Reise in den Iran | Ein Schweizer sucht nach seinen persischen Wurzeln (1/2) | Doku | SRF DOK

(Dieser Film beginnt in der Schweiz.) (Er handelt von Erwartungen und Enttäuschungen.) (Aber auch von Heimat.) (Nur: Was ist Heimat?) (Als ich eineinhalbjährig war, ist meine Familie mit mir aus dem Iran in die Schweiz geflüchtet.) (Nach Chur. Dort haben wir ein neues Leben angefangen.) (39 Jahre später weiss ich nicht, ob ich Schweizer oder Iraner bin Oder beides?) (Das ist meine Geschichte, aber es könnte genauso gut die Geschichte Tausender anderer Menschen sein, die in die Schweiz gekommen sind und hier ein besseres Leben gesucht haben.) (Ich muss zurück in den Iran.) (Es ist eine Reise zu meinen Wurzeln, in meine Lebensgeschichte.) (Es wird vielleicht schwierig, und vielleicht tut es auch weh.) * Eindringliche Streichmusik * Kannst du mal die Kamera ausschalten? MIT TELETEXT-UNTERTITELUNG Familie ist Die Familie ist sicher wichtig Die Familie * Sanfte Klaviermusik * Ich wurde sehr familiär erzogen, in einem sehr intakten Familienverhältnis Als der Vater gestorben ist, bröckelte das etwas auseinander Darum hat sich der Stellenwert der Familie für mich etwas Der ist für mich nicht ganz so hoch Ich bin zwischen zwei Kulturen aufgewachsen Man hat zu Hause die andere Seite, das Persische, doch gespürt Aber ich habe diese Kultur etwas vergessen. Aber sie ist auch in mir Sie wurde mir als Kind auch beigebracht Kiano, komm her! Aber ich habe sie zur Seite gelegt Das hat auch mit dem Tod meines Vaters zu tun, als ich knapp 22 war Ich lebte es nicht mehr, sprach die Sprache nicht mehr, obwohl ich mit der Sprache, dem Essen, den Gerüchen aufgewachsen bin Jetzt bin ich knapp 40, das ist der Zeitpunkt, ich spüre das * Telefon-Freizeichen * * Ein Mann spricht Farsi. * Oh! * Salar spricht Farsi. * Wie sagt man? Bye-bye Ah! Ich merke: Mein Farsi ist so eingeschlafen Ich ringe wirklich nach Wörtern Ich muss schauen, dass ich in den nächsten Tagen und Wochen noch etwas Persisch rede Aber es ist alles auf Kurs Wir haben die Papiere fertig, wir werden in Teheran Hilfe haben und jemanden, der uns die Stadt zeigen kann, der im gleichen Alter ist Es fällt mir gerade ein Stein vom Herzen Es kommt jetzt alles näher Es ist spannend, eine Herausforderung Vielleicht kommen wir nie am Ziel an So platt es klingt: Hier ist der Weg das Ziel Ich bin froh … Ich möchte schon über die Grenze kommen Ich muss in das Land Ich glaube an das Gute Ein Iraner würde sagen: Inshallah * Orientalisch anmutende Klänge * * Kiano bellt. * (Ich bin im April 1979 geboren.) (Meine Mutter, Sibylle Bahrampoori, eine Baslerin.) (Sie hat die Handelsschule besucht.)

