Mit Geländewagen und Dachzelt durch Madagaskar – Abenteuerliche Reise auf dem achten Kontinent

Auch wenn es “nur” eine Insel im Indischen Ozean ist, dass Madagaskar auch als sechster Kontinent bezeichnet wird, kommt nicht von ungefähr Denn auch wenn das Eiland etwa 1,6 mal so groß wie Deutschland ist, verbirgt sich hinter ihm ein ganz besonderes Stück Land Einzigartig im besten Wortsinn, denn die meisten Blühpflanzen und Säugetierarten sind endemisch, kommen also nur hier vor. Sabine Hoppe und Thomas Rahn waren hier unterwegs Mit Dachzelt und einheimischen Fahrzeug namens Karenjy, einem urtümlichen Gefährt aus madagassischer Produktion Nervenkitzel, anspruchsvollstes Terrain und immer wieder wechselnde Landschaften Willkommen auf Madagaskar! So, wir sind unterwegs auf Madagaskar und zwar mit einem ganz besonderen Fahrzeug: Dem Karenjy Mazana II Ein Auto, das hier auf der Insel gebaut wird und wir haben von Karenjy eines dieser seltenen Fahrzeuge zur Verfügung gestellt bekommen Genau genommen dem zweiten Prototypen der gebaut wurde Und wir werden damit sechs Wochen quer durch Madagaskar fahren und mal schauen, wie weit wir dabei kommen Vom Startpunkt Fianarantsoa im Inselinneren geht es zunächst nach Osten Erster Besuch im tropischen Bergnebelwald. Der noch junge Nationalpark Ramonafana und schon bald lassen sich auch die Lemuren blicken 4000 Kilometer wollen wir insgesamt über die Insel fahren. Mal schauen, ob man das wirklich in den sechs Wochen schaffen können. Die Straßen sind ganz schön holprig und gestern haben wir für rund 150 Kilometer insgesamt, ja, einen ganzen Tag Fahrt gebraucht. Denn so wie jetzt gerade hier eben gibt es jede menge Schlaglöcher auf der Straße. Da muss man immer wieder abbremsen Also wir müssen da einfach mal schauen, wie weit es insgesamt geht Getreu dem madagassischen Lebensmotto “mora mora” – “immer mit der Ruhe”. Denn mit der Brechstange geht hier nichts Immerhin gilt das auto mit dem Look eines Schuhkartons als robust Ja unser Mazana der hat Allradantrieb, das kann ich hier unten einstellen. Aber die Straßen sind aber teilweise so übel, also man hat uns prophezeit, dass wir mit dem Fahrzeug wahrscheinlich nicht alle Straßenabschnitte fahren können Teilweise muss es ziemlich tiefen Sand geben, extreme Spurrillen und ja, das wird sehr sehr holprig. Wir haben ein Paar afrikanische Sandbleche mitbekommen. Das sind Lkw-Reifen, die einfach der Länge nach abgeschnitten worden sind. Die könnten uns ein bisschen über den Sand bringen könnten, aber ob wir alle Routen schaffen können, die wir uns vorgenommen haben, wissen wir nicht Die Straßenverhältnisse sind das Eine, der madagassische Verkehr eine weitere Zutat für eine spannende, abwechslungsreiche Tour Also hier zu fahren ist schon was ganz Besonderes. Man muss ständig irgendwelchen Dingen ausweichen. Hühnern und Leiterwägen. Zebus und jede Menge Schlaglöcher Also ja, das Fahren hier ist schon sehr sehr anspruchsvoll Entspannt “cruisen” kann man hier nicht Momentan ist es ganz gut, also die Straße hier an der Ostküste am Indischen Ozean entlang Richtung Süden ist verhältnismäßig gut aber teilweise, die Strecken, die sind so übersät mit Schlaglöchern, teilweise kann man 5, 6, 7, 10 km/h fahren Teilweise fahren wir mit Schrittgeschwindigkeit. Hier wieder ein Hahn vor uns der hier die Straße quert. Der hat natürlich Vorfahrt. So, jetzt ist er vorbei Also hier muss man schon ganz besonders gut aufpassen Sabine und Thomas arbeiten sich langsamer als gedacht nach Süden vor und gewöhnen sich zusehends an die Landessitten Wenn hier soviel los ist auf der Straße, dann muss man einfach hupen, dann gehen alle zur Seite, auch wenn das so ein Bisschen unhöflich erscheint. Das machen die Einheimischen auch so

