmitteln, aber am Ende des Tages muss man einfach sagen, die Waren sind wirklich unbedenklich Zurück im Showroom der Fabrik Der Pilztopf für Deutschland interessiert mich Denn hier baut man nur Champignons an, woher stammen also die anderen Pilzsorten? (Reporter:) Und woher beziehen Sie die anderen Pilze? Von den einzelnen Bauern Wie aber wird bei diesen kleinen Zulieferern produziert, wollen wir wissen Und wie wird das kontrolliert? Zumal, wie wir erfahren, die Konservenfabrik sogar Champignons dazukauft Man erlaubt uns, einen dieser Zulieferer zu besuchen Und der betreibt genau so ein traditionelles Pilzhaus, wie es die Fabriksprecherin zuvor noch beschrieben hatte Tatsächlich, ein Unterschied wie Tag und Nacht im Vergleich zu der modernen Halle, die man uns vorgeführt hatte Der Champignonzüchter erzählt, wie wenig ergiebig die Ernte ausfällt und räumt ein, dass deshalb gelegentlich auch Spritzmittel zum Einsatz kämen Champignons sind wie ein Schwamm

Sie nehmen Pestizide schnell auf Deshalb muss man damit vorsichtig umgehen Und darum gibt man uns ganz genaue Informationen, wann und wie viel Pestizide wir anwenden sollen In Fällen wie diesen stoßen Lebens- mittelkontrollen an ihre Grenzen Zu kleinteilig ist die Lieferkette in China In den Konserven für den deutschen Endverbraucher landet am Ende ein Pilz neben dem anderen Woher genau der Champignon kommt, das ist natürlich sehr schwierig Weil, wie gesagt, einmal wird er hier industriell hergestellt, aber auch einzeln bei den Farmern Sodass wir keinen Einfluss haben, von welchem Farmer wir die Rohware bekommen Wenn wir hier anfragen und unsere Käufe tätigen, nehmen wir das, was gerade der Markt hergibt Verbraucher können sich im Internet selbst ein Bild machen Im sogenannten Europäischen Schnellwarnsystem wird monatlich aufgelistet, in welchen importierten Lebensmitteln Schadstoffe auffällig wurden, die entweder ganz verboten sind oder über den zulässigen Grenzwerten liegen Beanstandete Produkte kommen aus aller Welt Doch gemessen an der Importmenge fallen Waren aus China besonders häufig auf Zum Beispiel Schimmelgifte in Erdnüssen Oder aromatische Kohlenwasserstoffe in Knoblauch Salmonellen in Pinienkernen Nicht zugelassene Pestizide in Tee Oder Antibiotika in Schweinedärmen für Wurstprodukte (Angespannte Musik) Der Hamburger Hafen Wir wollen herausfinden, wie in Deutschland Nahrungsmittel bei der Einfuhr überprüft werden Für die Kontrolleure des Hamburger Veterinäramtes verläuft hier die EU-Außengrenze Karin Bauer leitet heute die Schicht Die Veterinärin erwartet eine Containerladung aus China Markus Unterberg ist ihr Assistent im Kontrollzentrum Die Spannung steig: Was ist drin, im Container aus dem Fernen Osten? In diesem Fall haben wir eine Fuhre Därme aus China Als Erstes müssen wir kontrollieren, ist es tatsächlich noch der Container, der angegeben ist in den Papieren? Und dann lassen wir ihn öffnen (Angespannte Musik) Im Container drängen sich Plastikbehälter dicht an dicht Die Kontrolleure wollen nur ein oder zwei Fässer öffnen, nicht die ganze Ware wird kontrolliert Eine Stichprobe reiche völlig aus, heißt es Eine Palette also nur – und genau die klemmt (Angespannte Musik) Wurde das mit Absicht so gepackt? Markus Unterberg bleibt hochkonzentriert Kriegst du das weiter gekippt? Ja? Ja! Endlich lässt sich die Palette lösen Auch wenn es gleich