(Mein Vater, Iradj Bahrampoori, hat in Basel studiert.) (Geboren wurde er im Iran.) (Mein Bruder Geev, rechts im Bild, ist 18 Monate älter als ich.) (1980 bricht der Erste Golfkrieg aus.) (Unter Beschuss muss meine Familie unser Haus in Teheran verlassen.) (Wir fliehen in die Schweiz.) (Ich bin in Chur aufgewachsen und habe das KV gemacht.) (Als mein Vater starb, war ich 22.) Hoi – Hoi Hoi, ciao Salar – Hoi Hoi! Geht es dir gut? – Ja Hoi, hoi, hoi Schön bist du gekommen, Geev – Ciao Bist du gut gefahren? Tipptopp – Okay Hoi, Salar! – Hoi Da gibt es Khoresht-e Bademjan Dann habe ich noch ein Gericht mit Huhn Ah, so! – Ich muss den Reis noch wärmen Und Ghormeh Sabzi – Das ist eine Überraschung Das hatte ich seit Jahren nicht mehr von dir. – Guten Appetit Wie sagt man auf Persisch “guten Appetit”? – Nooshejaan Nooshejaan Bon appetit Als Kinder haben wir fast nur persisch gegessen Oder? War das so? – Ja, das war so Es fällt mir auch am leichtesten zum Kochen Weil ich zuerst persisch kochen gelernt habe Wie habt ihr zwei es so? Wie ähnlich oder unterschiedlich seid ihr? Wir haben schon als Buben gestritten an diesem Tisch Immer viel gestritten Wir haben uns aber auch sehr lieb gehabt! – Es geht nicht ohne und nicht mit * Lachen * Nein, nein Salar ist einfach das Teufelchen Er hält sich nicht gern an Regeln, geht seinen eigenen Weg, muss jede Erfahrung selber machen Mhm Das zieht aber auch sehr viel Gutes mit sich * Einzelne Klavierakkorde * Wird es auch eurem Familiengefüge etwas bringen, euch mehr zusammenhalten, wenn Salar zurückkommt? Das werden wir sehen Das müssen wir offen lassen Das müssen wir offen lassen Sein Vater hat ihm ja vorgelebt, wie er mit der Familie kommuniziert hat Das hat Salar aber total verdrängt Er ging seinen eigenen Weg Ganz anders als Geev? Ganz anders als Geev Ja, wo immer Aber auch Salar hat sicher viele positive Seiten Nebst den negativen Es täuscht eben. Ihr glaubt, ich hätte diese Werte nicht Ich habe sie schon Aber die Werte, die Vater uns mitgegeben hat, und dass ich merke, dass wir anders sind als “normale, klassische” Schweizer – das ist mir klar Und das ist ein Teil, weshalb ich auf die Reise will Ciao, Salar, mach’s gut! Tschüss! – Tschüss. Pass auf dich auf! Gleichfalls, pass auf dich auf! Ciao (Auch in so schönen Momenten spüre ich Vorwürfe.) (Ich war nicht immer so, wie ich hätte sein sollen.) Kommt gut zurück! – Pass auf dich auf, gell! Pass auf dich auf! Grüsse alle von uns Tschüss – Und eine gute Zeit Vielen Dank – Eine gute Zeit Alles wird gut Ciao – Vielen Dank Inshallah – Inshallah Hierher zu kommen ist mittlerweile schön Es tut mir einfach für ihn leid, weil er so lebensfroh war Ich weiss noch, wie er das nicht verstehen konnte So habe ich es damals empfunden, als er gehen musste Es war für ihn sehr schwierig, uns so zurückzulassen Und selber so aus dem Leben gerissen zu werden innert fünf Monaten Ihm war es wichtig, dass wir den Iran kennen, von seinen schönen Seiten Er würde sich sicher freuen, dass ich jetzt auf die Reise gehe * Melancholische Klänge * (Bevor es losgeht, zeige ich mich noch mal so,