Und es hilft nichts. Man muss hier hupen (hupt) Drei Hühner voraus (lacht) Aber an sich macht es Spaß hier lang zu fahren, weil es unglaublich viel zu entdecken gibt und die Brücken sind schon spektakulär und jetzt bin ich schon gespannt auf die erste Fährüberfahrt, die bald auf uns wartet Immer wieder wird die Piste von kleineren und größeren Flüssen unterbrochen. Die Fährfahrten sind kostenlos. Die Regierung zahlt Deutlich kniffliger sind da schon so manche Brückenüberquerungen Anhalten und testen ist eine gute Idee Gerade wenn der Fluss hie und da förmlich zwischen den losen Bohlen hindurchglitzert Das Aufblas-Dachzelt haben die beiden Overlander aus Deutschland mitgebracht. Doch vom freien Campen wird ihnen immer wieder abgeraten Sobald die Nacht anbricht, sollen sie sich in einen Ort verziehen, so die eindringliche Warnung der Einheimischen Eine Campinginfrastruktur gibt es nicht, wohl aber immer mal wieder einen Stellplatz gegen geringe Bezahlung und zum Frühstücken findet sich entlang der Route auch die eine oder andere Gelegenheit Köstlicher Kaffee natürlich inklusive Wir sind gerade beim Frühstücken. In einem Ort dessen Namen ich vergessen habe. (Musik im Hintergrund) Auf jeden Fall gab es hier heute morgen ab 5 Uhr 45 Karaoke bereits schon wieder Und jetzt sind wir am Markt. Haben ein schönes Café gefunden Essen Schmalzkringel und trinken leckeren Kaffee Die Stärkung ist wichtig, denn schon bald wartet eine extrem anspruchsvolle Piste auf die beiden Uns fehlen heute noch ungefähr 30 Kilometer bis dorthin, wo wir hinkommen wollen. Wir wissen wie immer nicht, ob wir es schaffen können Die Straßen hier ist auch wieder ziemlich übel, aber bisher ging es ganz gut Mal schauen. Wir sind jetzt schon den dritten Tag unterwegs, auf dieser Route, für die wir eigentlich ein bis zwei Tage geplant haben. Aber wir haben nicht damit gerechnet, dass es wirklich so extrem schlecht von der Straßensituation her sein wird Ja, wir haben gerade eben die dritte Fähre passiert und der Anstieg wieder aufs höhergelegene Land, hier hoch, nach der dritten Fähre war extrem schwierig Viele große Steine, extreme Rinnen, also falls es hier regnen sollte, hätte man überhaupt keine Chance hier durchzukommen Zumindest wir nicht mit dem Fahrzeug. Aber jetzt wo es trocken ist haben es zumindest bis hierher geschafft Die Fahrt geht vorbei an in Brand gesteckten Grasflächen. Der Umweltschutz zwar in der Verfassung verankert, doch die Realität sieht meist anders aus Früher war Madagaskar bewaldet, heute ziehen sich weite, öde Grasflächen über die Insel Sie werden immer wieder abgebrannt, um frisches, weiches Gras sprießen zu lassen Die durch diese Art von Landwirtschaft entstehende Erosion ist ein großes Problem Auch wenn ihnen davon abgeraten wurde in der Dunkelheit zu fahren, manchmal lässt es sich nicht vermeiden,

wollen die beiden noch ihren Zielort des Tages erreichen Bei einer Lodge wird eine höchst willkommene Pause von der Schaukelei eingelegt Nach drei harten Fahrtagen haben wir uns jetzt heute einen Tag Ruhe gegönnt. Hier ist auch ein wunderschöner Platz, wo wir in Ruhe mal sauber machen können Das Auto hat es, glaube ich, auch dringend nötig. Überall ist der Staub. Diese rötliche Erde frisst sich überall rein und dann schauen wir heute mal, dass wir einigermaßen das Ganze wieder sortiert bekommen Da bleibt neben dem Ausspannen auch noch Zeit sich das mitgegebene Equipment etwas genauer anzusehen Man hat uns