Reise über, unter und durch Bayern: Wie es entstand und sich verändert | Faszination Wissen | BR

0100011 Untertitelung: BR 2017 Wir machen eine Reise durch Bayern Ein Land voller Geschichten Manche von ihnen sind noch relativ jung Wenn man über eine keltische Stadt fliegt, hört man manchmal das Geklapper der Handwerker dort unten Manche sind viele Tausend Jahre alt Da sind sie ja alle. Ganz viele Da, da und da überall kleine Schneckchen wunderbar Manche Erzählungen öffnen ein Fenster in die tiefe Vergangenheit Mit jedem Schritt, den ich hier mache, gehe ich durch mehrere Jahrmillionen Erdgeschichte Viele dieser Geschichten sind bislang noch nicht erzählt worden Berge, Seen und Kühe Das ist das Klischee Geologisch gesehen gibt es dieses Bayern erst einen Wimpernschlag lang Grundsätzlich ist Bayern vielfältiger als sein Klischee Bayern hat eine Vergangenheit, eine Entstehungsgeschichte, hatte Bewohner lange vor unserer Zeit Und Bayern hat eine einzigartige Natur Kurz: Bayern hat viele Gesichter Wir haben uns auf die Suche gemacht nach besonderen Gesichtern Bayerns Und wir sind uns sicher, da sind einige dabei, die Sie so noch nie gesehen haben Aufbruch in ein kleines Abenteuer Eine Reise in die Siedlungsgeschichte Bayerns Um von damals zu erzählen, braucht man Entdecker Menschen wie Klaus Leidorf Deutschlands einziger Profi-Luftbild-Archäologe Aber: Archäologie? Da denkt man an Scherben, Knochen, Pinsel Mein archäologisches Werkzeug ist ein Flugzeug Und ich brauche das Flugzeug, um von oben in den Boden hineinzuschauen Wann immer es das Wetter zulässt, macht Klaus Leidorf sich auf Ich bin mit der Zeitmaschine Flugzeug unterwegs Fühlt man sich trotzdem manchmal wie Indiana Jones? Schon ein bisschen Entdeckergeist braucht man schon Was macht die Faszination aus? Die Faszination ist, dass ich aus der heutigen Zeit in so viele Jahrhunderte zurückschauen kann Das geht so weit, dass ich teilweise in verschiedene Zeitstufen hineinschauen kann So eine archäologische Stätte ist heute Klaus Leidorfs Ziel Er nimmt uns mit Start ist nahe Landshut Leidenschaft auf der einen und wissenschaftliche Dokumentation auf der anderen Seite, das treibt ihn an Leidorf ist nicht nur Archäologe, sondern auch ein erfahrener Pilot Und trotzdem: Für ihn ist jeder Flug wieder aufregend Spannung ist von Anfang bis Ende vorhanden Man schaut immer nach Strukturen, Mustern Die Spannung fällt erst ab, wenn man zu Hause ist und sich in den Sessel setzt Dann merkt man, dass man die ganze Zeit ziemlich angespannt war Er hält Ausschau, nach sog. Bewuchsmerkmalen Denn wenn im Boden vergraben die Mauern alter Kultstätten oder Ähnliches stecken, dann wächst das Getreide darüber anders Oder der Schnee schmilzt nicht so schnell Auftraggeber für solche Arbeiten ist z.B. das Landesamt für Denkmalpflege Denn im im bayerischen Boden stecken noch viele unentdeckte Rätsel Stätten aus der frühen Siedlungsgeschichte Von Kelten, Römern, Bajuwaren Sie zu entdecken erfordert viel Erfahrung Klaus Leidorfs erstes Ziel heute: Eine Stelle, die er vor ein paar Jahren entdeckt hat Hier kann man in verschiedene Zeitschichten schauen Da gibt es eine keltische Viereckschanze und ein frühmittelalterliches Reihengräber-Feld, das hier übereinanderliegt Aber leider ist heute überhaupt kein Bewuchsmerkmal zu sehen Pech gehabt. Wir müssen weitersuchen Für Leidorf ist das normal Man kann nie wissen, wann die Witterung den Boden so gestaltet, dass man die versteckten Schätze sehen kann