wie man mich in der Schweiz kennt.) (“Glanz und Gloria” – mein berufliches Zuhause.) * Verspielte Klaviermusik * Das ist mein letzter Arbeitstag, wir haben unsere alljährlichen Glorys, eine Verleihung, bei der die Promi- nenten in verschiedenen Kategorien nominiert sind und ausgezeichnet werden Für mich ist jetzt noch Abschluss vor der grossen Reise Zusammen sind wir stark Zusammen sind wir stark und zusammen macht es Spass Ja, jetzt wird man nervös, jetzt kommt es * Jubel, Applaus * Jetzt geht es erst los, oder? Ja, jetzt geht es los Schönen Abend miteinander * Titelmelodie von “Glanz & Gloria” * Danke schön! Ach! Ah, ein gutes Gefühl Es ist gut gegangen Ja, wirklich – Es ist schön Ich bin froh. Oh, Salar! Jetzt haust du ab? Ja, jetzt haue ich ab – Du kommst wieder zurück! Ja, ich komme wieder zurück Jetzt will ich gerade nicht gehen Ich habe natürlich schon vieles vorbereitet, aber der letzte Schliff ist noch zu machen Wo gehen wir denn Ski fahren? Das werden wir sehen Im Iran ist jetzt Es ist Mitte Januar, es hat dort sehr viel Schnee Es gibt verschiedene Skigebiete Es ist eines der grossen Ziele, einer meiner Bubenträume: Wenn wir schon im Januar dort sind, dass wir sicher Ski fahren werden Es war abgemacht: Zwei Gepäckstücke darf ich mitnehmen Ich habe mich daran gehalten Das werde ich vermissen (Dass wir das Auto – früher als uns lieb ist – wieder ausräumen müssen, ahnen wir nicht, als wir in Zürich losfahren.) So, ich würde sagen, in Zürich setzen wir den Tageszähler auf null Wir starten. Ich habe Gieri mit- genommen als Andenken an Graubünden Ich bin sonst nicht der Tiermensch mit so künstlichem Zeug, aber Gieri kommt mit auf die Reise Mal schauen Also, wir fahren los! Vamos! – Bist du bereit, Reto? Ich glaube es nicht * Gefühlvolle Ballade: “Heartbeats” von Jose Gonzalez * (Von Zürich nach Teheran sind es fast 5’000 km.) (Eine Reise durch acht Länder.) (Eine Reise zu meinen iranischen Wurzeln.) (Ein Roadtrip mit meinem Freund und Filmemacher Reto Wettstein.) (Ohne ihn könnte ich dieses Abenteuer nicht wagen.) # Mind is a razor blade Hey, wir sind gestartet Nein, ich meine es ernst. Ich – Nein, ich bin Ich bin auch noch nicht ganz – Ich bin auch noch nicht # One night of magic rush Ich kann noch nicht ganz glauben, dass ich wirklich hier sitze, auf der A13 Richtung Chur, und eigentlich Richtung Iran fahre Das ist schon unglaublich # The colors red and blue Im Moment habe ich das Gefühl, ich sei da in der Schweiz zu Hause Dieses Gefühl werde ich wohl auch immer haben Es fragt sich nur, wie stark ich mich dort zu Hause fühle Das ist eine Frage, die mich beschäftigt Mich beschäftigt auch die Frage, wie stark man sich überhaupt irgendwo zu Hause fühlen muss * Melancholische Klaviermusik * (Wir treffen Pat, eine lebenslange Freundin meiner Mama.) Hallo, Pat – Hallo Mei, ist das nett! Nach so vielen Jahren Ich glaube, seit Papa gestorben ist, haben wir uns nicht mehr gesehen

(Pat hat die Liebe meiner Eltern von Anfang an miterlebt.) Dann klingelt mein Telefon Aus England, die Oma, die Katie “Bitte, bitte, komm! Ich brauche dich ganz dringend.” “Sibylle hat sich verliebt – in einen Iraner.” “Und sie will den heiraten.” Ich glaube, sie war nicht mal 18 Sie war 17 Ich kam natürlich rüber Sie sagte: “Du musst ihr das ausreden.” “Du musst ihr sagen, sie kann den Iraner nicht heiraten.” Ich bin hingefahren und habe gesehen: Es ist alles umsonst Sie ist total verliebt Ich habe gewusst: Die heiraten Er war mit ihr sehr, sehr nett Ja – Dein Vater war ein Gentleman Ja Er war kein englischer Gentleman, aber ein iranischer Gentleman Ich wusste, es würde ihr gut gehen Was war ich für ein Kind? – Oh Gott! Du warst gerade das, was eigentlich deine Eltern – wenn ich ehrlich ganz bin – nicht wollten Du warst frech, du warst lebhaft, du hast alles getan, was sie nicht wollten War das schon so früh? – Ja! Du warst ein Rebell Das war Geev nicht – Ich weiss, ich weiss In meiner Erinnerung – Geev war brav Ist er heute noch Ich verspreche dir jetzt, dass ich nach der Reise zurückkomme Ja, wunderbar. Okay Pass auf dich auf! – Ja, das mache ich. Danke schön Du musst Frauen immer fernbleiben – Das mache ich Da lacht er – Er lacht auch. Mit Recht * Sphärische Klänge * Mit dem Auto zu reisen, das ist es eben Alle steigen in den Flieger und am anderen Ort aus Das ist wie ein Kulturschock Aber durch die Ländereien zu fahren, sich langsam einzuleben, das ist einfach schön Und das macht man viel zu wenig * Sphärische Klänge * Ich glaube, hier müssen wir Das ist jetzt Kroatien, oder? Ja, nein Wir waren jetzt in Kroatien Ist das Serbien? – Wir waren jetzt in Slowenien Das ist Kroatien Die Frage ist: Was machen wir hier? Müssen wir hier schauen oder nicht? Nein, wenn es nicht Serbien ist Sonst fragen wir einfach Hola! * Sie sprechen Englisch. * Hey, wo sind wir? Thank you! – Thank you. Bye-bye Warte kurz! – Jetzt kommt doch nicht Griechenland Warte kurz! Halt an, Amigo! Wo sind wir hier? Was quatscht der? Wir sind doch nicht in Albanien Ich schaue mal auf der Karte Schauen wir mal auf Google Maps! Wo sind wir? Ah, jetzt gehen wir nach Kroatien? * Fröhliche Gitarrenmusik * Was heisst das, “Custom Office”? Ah, ist das ein Zoll? Customs, alles Polizei Was ist denn das? Ah, ist das ein Zoll? * Salar lacht. * Schon wieder? Ich frage mal, wo wir hier sind Hello! – Hello Do you speak english or german? No? Is Serbia? – Is Serbia? Croatia. Okay Hello – Hello * Balkanische Blasmusik * Wir sind beide in extrem guter Stimmung Und, äh … Es ist ein Roadtrip Wir schauen einfach mal, was passt und was sich ergibt * Eindringliche Streichmusik: “Versailles” von SaraoMusic *

Du, Salar, was sind deine ersten Erinnerungen ans Persische und ans Schweizerische? Meine Kindheitserinnerungen sind sehr persisch und doch sehr schweizerisch Ich würde sagen, vielleicht eher persisch geprägt als schweizerisch Das ist lustig Obwohl wir in der Schweiz waren Weil zu Hause alles persisch war? Ja, und weil meine Eltern lange dachten, sie würden nach dem Krieg zurückkehren Es war ja nie so, dass wir nicht in den Iran wollten Es hat sich einfach alles so ergeben Aber wir lebten sehr persisch Lustigerweise lebt meine Mutter heute immer noch sehr persisch, obwohl sie als Schweizerin geboren wurde und 20 Jahre in der Schweiz gelebt hat, bevor sie in den Iran ging Das ist schon sehr interessant Sie lebt uns das auch sehr stark vor * Verspielte Zupfklänge * * Intensive Streichmusik * Jetzt ist gut, glaube ich Jetzt ist Zeit Bis morgen früh! – Ja Ah! * Geheimnisvolle Blasmusik * * Energiegeladene Musik * (Das Erwachsenwerden zwischen zwei Kulturen war schwierig – für mich und meine Familie.) Meine Eltern haben einen mitgemacht, mich immer mal wieder auf dem Polizeiposten abgeholt Dazu muss ich allerdings sagen: Bagatellen Wir haben keine Dinge verbrochen, die schlimm wären Aber Disziplinarkommission, ich habe in der Schule viel Ärger gemacht, man hat mich aus einer Klasse geworfen Es gab einen Lehrer, der sagte, er könne nicht unterrichten, wenn ich im Schulzimmer sitze Mein Vater wollte immer, dass wir möglichst schweizerisch aufwachsen und möglichst