noch ein paar von diesen Traktionshilfen hier mitgegeben Also madagassische Sandbleche. Im Prinzip sind das alte aufgeschnittene Lkw-Reifen, die man unter die Reifen legen kann, wenn es hart oder sandig oder rutschig werden könnte. Wir hoffen, dass es in den nächsten Tagen nicht regnen wird, weil wenn es auf dieser Strecke regnet, dann sehe ich schwarz. Ich glaube, dann kommen auch mit diesen Dingern und mit Allrad und mit allem, was wir sonst noch in die Waagschale werfen können, nicht mehr weiter Doch das Wetter bleibt Sabine und Thomas gewogen. Nach weiteren Fährüberfahrten gelangen sie an die Küste, die immer wieder fantastische Ausblicke gewährt Heute sind wir an einem wunderschönen Strand gelandet, und ich habe gerade den Fischer gefragt, ob man hier gut schwimmen kann Er meint: “Ja.” Und dann habe ich auch noch gefragt, ob es denn Haie gibt Er meint auch : “Ja.” Naja, jetzt hoffen wir mal, dass er mich nicht richtig verstanden hat und wir hier ohne Haie baden gehen können Die Lagune bietet einen perfekten Spot für die Nacht und der Blick aus dem ersten Stock ist unbezahlbar Ja so wie es heute ist, könnte es wirklich eine ganze Zeit lang bleiben Wir stehen mit dem Dachzelt direkt vor der Lagune. Da hinten gerade eben der Sonnenuntergang Wir hatten einen wunderschönen Tag, sind am Strand entlang gewandert. Ein traumhafter Sandstrand nach dem anderen Die Sonne war ganz schön stark. Ich glaube wir haben uns ein bisschen verbrannt Aber der Tag war einfach absolut herrlich. Morgen geht es dann weiter, dann vielleicht endlich der letzte Streckenabschnitt auf der RN 12 bis nach Fort Dauphin Übrigens, das Dachzelt lässt sich einfach zusammenlegen und ist schnell verstaut. So sind Thomas und Sabine in kurzer Zeit abfahrbereit Auf den Wegen genießt so manche Strahlenschildkröte die Sonne. Aber es hilft nichts, ihr Schlummer muss sanft unterbrochen werden Madagaskar, das ist natürlich auch das Land der Lemuren. Die neugierigen “Eingeborenen” müssen ihre Nase überall hineinstecken Heute nieselt es ein wenig. Die Straßen sind nass und ein bisschen rutschig aber zum Glück kommen wir hier ganz gut vorwärts Der Straßenzustand ist deutlich besser als in den letzten Tagen Die RN 12 war ja in weiten Teilen wirklich hart zu fahren. Jetzt sind wir mittlerweile südwestlich von Fort Dauphin unterwegs Richtung Südspitze von Madagaskar und es gibt zwar viele Schlaglöcher aber die Straße ist zum Teil geteert und ist ganz gut zu fahren Neben den obligatorischen Ochsenkarren trifft man auf dem Weg auch immer wieder auf Relikte aus deutscher Produktion Kleine Ortschaften säumen den Weg und je weiter die Overlander von Städten entfernt sind, desto größer ist das Interesse der Bevölkerung an den beiden Deutschen An Verkaufsständen findet man problemlos etwas zu essen und das zu extrem günstigen Preisen

Kleine süße Stärkungen wie den Mofo Gasy einen Knödel aus Reismehl etwa gibt es schon für 10 Cent Wir sind mittlerweile westlich des Gebirges Das heißt hier ist es sehr sehr trocken Die Straßen sind mittlerweile sandig, lassen sich dadurch viel einfacher fahren als bisher Wir schaffen fast 30 Kilometer in der Stunde Der Bewuchs hat sich ebenfalls geändert. Wir fahren vorwiegend an Kakteen vorbei und die ersten Baobabs haben wir auch schon entdeckt Das hier ist einer der ganz ganz seltenen Wegweiser für uns auf dem Weg begegnen Hier geht es auf die Seitenroute nach “Antaritarika” Keine Ahnung wo das liegt 23 Kilometer, möglicherweise liegt das schon direkt am Ozean. Wir halten uns heute weiter auf der Hauptroute. Die geht hier weiter Und das GPS und die Karte