die erste im Container ist (Angespannte Musik) Es ist oft schwierig, die rauszu- kriegen, wenn die eng gepresst sind Deswegen gehen wir hier auch nicht weiter rein Warum auch? Eine Stichprobe reicht ja Also, es sind 250 Schweinedärme, in diesem Falle in Netzen, in Salzlake Daraus werden später Häute, sogenannte Saitlinge, für deutsche Bock- oder Bratwürste Vorher schaut sich das Karin Bauer noch mal an Also, es wird eine organoleptische Untersuchung gemacht Das heißt, mit den Organen, die uns zur Verfügung stehen, wird eine Untersuchung gemacht Dazu gehört einmal das Sehen: wie sieht die Ware aus? Sieht sie in Ordnung aus oder nicht? Dazu gehört einmal der Tastsinn: Es wird palpiert, ob irgendetwas nicht normal sein sollte Und natürlich der Geruchsinn Eine Laboruntersuchung sei nicht vorgesehen, erfahren wir Nur bei Anfangsverdacht Assistent Unterberg entdeckt im zweiten Fass etwas Auffälliges Da ist eine leichte Verfärbung Trotz leichter Verfärbung – die Chefin hat schon Schlimmeres gesehen Das ist aber akzeptabel, dieses leicht Rötliche, ja Es gibt eine ganz stark rote Verfärbung, wenn der sogenannte rote Hund da drinnen war, eine bakterielle Verfärbung Die aber noch nicht unbedingt zum Ausschluss der Ware, zum (Reporter:) Aber da sind ja schon – Nein, das ist noch okay Die Därme stammen eigentlich von deutschen Schweinen und wurden nur zum Reinigen und Zuschneiden nach China geschickt Denn dort ist die Bearbeitung besonders billig Einmal um die ganze Welt – und trotzdem ein Schnäppchen für die Wursthersteller Aber auch chinesische Tiere landen in deutschen Würstchen Gerade erst gab es einen Einfuhrstopp für Schafsaitlinge, weil in ihnen verbotene Antibiotika festgestellt wurden Inzwischen ist er wieder aufgehoben

China hat ohnehin einen Sonderstatus Es gibt eine sogenannte Chinaschutzklausel, die eigentlich alles verbietet, dann aber wiederum Produkte auf die Positivliste setzt, die in die EU eingeführt werden dürfen Das gibt es bei keinem anderen Land derzeit Das klingt nicht gerade beruhigend Und das, was bei den Stichproben auffällt, ist nur die Spitze des Eisberges Das Personal reicht nicht aus, um wirklich alle Importwaren lückenlos zu überprüfen Vorgeschrieben sind Kontrollen ohnehin nur für tierische Produkte Verarbeitete pflanzliche Lebensmittel werden an der Außengrenze nicht kontrolliert Das überlässt man dem Markt Der Lebensmittelhandel darf sich gewissermaßen selbst überwachen Die Gründe möcht ich von Karin Bauers Chefin erfahren (On:) Auch weiterverarbeitete Lebensmittel, also in Dosen, Gläsern, werden nicht mehr weiter untersucht Warum ist das so? Das ist jetzt eine sehr trickreiche Frage Also Es ist zum einen eine andere Risikobewertung Es hängt tatsächlich nicht am Verarbeitungszustand, sondern an der Herkunft des Lebensmittels Bei tierischen Lebensmitteln spielt auch die Tierseuchenabwehr mit rein, deswegen werden diese von jeher an der Grenze sehr streng untersucht Bei anderen Produkten, Lebensmittel nicht tierischer Herkunft, auch zum Beispiel Spielzeug oder andere Güter, die auch in Massen aus Drittländern reinkommen, entwickeln sich allmählich Tendenzen zu sagen: Ist es nicht vielleicht sinnvoll, hier auch die Kontrollen an die Außengrenze zu verlegen? Da ist überwiegen die Kontrolle im Inland das Maß der Dinge Reicht das Kontrollsystem für importierte Lebensmittel aus? Was sagen