Oft gibt es Überraschungen Weil Pflanzen anders wachsen als erwartet Oder weil das Wetter umschlägt Die erhoffte keltische Kultstätte haben wir nicht gefunden Aber Klaus Leidorf hält die Augen offen Er bekommt erste Hinweise, dass der Tag noch Überraschungen bringen könnte Wenn man richtig weit zurückschauen will in der Zeit, dann kommt man mit den ersten Metern unter der Grasnarbe nicht mehr hin Wenn man das Gesicht Bayerns vor Jahrmillionen erahnen will, dann muss man wirklich tief bohren So wie im oberpfälzischen Windischeschenbach Dort ist das tiefste Loch der Welt Das wurde neun Kilometer tief gebohrt, um zu gucken, wie sich die Erdplatten verschoben haben Oder man fährt ins Nördlinger Ries Dort steht ein Fenster in die bayerische Vorzeit offen Von unten sieht man von einem Meteoriteneinschlag gar nichts Man muss aus dem All auf Schwaben schauen, um den Krater ermessen zu können 23 Kilometer im Durchmesser 14,5 Millionen Jahre alt Die Geologen Höfling und Regelous von der Uni Erlangen-Nürnberg erkunden das, was damals passiert ist Für die einen sind die Steine tot Für die Forscher sind sie wie ein Buch, in dem man die Geschichte von früher lesen kann Das ist für mich was ganz Lebendiges Man muss sogar sagen, chaotisch Lebendiges Da steckt die Dynamik drin eines Ereignisses, was mehrere Hunderttausend Hiroshima-Bomben an Energie auf einmal entwickelt haben Das muss man sich mal vorstellen Richard Höfling erforscht als Geologe seit 40 Jahren das Ries Es ist die ungewöhnliche Mischung der Steine Sie erzählt die Geschichte des Einschlags Hier in den Bereichen, das sieht fast aus wie Schokolade Bricht so ähnlich Hier kann man sehen, dass da harte Schollen drin sind Das ist Trias. Das ist Keuper Da ist eine Jura-Scholle drin Mit jedem Schritt, den ich hier mache, geh ich durch mehrere Jahrmillionen Erdgeschichte So hat es hier nicht immer ausgesehen Vor 100 Millionen Jahren war das Ries von Meer bedeckt Später wurde das Klima Mitteleuropas sogar subtropisch D.h.: Palmen in Bayern In den Wipfeln kletterten Baumaffen Und heute längst ausgestorbene Tiere bevölkerten den Boden: Das giraffenähnliche Aepycamelus z.B oder das kuhgroße Schwein Archaotherium Es gab aber in den bayerischen Ebenen auch Flusspferde, Nashörner und Krokodile Bis zu dem Tag, an dem der Asteroid kam Mit über 70.000 km/h schlägt er auf der Albhochfläche ein Die Stoßwelle presst Kalk, Sandstein und den tief liegenden Granit mit unvorstellbarem Druck zusammen Nach nicht ein mal einer Sekunde entsteht der erste Krater Der Untergrund wird nach außen geschleudert Der Asteroid selbst zusammengequetscht Er verschmilzt mit dem Material der Erdschichten und das Gemisch wird hinauf in die Atmosphäre geschleudert Noch in der ersten Minute nach dem Aufschlag schnalzt die Druckwelle den fast fünf Kilometer tiefen Krater zurück nach oben Dann bricht die Glutwolke zusammen und regnet das verschmolzene Material zurück auf die Erde Wie ein Leichentuch liegt diese Mischung noch heute oben auf Eine Katastrophe für die Natur, ein Glücksfall für die Geologen Denn übrig bleibt ein Fenster in die Erdgeschichte Der Suevit- oder Schwabenstein, eine für hier typische Mischung verschiedenster Teile des Untergrundes Jeder Stein im Ries erzählt einen Teil der Geschichte des Einschlags Zurück zur Spurensuche aus der Luft: Der Luftbildarchäologe Klaus Leidorf sucht nach Spuren alter Bauwerke, angezeigt durch Veränderungen im Bewuchs Bilder in den Äckern und Getreidefeldern Und er findet tatsächlich etwas So gut haben wir Bewuchsmerkmale selten Dann muss es schnell gehen Hände vom Steuer, Bilder machen Dokumentieren Die Zeichnungen im Feld sind überraschend deutlich zu sehen Für mich war es überraschend, dass es so gut sichtbar war