helfen uns bisher ganz gut, und wenn wir uns nicht zurechtfinden kann man immer jemand fragen, weil selbst hier, in der gefühlten Einsamkeit, am Straßenrand trifft man hier fast ständig Leute die von einem Ort zum anderen laufen Wir sind mittlerweile in einer komplett anderen Vegetationszone gelandet Östlich des Gebirgszugs war es tropisch feucht, regnerisch. Wir hatten gestern sogar ein bisschen Regen Hier ist es jetzt plötzlich knochentrocken Der ganze Regen bleibt am Gebirge hängen und man sieht es schon hier an der Vegetation: Es ist karg Viele Sukkulenten, die in ihren Blättern oder auch in ihren dicken Stämmen das Wasser speichern um über die Trockenzeit zu kommen Auch diese ganz bekannten Baobab Bäume mit ihren mächtigen Stämmen die gibt’s hier in der Gegend und die haben es auch auf viele Reiseprospekte für Madagaskar geschafft Die mächtigen Baobabs, die Affenbrotbäume bilden an manchen Stellen wahre Touri-Hotspots Zugegebenermaßen sind die skurrilen Bäume auch wirklich ein Hingucker Einsame Pisten und bunte, farbenfrohe Orte wechseln sich auf der Fahrt nach Norden ab – und irgendwann ist sie da, die erste Panne Wir haben das erste kleine Loch im Reifen Eigentlich ein Wunder, dass es bis jetzt noch nicht passiert ist. Jetzt verlieren wir hier hinten rechts ein bisschen Luft Wir sind gerade im Norden, zwischen Ambanja und Ambilobe Relativ nah am Nordende schon, an unserem Ziel, das wir erreichen wollen: Dem nördlichsten Punkt “Cap d’Ambre”, der nördlichste Punkt Madagaskars. Und naja, so ein bisschen Luft geht immer aus Aber wir haben aus Deutschland einen kleinen Kompressor mitgebracht Der hilft uns in dem Fall ganz gut weiter. Kein besonders hochwertiges Gerät Aber für diesen Fall gerade gut genug (Kompressor brummt) Doch der Reifen hält durch und der Karenjy zuckelt weiter durch die madagassische Steppe In Diego Suarez, der größten Stadt im Norden ist Markt Heute ist es soweit Nach den vielen Tausend Kilometern Fahrt durch Madagaskar, wollen wir heute versuchen den nördlichsten Punkt zu erreichen Wir starten gerade aus Diego Suarez, dieser großen Stadt im Norden. 70 Kilometer trennen noch vom Cap d’Ambre Dem nördlichsten Punkt Madagaskars und wir rechnen heute mit zehn bis elf Stunden Fahrt bis dorthin Ja, es wird mal wieder spannend, ob wir es erreichen können. Aber jetzt könnten wir das Ziel fast schon spüren Das Ziel, die Nordspitze ist nun wirklich nicht mehr weit, aber die letzten Kilometer verlangen noch einmal eine Menge vom Karenjy und seinen Insassen Bisher war die Straße ganz gut

Es war sogar zum Teil neu befestigt. Das hat uns gut vorwärts gebracht. Drei Stunden gefahren, 40 Kilometer sind wir schon weit gekommen Jetzt sagt mir dass GPS es sind noch 23 Kilometer bis an die Nordspitze hoch. Jetzt wird’s ein bisschen happiger Die Straße wird kleiner, felsiger, steinig, sandig. Aber ich glaube, dass wir es schaffen können Nach mühevoller Wegearbeit ist das Ziel dann plötzlich da: Der Leuchtturm vom Cap d’Ambre Da oben steht der Leuchtturm – wir sind am Cap d’Ambre angekommen! Am nördlichsten Punkt von Madagaskar Mann! War das eine Fahrt hier hoch! Aber wir haben es geschafft Hier sind wir! Wir haben Madagaskar komplett vom südlichsten bis zum nördlichsten Punkt durchquert Mission erfüllt! Sechs Wochen für eine Insel – oder für einen Kontinent, wie man Madagaskar auch bezeichnet Dieses Eiland hat es in sich. Und die Flut an Eindrücken will erst mal verarbeitet werden Die Reisegeschichte von Sabine und Thomas ist auch im EXPLORER 2/2020 nachzulesen und Filme zu weiteren Sehnsuchtszielen findet ihr hier in unserem Kanal