die Verbraucherzentralen dazu? (Sphärische Musik) Schon seit Langem verlangen die Verbraucherschützer eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung Aber auch die vielen Meldungen chinesischer Produkte im Europäischen Schnellwarnsystem hat Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg auf dem Schirm Deshalb fordert die Lebens- mittelexpertin jetzt Konsequenzen Wir meinen, gerade wenn man ein Problem häufiger sieht, und das sieht man ja im Europäischen Schnellwarnsystem, dann sollten hier auch mehr staatliche Kontrollen stattfinden, um hier die Ursachen besser zu beseitigen Es kann ja nicht sein, dass immer und immer wieder so was auftaucht Da müsste man schwerpunktmäßig eingreifen, die staatliche Lebensmittel- überwachung müsste untersuchen Ich fahre nach Berlin zur Vertretung der Europäischen Kommission und möchte erfahren, was man dort zur Forderung nach strengeren Kontrollen sagt Und ob die Auffälligkeiten chinesischer Nahrungsmittel Konsequenzen oder Maßnahmen zur Folge hätten (Angespannte Musik) EU-Sprecher Reinhard Hönighaus betont im Gespräch, dass auch andere Länder wie die Türkei, aber auch Deutschland selbst häufig Lebensmittelwarnungen produzieren würden, räumt aber ein, dass es ein Problem gibt China ist ein großes Land, eine große Wirtschaftsmacht und auch ein großer Exporteur von Lebensmitteln Und wir importieren eben auch sehr viel aus China Und wo viel Menge ist, fällt auch öfter mal was auf Deswegen haben wir regelmäßige Audits in China, wo wir nachgucken, wie kontrollieren die dort Wenn es Probleme gibt, wird das festgehalten in den Auditberichten Und es wird dann auch erwartet, von uns, dass die Probleme abgestellt werden Doch werden sie abgestellt? Uns liegen aktuelle Prüfberichte der Europäischen Kommission vor, in denen von gravierenden Mängeln in Chinas Lebensmittelindustrie die Rede ist Darin heißt es, “dass die bestehenden Kontrollverfahren bislang keine Nachverfolgung der Europäischen Warnmeldungen gewährleisten würden.” Das hätte zur Folge, dass solche Maßnahmen gar nicht ergriffen würden oder nicht angemessen seien Zum Beispiel in der Fischindustrie Dort komme es, unter anderem, zum Nichteinhalten der Kühlkette, zu Keimbefall und überhöhtem Phosphateinsatz In deutschen Tiefkühltruhen kommt fast jedes vierte Fischprodukt aus China Oft stammt der Fisch aus entlegenen Fanggründen im Pazifik und wird dann in chinesischen Fabriken filetiert und nach Europa weitergeschickt Allein im letzten Jahr wurden rund 900.000 Tonnen eingeführt Da will man ganz genau hinschauen, doch die EU-Kontrolleure blitzen jüngst bei den Chinesen ab Als sie 2018 die Fischereiflotte besichtigen wollen, dürfen die Europäer kein einziges Schiff inspizieren Ein Importstopp wird nicht verhängt Die EU sieht keine akute Verbrauchergefahr, fordert aber Garantien von den Chinesen Doch passiert ist nichts (On:) Wann können wir mit Ergebnissen rechnen? Also Fristen kann ich Ihnen dazu jetzt nicht nennen Die Kollegen sind permanent im Gespräch mit den chinesischen Behörden dazu China ist ein großes Land mit einer funktionierenden Verwaltung