Bewuchsmerkmale sind um diese Zeit ganz normal Sie verschwinden auch schnell wieder, wenn es zu viel regnet Ich hatte nicht damit gerechnet, dass wir das so schön sehen Aber umso schöner ist es, denn: Das gibt es nicht jeden Tag Aber: Kann man solche Zeichen wirklich nur aus der Luft sehen? Wir wollen es genau wissen, fliegen zurück Und fahren zu der Stelle, die wir gerade aus der Luft gesehen haben Das letzte Stück Weg führt über eine alte Römerstraße Angekommen am Feld sucht der Archäologe die Entdeckung Wir sehen wirklich nichts Wenn ich hier als Spaziergänger vorbeigehen würde, könnte ich auch als Archäologe nichts erkennen Da ich das Bild von oben kenne, kann ich vermuten, dass hier eine Struktur ist Wie hier, wo es ein bisschen höher ist Das gehört zu dem rechtwinkeligen Graben Aber sicher ist man sich da nicht Ich muss in die Luft gehen, um diese Strukturen auseinanderklamüsern zu können Später am Computer wird sich zeigen, welche Geschichte in diesem Feld steckt Über ganz Bayern verteilt findet man solche Merkmale im Boden Von der Besiedelung durch die Kelten, die Römer, die Bajuwaren Sie alle haben die Plätze gesucht, an denen sie gut leben konnten, wo die Landschaft fruchtbar ist und strategische Vorteile bietet Genauso wie im Nördlinger Ries Forscher können hier noch viel tiefer eintauchen, in die Erdgeschichte Vor über 500 Mio. Jahren, Bayern liegt noch nahe dem Südpol, als winziger Teil eines Urkontinents Das Feuer treibt die Entwicklung der Kontinente voran Als die Erde langsam erkaltet, driften Stücke der Kruste auf gewaltigen Magmaströmen Vor etwa 100 Mio. Jahren bewegt sich der afrikanische Kontinent auf den europäischen zu Sie prallen in der Tiefe zusammen und falten die Alpen empor Sie sind einer der ältesten Zeugen der Kontinentalverschiebung Am Anfang noch über 30 Kilometer hoch, tragen Wind Wetter und Schmelzwasser der Gletscher das Gestein ab Und formen das heutige Gesicht der Alpen Vier große Einheiten hinterlassen die Jahrmillionen in Bayern Die Alpen im Süden, das Molassebecken im Vorfeld der Alpen bis etwa zur Donau Das Grundgebirge im Nordosten, auf dem auch der Bayerische Wald entsteht, und das sog. Deckgebirge Nordbayerns Unter allen liegt ein Gebirge Das kann man anfassen, aber nur weil der Asteroid eingeschlagen hat Man möchte es fast noch knirschen hören Der Einschlag hat die Welt auf den Kopf gestellt Das hat nun hier gar nichts zu suchen Das müssen wir einen guten Kilometer tiefer, wenn nicht noch tiefer, ansiedeln Das gehört zu diesem kristallinen Grundgebirge Das ist eben im gesamten geologischen Bild Süddeutschlands so, dass im Umkreis des Rieses nun solche kristallinen Anteile die einzigen sind, die man an der Oberfläche sieht Dieser Granit liegt tief unter Bayern Und dann gibt es noch ein prominentes Gesicht Wo heute Fußball gespielt wird, hatte sich vor ein paar Millionen Jahren der Kratersee gebildet Und hier gab es Lebewesen: Algen Sie formten ein echtes Riff Eigentlich stehen wir ja unter Wasser. Ein, zwei Meter Wir sind nämlich hier am Nordrand des Rieskratersees, direkt am Ufer, wo diese Kalkalgen in feinen Röhren, im Zentimetermaßstab übereinander schöne Riffgebilde aufgebaut haben Die winzigen Algen formen kleine Kegel Und die erschaffen in Millionen von Jahren Bayerns einziges Algenriff Ein sehr altes Gesicht Noch immer steckt das Ries voller Rätsel Vom Asteroid selbst fehlt bislang jede Spur Aber als Fenster in die Erdgeschichte ist es ein großer Glücksfall Jahrmillionen der Veränderung haben die Silhouette Bayerns erschaffen, wie wir sie heute kennen Auf diesem steinernen Gerippe, in den Ebenen, Tälern und auf den Bergen