unauffällig sind, wie alle anderen Ihm war extrem peinlich, dass ich so ausscherte Ich glaube, ich war während dieser Zeit ein unmöglicher Typ Hast du damals angefangen, dich gegen das Persische zu stellen? Wann hat das angefangen? Ich habe mich nicht dagegengestellt Es ging mir einfach auf die Nerven Die Leute kamen und waren drei Monate bei uns zu Hause, und das Geköch Und meine Mutter war gestresst Das gab viel Unruhe und war in der Schweiz einfach schwierig Das ging mir auf die Nerven Und auch das persische “Taarof” D.h., ich gehe in einen Laden, kaufe eine Banane, möchte sie zahlen Der Verkäufer sagt: “Gh’aabel nadaareh”, “Das hat keinen Wert, ich schenke es Ihnen.” Dann muss man viermal sagen: “Doch, ich möchte es zahlen”, und der andere sagt wieder: “Nein, es hat keinen Wert.” Verdammt, du kannst ja nicht rauslaufen und nicht zahlen Was ist das für ein Theater? Solche Dinge wurden mir immer ferner Ich bin so geradeaus, ich sage den Leuten ins Gesicht, wenn etwas ist Das erwarte ich auch. Ich mag, wenn ich weiss, woran ich bin Aber darauf möchte ich mich jetzt wieder einlassen * Rasante Handorgelmusik * Istanbul? Istanbul So, also Hier sehen wir jetzt ungefähr Wir sind jetzt unterwegs nach Swilengrad, wir sind ungefähr hier Es sind noch ein paar Kilometer, dann sind wir auf dem langen Weg von hier bis nach Istanbul Wir werden diese Umfahrung machen Wir versuchen heute – es ist schon noch wahnsinnig weit Hei, ei, ei! Bis da, hier entlang Bis nach Ankara, der Hauptstadt der Türkei * Orientalische Musik * * Sphärische Klänge *

So, jetzt fahren wir also von Europa nach Asien, über den Bosporus Das ist eine Art Symbol dieser Reise, ein Symbol zweier Kulturen und einer Welt, der Brücke zwischen zwei Kulturen Hey, wir haben es geschafft – Wir haben es geschafft Fix und fertig Also: 2’948 km, wir sind in Ankara Es ist genau 0 Uhr Wir sind – ich weiss nicht, wie viele Stunden – unterwegs Aber es ist gut * Orientalische Klänge * * Stimmengewirr * Ankara ist für mich ein wichtiger Punkt auf dieser Reise, weil sich meine Eltern im November 1980 entschieden haben, wegen des Kriegs den Iran zu verlassen, ihre ganze Existenz aufzugeben Sie kamen in 48 Std. mit einem Bus – es muss eine Höllenfahrt gewesen sein – zusammen mit anderen nach Ankara Das war von der Swissair organisiert Von hier ging das Flugzeug in die Schweiz Meine Eltern erzählten mir das immer wieder Es muss eine Horrorfahrt gewesen sein im Bus Die Fahrer machten fliegende Wechsel, man konnte nicht anhalten, aufs WC Man musste einfach flüchten Diese Reise haben wir jetzt vor uns Es war wichtig, eine Nacht hier zu sein. Dann gehen wir eigentlich Klar, in die andere Richtung, reise ich jetzt wieder in den Iran Auch das ist irgendwie symbolisch * Intensive Klaviermusik * Meine Eltern wollten eigentlich im Iran bleiben, das weiss ich Es war wegen uns Kindern und der Schweizer Mutter, dass wir nicht im Krieg bleiben mussten. Wir gingen Aber sie liebten den Iran, sie lieben ihn heute noch Ja Es muss wahnsinnig schwer gewesen sein Mein Vater vermisste den Iran sehr, meine Mutter auch Ich weiss auch nicht, da kann man sich wohl nicht genug bedanken Es gibt keine Worte dafür * Melancholische Klänge * * Sanfte Streichmusik * (Wir verlassen Ankara und fahren nach Erzurum – die letzte Etappe vor dem Iran.) (Und immer wieder auf unserer Reise: Begegnungen mit Menschen, Einladungen zum Tee …) Chocolate, Swiss – Yes Haben wir das Auto abgeschlossen? Ja, oder? Erzurum? Erzurum? Erzurum, oh, oh! * Er spricht Türkisch. * 600 km, oh, oh! Oh, schau, hier! Ah! – Oh! Reto, Salar Reto, Salar – Du? Abdullah – Abdullah. Aha In the … Schwierig, ohne Es ist so schwierig Er wärmt sogar die Tassen vor, er ist ein unglaublicher Typ Es spielt auch keine Rolle, dass man nichts versteht Man sitzt zusammen da, es ist schön