Also wir haben Ansprechpartner, um auch solche Mängel da nachzuverfolgen und abzustellen Wieder in China (Angespannte Musik) Ein kleiner See Müll achtlos verstreut Nicht weit von Peking entfernt, liegt ein Zentrum für Tierdarmproduktion Eine verschlossene Welt Doch es gelingt uns, eine Fabrik zu finden, die einen Besuch erlaubt Hier werden Wurstsaitlinge aus chi- nesischen Schafsdärmen hergestellt Für den Export auch nach Deutschland Die Arbeiterinnen machen alles in Handarbeit Das Spülen und das Kalibrieren, also das Messen und Sortieren der Därme, nachdem man Muskelschicht und Schleimhaut entfernt hat Unaufhörlich gleiten die Innereien durch ihre Hände In den Prüfberichten der EU-Kontrolleure wurden große Mängel in der Produktion von Wurstsaitlingen festgestellt Gerade dort, wo Därme von chine- sischen Schafen zum Einsatz kommen Es wurden verschiedene Antibiotika gefunden, die in Deutschland in der Tierhaltung verboten sind In der Fabrik wisse darüber aber niemand Bescheid, sagt man uns Ma Jie, eine Arbeiterin, versucht immer wieder, Haare oder andere Rückstände aus den Därmen zu entfernen Auch hier alles im Akkord Manchmal bleibt doch etwas hängen Ma Jie macht das seit Jahren Tagein, tagaus – nichts als Schafsdärme Diese Arbeit ist schon hart, vor allem im Winter, dann ist es selbst hier drin eisig Meine Hände frieren dann stark (Asiatische Klänge) Wärmende Handschuhe gebe es nicht, erzählt sie Immerhin dürfe sie dann eine besondere Handcreme benutzen Nach zwölf Stunden Arbeit fährt Ma Jie nach Hause Wegen der Luftverschmutzung trägt sie Atemmaske Sie selbst habe keine Zeit, um sich viele Gedanken zu machen um Lebensmittelsicherheit, erzählt sie Ma Jie wohnt mit ihrer Familie zusammen Mutter, Ehemann, eine Tochter Wenn ich abends zu Hause ankomme, fühle ich mich leer und erschöpft, ich kann einfach nichts mehr unternehmen Keine Hausarbeit, kann mich nicht um meine Tochter kümmern, oft nicht mal mehr kochen Die deutschen Discounter und Lebensmittelketten schweigen sich in Sachen Herkunft der Rohstoffe aus Auch bei Tiefkühlprodukten werden dazu selten Angaben gemacht Da heißt es häufig nur “hergestellt in Deutschland” Eine Ausnahme: der Hersteller Frosta Auf dessen Verpackungen steht klar, welche Zutaten woher stammen Auch das, was aus China kommt, wird angegeben Noch einmal wollen wir unseren Chinaimporteur sprechen Thomas Schwieger hat eine Marktlücke entdeckt Wir fangen an, mehr und mehr nach China zu exportieren, europäische Lebensmittel Unsere Politiker in Brüssel und auch hier haben noch gar nicht richtig erkannt, was für ein Potential für die nächsten Jahrzehnte in China wächst Ein Markt von Konsumenten, die sichere Lebensmittel haben wollen, die bereit sind, für sichere Lebensmittel auch etwas zu bezahlen und die auch in der Lage sind, das Geld dafür aufzubringen Das mag für sehr wohlhabende Chinesen gelten, Menschen wie Weifang werden sich teure Lebensmittel aus Deutschland nicht leisten können Der Tomatenfarmer muss seine Familie ernähren Und das wird immer schwieriger Wir haben jahrelang Tomaten angebaut Alles nur, um ein etwas besseres Leben zu haben (Melancholische Musik) Aber mit den kranken Tomaten stirbt nun auch unsere Hoffnung Bei Familie Allgäuer in Eltville am Rhein ist der Nachtisch dran: Mandarinen aus China Die haben eine weite Reise hinter sich – im globalen Netz der Lebensmittelindustrie (Bewegte Musik) Die billigen Konservenprodukte haben trotzdem ihren Preis Der wird häufig in den Herstellungsländern bezahlt, durch niedrige Löhne und durch problematische Produktionsmethoden, zulasten von Natur und Mensch (Bewegte Musik) SWR 2019