hat sich eine einzigartige Natur entwickelt Allein in den Alpen gibt’s an die 4500 verschiedene Pflanzenarten Das alles sind Gesichter Bayerns Viele dieser Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht Unter ihnen auch die einzigartigste, die bayerischste der bayerischen Pflanzen Wir haben diesen floralen Superstar gesucht und gefunden Aber einfach war’s nicht Was suchen wir heute? Etwas ganz Spezielles, ein kleines, feines Pflänzlein, einen richtigen Urbayern Zwei Biologen, ein Ziel: das Bayerische Löffelkraut finden Eine Pflanze, die es nirgends sonst auf der Welt gibt Ein Überlebender aus der Eiszeit, erst 1984 entdeckt Ohne die Hilfe der Forscher wäre sie vielleicht schon ausgestorben 952240100011 Immer im Frühjahr brechen die beiden auf, um zu sehen, wo das Löffelkraut noch da ist, wo es sich vermehrt hat Und wo es schon verschwunden ist Denn es ist zickig und braucht spezielle Bedingungen zum Überleben Saubere Quellen und besonderes Gestein Nur hier im Allgäu kommt es vor Wo die Alpen langsam in Hügel und dann ins flachere Land übergehen Hier gibt es Tuff Ein geologisch junges Gestein, leicht, porös An den Grenzschichten des Tuffs entstehen oft kalkhaltige Quellen, lebenswichtig für das Löffelkraut Kalk haben wir genügend da Man sieht es ganz gut hier Da ist genügend Kalk da Bisserl viel Sediment Die Biologen arbeiten teils ehrenamtlich, teils im Auftrag von Land und Bund Der Platz ist vielversprechend Aber gibt es schon erste Spuren? Noch nicht. Aber ich bin guten Mutes, dass wir eins finden Die Suche geht weiter An einem Standort, den die beiden vom letzten Jahr kennen Wo der Baum mal gelegen ist Und alles voll da unten Wahnsinn! Das hat sich rentiert Bayerisches Löffelkraut, ein riesiges Feld Hier findet es optimale Bedingungen Hier wächst das Moos Nur darauf kann es wachsen Und genug sauberes Quellwasser, direkt auf dem Kalktuff Und es bekommt die genau richtige Menge Licht und Schatten Vor ein paar Jahren haben die Biologen hier kleine Dinge in der Landschaft verändert Es rentiert sich Manchmal sind es kleine Maßnahmen, aber der Effekt, die Auswirkungen sind enorm Das waren drei, vier Steine und ein, zwei Bäume, die da drin lagen Die haben wir dann entfernt, damit die Wasserversorgung wieder stimmt Dann hat sich der Bestand verdoppelt. Genial Wo das empfindliche Löffelkraut wächst, finden auch andere wertvolle Arten ihren Platz Mit etwas Glück zeigen sie sogar ihr Gesicht Was sitzt da oben? Ein Kauz? Das ist ja unglaublich Schau das mal an! Aber schau mal, wie jung die sind Die haben noch Flaum Ein Traum! Kaum auf der Welt haben sie schon das Vergnügen, mich zu sehen Für mich ist das der erste, den ich so nah in freier Wildbahn sehe Das Bayerische Löffelkraut steht für einen intakten Lebensraum Und ist doch bedroht, weil solche Flecken immer weniger werden Wenn der Lebensraum verschwindet, wird auch das Löffelkraut verschwinden An sich hat dieser Lebensraum schon seit 12.000, 16.000 Jahren Bestand Die Hauptgefährdungen sind erst die letzten 30, 40 Jahren aufgetreten Ohne dieses Gesicht wäre Bayern für mich nicht mehr Bayern Als eine von nur 15 Pflanzen steht das Bayerische Löffelkraut auf der Liste der Arten, für die Deutschland die alleinige Verantwortung hat Es erfordert Aufwand Und es ist nur eine Art Aber vielleicht lohnt es sich, für jede einzelne Art zu kämpfen Diese Quellen, die wir gerade gesehen haben, gehören auch zu den Gesichtern Bayerns Bayern ist eines der quellenreichsten Bundesländer Schön, denn Quellen sind Oasen der Artenvielfalt Da leben jede Menge seltener Kreaturen in diesen Quell-Biotopen Eine dieser Kreaturen ist ein ungewöhnliches Gesicht Bayerns