Yes * Salar lacht. * Football yes Galatasaray no? * Sie sprechen Türkisch. * All the best – Yes Ciao * Emotionale Musik * Bye-bye Ein friedlicher Typ! Bruder, du kannst hier sitzen und Tee trinken Vielen herzlichen Dank, danke Okay, ciao. Alles Gute Alles Gute – Danke, danke (Die persische Kultur – sie ist aus meinem Leben fast verschwunden.) Der Bruch war, als mein Vater gestorben ist Das hat uns geschüttelt als Familie Es hat sich … alles verändert Ich habe mich distanziert, vielleicht aus Schutz, ich weiss es nicht Wir haben es nicht mehr so gelebt Bis damals haben wir zu Hause Persisch gesprochen Es ist schon sehr – Danach nicht mehr? Das war dann eigentlich vorbei Nur noch selten, wenn es jemand nicht verstehen sollte * Orientalisch Musik * Jetzt gehen wir zum Bäcker Deutsch? – Farsi. Deutsch? Sprichst du Deutsch? – Sprechen Sie auch Deutsch? Ja. – Haben Sie mal in Deutschland gelebt? Wann sind Sie zurückgekommen? Erst ein Jahr? Warum? Kein Leben, kein Leben Also, Sefer, es war mir eine grosse Freude Danke – Alles Gute Alles Gute Einen schönen Tag * Klagende Streichmusik * So Diese Hunde tun mir so leid Ich glaube, der Übergang in den Iran wird mir schon einfahren Ich spüre es Wir kommen immer näher Es ist mit guten Gefühlen verbunden, ich freue mich Ich habe eigentlich zu lange gewartet, denke ich jetzt * Orientalisches Flötenspiel * * Langanhaltender Ruf eines Muezzins * * Klopfen, Öffnen einer Tür * Du, es ist mega kalt – Wirklich?

Ich habe alles angezogen und mir ist immer noch kalt Weisst du, wie kalt es ist? – -24 °C -24 °C, aber trocken, ähnlich wie im Engadin Gut. Bis nachher – Bis nachher * Orientalische Musik * (In etwa 3 Std erreichen wir die Grenze zum Iran – wir werden nervös.) Die Karre ist noch da Schau mal, vielleicht wäre gut, wenn du das hast, wenn mit mir was wäre Ja. – Wenn sie das finden, gibt es Probleme Das sind meine anderen Papiere für am Zoll Warum geht es nicht? Das Scheissgerät, wirklich! Links abbiegen verboten – Geil Also, das Fahren ist recht persisch bei mir Merkst du es? – Ich merke es, sehr persisch Very persisch * Hupen * * Intensive Streichmusik * Es fährt mir jetzt schon ein, wenn ich da durchfahre und mir vorstelle, wie das für meine Eltern gewesen sein muss Damals hast du ja noch nicht viel mitbekommen Nein, ich war eineinhalb, zum Glück nicht Was ich allerdings merke: Ich bin extrem schreckhaft – was eigentlich nicht so zu meinem Naturell passt Aber ich bin wirklich sehr schreckhaft. Und ich bin überzeugt: Das kommt von den Bomben, die in Teheran eingeschlagen sind Ich war ein Baby, meine Mama sagte, ich hätte gezuckt und geheult Das sitzt einem wortwörtlich in Mark und Bein Das ist vielleicht auch der Grund, warum ich gegen jegliches Militär bin und finde, dass wir heute nicht mehr mit Waffen kämpfen sollten * Orientalische Klänge * Hi! – Hello * Unverständlicher Ausruf * Yes! – Yes! Hey, schau, der Lastwagen da! Es wird immer rauer, immer wilder, karger The way to Iran Es kommt mir vor wie die