Mit einem ungewöhnlichen Wohnort, einer Quelle mitten in einer Stadt Mehr dürfen wir da gar nicht verraten Die Eiszeiten haben die Flussbetten in die Landschaft geschnitten Hier an den Ufern der Isar lebt ein Relikt aus dieser Zeit, eine Schnecke Und er will sie finden Michael Schrödl, Taxonom, immer auf der Suche nach neuen Arten Klar, das lässt mein Herz höherschlagen Die Schnecke gibt es nur hier Sie ist was Besonderes Das findet man auch nicht alle Tage Für die Zoologische Staatssammlung München geht er auf die Suche Wir halten das Bild undeutlich Forscher befürchten, dass Artenräuber sonst die Schneckenvorkommen plündern könnten Versuchen wir unser Glück am Ursprung von diesem Bach Am Quellursprung Hier ist wenig Wasser drin, ein schöner steiniger Boden Die Münchner Zwergdeckelschnecke, Sadleriana Bavarica Die gibt es nur an einem einzigen Bachlauf Ich sehe eine Milbe Und sonst sehe ich wenig Hier schaut’s nicht so aus Vielleicht hat sie den Winter nicht überlebt Oder sie versteckt sich gut Weiter zur nächsten Stelle Oh! Hat losgelassen, sie war da drauf Eine hab ich schon gefunden Das ist jetzt eine. Aber wo eine ist, sind meist mehrere Das ist die gute Nachricht Es ist ein Glücksfall, dass es dieses Reliktvorkommen hier überhaupt gibt Offenbar wurden die Quellen seit Tausenden Jahren nicht verändert Nicht zur Trinkwasserversorgung genutzt So hat die Bayerische Zwergdeckelschnecke viele Tausend Jahre überleben können Obwohl ihr Revier winzig ist Oh, da sind sie ja alle Ganz viele, sehr schön Wunderbar! Da und da Sehr viele schöne kleine Schnecken Für uns nur winzige Punkte Von dieser Quelle geht offensichtlich genau das richtige Wasser hier raus, sodass Sadleriana Bavarica gut leben kann Den Winter hat sie also überlebt Weiter bachabwärts, an die Stelle, wo Michael Schroedl vor vier Jahren die meisten Schnecken gefunden hat Erst dann lässt sich sagen, wie stabil das Vorkommen noch ist Tausende sehe ich schon mal nicht Ich sehe einige Und ich werde auch Proben nehmen Vieles ist noch unbekannt über die Schnecke Da haben wir sie noch einmal in voller Pracht Hier gibt’s viele davon Da ist alles voll davon Ein zwei Millimeter großer Winzling, der es über die Jahrtausende geschafft hat Und offenbar auch das letzte Jahr wieder überlebt hat Das ist eine gute Nachricht Die Tiere scheinen im ganzen Bachlauf vorhanden zu sein Noch wissen die Forscher wenig über Verhalten und Fortpflanzung der Schnecke Hier ist sie überall Gefährdet ist sie trotzdem Hier sind Siedlungen. Hier ist Einfluss von Erholung und Freizeit Hier ist Gartengestaltung Wir waren in einem Park unterwegs, wo gemäht wird, der Bachlauf begradigt wird, wo Pflegemaßnahmen stattfinden Das muss man sich gut überlegen, was okay ist, hier zu tun und was nicht Man kann es auch mit dem gallischen Dorf bezeichnen: Die letzte Bastion eines Eiszeit-Relikts Und die ist meines Erachtens schützenswert Man muss sich gut überlegen, was an Maßnahmen angebracht sind Das sind die ersten bewegten Bilder dieser bedrohten Art Das Grundwasser in München wird durch die Besiedelung immer wärmer Und dadurch auch die Quellen Ob sich die Bayerische Zwergdeckelschnecke an unsere Einflüsse anpassen kann, weiß niemand Diese winzige Schneckenart ist auch ein Gesicht Bayerns, wenn auch ein recht unbekanntes Höchstwahrscheinlich wird ihr niemand von uns begegnen Also: Was ist es uns wert, eine einzelne Art zu retten?

Wie viel Geld wollen wir dafür ausgeben? Aber Forscher sagen, dass heute schon rund 1000 der bekanntesten Tier- und Pflanzen- arten Bayerns ausgestorben sind Insofern kann man sagen: Jede Art zählt, jeder Cent ist gut angelegt Das Gesicht Bayern verändert sich Und einer, der dafür mitverantwortlich ist, das ist der Mensch Letzter Teil der Suche nach längst untergegangenen Siedlungen Bayerns Der Luftbildarchäologe Klaus Leidorf hatte schon im Flugzeug erwartet, dass sein heutiger Flug Spannendes zu Tage fördern wird Und tatsächlich: Es sind vermutlich Überreste eines keltischen Bestattungsfeldes Gemischt mit Strukturen aus dem Mittelalter Wir haben so viele Details auf den Bildern, die man aus dem Flugzeug heraus nicht so genau gesehen hat Wir sehen hier diesen Kreis Der Punkt in der Mitte, der wohl eine Bestattung war Auch dieses Grabengeviert hier Auch diese feinen Strukturen sehen wir deutlich Das sind wie Grabgärten Mehr von den Kreisen Kleine Rechtecke hier Auch hier noch ein Pfostenbau, der deutlich da ist Viele Hundert solcher Siedlungsmerkmale hat der Archäologe inzwischen gefunden Damit zeichnet er an diesem Gesicht Bayerns weiter Meine Vermutung ist, dass wir in unserem geschichtlich vollgepfropften Boden noch viel mehr drin haben Wir haben ja gesehen, wie zufällig diese Entdeckung war Das Zusammenspiel von Bewuchs, Wetter und dem richtigen Moment, das hat heute an dieser Stelle gepasst Wir haben noch viele Stellen, wo wir im Moment nichts gesehen haben, weil da die Kombination der Bedingungen nicht da war Ich glaube, wir stehen am Anfang von dem, was archäologisch machbar wäre Mit dem Blick von oben kann Klaus Leidorf aber auch festhalten, wie die Menschen die Landschaft verändern Früher wurden Dörfer so gebaut Heute eher so Abstellplätze für Neuwagen auf der grünen Wiese Gigantische Hallen und Fabriken verändern das Land Der neue Landesentwicklungsplan soll solche Bauten auf noch mehr Flächen ermöglichen Autobahnen zerschneiden die Landschaften und damit die Lebensräume für viele Tierarten Jeden Tag wird in Bayern eine Fläche etwa so groß wie 25 Fußballfelder neu versiegelt Das ist wichtig für die Weiterentwicklung, sagen die einen Ich finde das richtig, dass wir uns weiterentwickeln Was ich falsch finde, ist der verloren gegangene Respekt Es ist nicht notwendig, so mit der Landschaft umzugehen Das macht einen traurig Die wirtschaftliche Entwicklung ist eine Seite Die Natur und ihre Ressourcen die andere Manchmal stehen sich beide unleidlich gegenüber Und doch sollte uns allen daran gelegen sein, einen maßvollen Kompromiss zu finden Falls Sie noch viele andere Gesichter Bayerns kennenlernen möchten: Am Pfingstmontag ab sechs Uhr morgens zeigt das BR Fernsehen die 24-Stunden-Dokumentation 24 STUNDEN BAYERN Ein ganzer Tag im Freistaat aus dem Blickwinkel seiner Bewohner Da wünsche ich Ihnen viel Vergnügen dabei Bis zum nächsten Mal! Untertitelung: BR 2017