letzte Möglichkeit zu tanken Wir müssen noch mal vor dem Zoll Wenn wir die ganze Nacht dort stehen bei -24 °C, muss der Motor laufen Mach mir nicht Angst! Du, die ganze Nacht den Motor laufen lassen, das hören jetzt viele in der Schweiz nicht gerne. – Nein Hier hat man aber andere Probleme * Sanfte Klaviermusik * Eigentlich wollten wir noch ein bisschen filmen, aber in ein paar Kurven sind wir an der Grenze Man sieht es hier. Und Es hatte jetzt so viel Polizei, Militär und Sperren, dass es wohl schlau wäre, das Zeug abzumontieren Es liegt jetzt einfach nicht mehr drin, hier zu filmen So, jetzt gehen wir – Ja, das ist gut (Zwei Jahre haben wir uns auf diese Reise vorbereitet, haben versucht, an alles zu denken, haben Papiere unterschrieben, Anträge gestellt, Gebühren bezahlt, und wissen doch nicht, ob man uns in den Iran lässt.) (Dafür haben wir zum ersten Mal auf unserer Reise Angst.) (Evtl. wären wir umgekehrt, hätten wir gewusst, was uns erwartet.) Nichts läuft. Uns fehlt ein Papier, um das Auto in den Iran zu nehmen Das hat uns in der Schweiz niemand gesagt Es zu importieren, würde jegliche Kosten sprengen Das wäre ein Mehrfaches des Werts dieses Autos Achtung! Hör auf! Ich weiss nichts mehr, muss mich sam- meln. Wir brauchen einen neuen Plan

Wir müssen das Auto hierlassen, uns von ihm verabschieden Und mit Fahrer und Taxi oder einem gemieteten, und wenn wir keines mieten können, mit einem Fahrer weiterkommen Wir können unsere Reise nicht aufgeben Aber jetzt ist auf einmal alles anders Ich dachte nicht, dass das die letzten Meter in diesem Auto sind Ehrlich gesagt, weiss ich jetzt gar nichts mehr Aber es gibt jetzt Kosten und Zeitverlust Wir sind schon vier Tage zu spät gestartet und müssen zwei Tage früher aus dem Land wegen Retos Journalistenvisum Es ist jetzt alles tough (Wir haben es geschafft.) (Wir können in den Iran einreisen, müssen aber unser Auto abgeben.) (Und zwar für immer.) Wir sind im Iran Wir sind im Iran Die Freude ist jetzt ein bisschen gedämpft, dadurch, dass wir das Auto hierlassen müssen Aber: selber blöd, selbst schuld Wir geben nicht auf, finden einen neuen Weg Das auch? – Ja, ich brauche alles Vier Leute reden auf Persisch auf mich ein Wir haben so viel Ware und wussten nicht, dass wir ausladen müssen Sie stressen uns, setzen uns leicht unter Druck Das brauchen wir nicht Kann ich den Scheiss nicht hier lassen? Ich habe keine Nerven mehr für die Scheiss-Kaffeetasse Du wirst noch froh sein – Nein, ich brauche keinen Kaffee Ehrlich, ich kann es nicht rumschleppen. – Ich nehme es mit Du spinnst doch Schau mal, das hat hier drin Platz Bist du fit? – Nein, ich bin voll am Ende Jetzt heisst es “Ciao, Subaru”, den holen wir sicher nicht mehr Der bleibt genau hier. Wir können nicht noch mal 6’000 km fahren * Hupen * Wir sind im Iran, Reto Ja, wir fahren jetzt so, mit dieser Schnur fahren wir jetzt Jetzt kommt noch ein Dritter – Wir sind jetzt zu sechst (Im zweiten Teil heute in einer Woche machen wir uns auf Spurensuche im Iran – zusammen mit dem Cousin meines Vaters, Vali-Khan Bahrampoori, und seiner Frau Shuku-Kanun.) (Ich entdecke das Haus, in dem ich meine früheste Kindheit verbrachte und das wir unter Beschuss verlassen mussten.) (Dann merken wir, dass wir auf unserer Reise überwacht werden.) Was will jetzt der wieder von uns? Mein Gott! Einfach nach Hause Wenn ich könnte, würde ich heute in den Flieger steigen und gehen