Der Süden der Toskana | Doku | Länder – Menschen – Abenteuer | NDR

Untertitel: Norddeutscher Rundfunk 2018 Einzigartige Lichtstimmungen, eine Landschaft wie ein romantisches Gemälde Im Süden der Toskana knattern historische Autos durch historische Orte Die Menschen leben ihre Traditionen Und es wird scharf geschossen Die kleine Gemeinde Massa Marittima auf einem Hügel südwestlich von Siena träumt normalerweise vor sich hin Doch zweimal im Jahr kommt Leben in die Gassen Drei Stadtteile beflaggen sich zum Zeichen ihrer Konkurrenz Die Bewohner wollen ihre Ehre verteidigen und fahren schweres Geschütz auf Es ist die Zeit des Armbrust-Schießens, der Balestro del Girifalco beginnt Die Neustadt Cittanuova, die Altstadt Cittavecchia und der Stadtteil Borgo kämpfen um den ersten Platz * Lautes Quietschen * Erste Aufzeichnungen über den Brauch finden sich im 15. Jahrhundert Die Waffen sind originalgetreu nachgebaut Geschossen wird auf eine Zielscheibe mit einem Durchmesser von etwa 50 cm aus einer Entfernung von 36 m Ruhe und Konzentration sind das Wichtigste Nur das Ziel im Blick – keine Bewegung Das ist wichtig Wenn man die ersten Male kommt, schaut man erst mal zu Da lernst du, wie es funktioniert: Sich entspannen, den eigenen Atem kontrollieren Man nimmt immer die gleiche Haltung ein Wie Luca Giacometti hat auch sein Freund Walter Bertela das Armbrust-Schießen gewonnen Seinen Siegerpfeil hütet er wie einen Schatz Ich habe diesen Pfeil schon im August 2014 benutzt Wenn alles gutgeht, kann man ihn benutzen, bis er kaputtgeht Die Haudegen erinnern sich gern an glorreiche Zeiten Im Vereinsheim der Cittavecchia sind ihre Erfolge verewigt (Sie sprechen Italienisch) Strahlende Sieger, die den Preis, eine handbemalte seidene Fahne, in ihr Stadtviertel holen konnten: Gelingt das auch beim nächsten Wettkampf? Noch bleiben vier Tage, um sich einzuschießen * Ruhige Gitarrenmusik * Nördlich von Rom liegt die Toskana mit dem Zentrum Florenz Wir treffen Menschen in Siena, in San Gimignano, Massa Marittima, im Naturschutzpark der Maremma und in Talamone Die Maremma liegt ganz im Süden der Toskana Die imposanten Rinder sind das Wahrzeichen der Gegend, ebenso die Maremmaner Pferde Dass es hier manchmal zugeht wie in einem Italo-Western, ist den Viehhütern zu verdanken Alessandro Zampieri ist der Chef der Toskana-Cowboys Sie sorgen dafür, dass die freilebenden Viehherden nicht über die Stränge schlagen und gesund bleiben Dafür bezahlt ihn die Region Toskana Die Maremma ist ein Ort der Freiheit für Mensch und Tier Ich bin seit 37 Jahren dabei Im Oktober werden es 38 Meine Mutter wollte mich zu einer anderen Arbeit überreden,

konnte mich aber nicht überzeugen Kein Wunder – die Butteri sind ihre eigenen Herren und können jeden Tag Western spielen * Western-Musik * Die Maremmaner Pferde haben ein Stockmaß von 1,80 m Hoch zu Ross reiten Alessando und seine Männer täglich viereinhalb Stunden durch das Naturschutzgebiet Sie kontrollieren den Viehbestand, treiben die Herden, reparieren Zäune und genießen die Einsamkeit Stets griffbereit: der Butteri-Stock Der Stock ist nicht die Waffe des Buttero Wir brauchen ihn für unsere Arbeit, um ein Gittertor zu öffnen oder wenn mir der Hut runterfällt Es ist sehr einfach Oder um das Kalb einzufangen Mit dem Haken kann ich es an der Ohrmarke einfangen Alle Kälber bekommen die, sie werden mit der Zange angeknipst 500 Maremmaner Rinder leben in dem Naturschutzgebiet Diese alte Rasse ist widerstandsfähig und robust Über Jahrhunderte trotzt sie der Malaria, die die Sümpfe der Maremma im Griff hatte Früher dienten die Kühe zur Milchproduktion und als Arbeitstiere Heute geht es v.a. darum, ihre Art zu erhalten Den langhörnigen Rindviechern begegnen die Butteri lieber zu Pferd Das wird als ranghöher angesehen und nicht angegriffen Muss ein Cowboy absteigen, passen die Kollegen auf, dass sich kein ausgewachsenes Tier nähert Mutterkühe kennen kein Pardon, wenn sie die Kälbchen in Gefahr wähnen Manchmal hat Alessandro keine Wahl: Jungtiere müssen ihre Ohrmarke bekommen Es ist gefährlich, abzusteigen Vor einem Stier habe ich keine Angst Eher vor einer Kuh, wenn sie ein Kalb hat Andererseits kenne ich sie alle beim Namen und weiß genau, ob ich ihnen vertrauen kann Wie bei den Menschen gibt es auch bei den Tieren wütende und gutmütige * Western-Musik * Alessando sorgt sich um die Zukunft der toskanischen Butteri Trotz Cowboy-Romantik ist es nicht leicht, Nachwuchs zu finden Ein Pferdesattel ist eben doch unbequemer als ein Bürosessel In San Gimignano scheint die Zeit stehengeblieben zu sein Nur langsam lichtet sich der Morgendunst und lässt den Tag hinein Architekt Luciano Nencioni ist schon auf den Beinen Eine Wohnung soll modernisiert werden, in einem der historischen Türme San Gimignano ist die Stadt der Geschlechter-Türme Einst waren es 72, heute stehen noch 15 davon Luciano Nencioni setzt sich mit seiner Tochter Margherita dafür ein, sie zu erhalten und zu nutzen Das ist der Rathausturm Torre Grossa Als höchster Turm steht er für die Macht der Stadt, die über allen Familien steht Über Jahrhunderte waren die Türme für die Adelsfamilien Festung und Prestigeobjekt Je höher der Turm, desto wichtiger die Familie Hier sind wir auf der Piazza della Cisterna, innerhalb des ersten Mauerrings Dieser ist neben der Piazza del Duomo der bedeutendste in San Gimignano Von hier aus kann man viele Türme sehen, wie die Torre Grossa oder zurückgebaute Türme wie dieser Einige Türme wurden zerstört,

weil sie ein Symbol der Macht waren und die Familie an Einfluss verlor Oder weil sie in der Zeit des Niedergangs abgebaut wurden, weil man das Material brauchte – alles ist noch sichtbar San Gimignano wird deshalb “Manhattan der Toskana” genannt 1990 wurde die historische Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt Die meisten Türme sind noch in Privatbesitz und werden so genutzt Doch es gibt Auflagen: Außen muss alles beim Alten bleiben Eine Herausforderung für Architekt Luciano Nencioni Er kümmert sich um die Renovierung der Zwillingstürme und den Ausbau von Wohnungen darin Sein Lebenswerk Hier haben wir die Zwillingstürme der Familie Salvucci Der eine ist größer, das hat eine Bedeutung: Der kleinere soll bildlich auf dem größeren stehen Dann wäre der Turm höher als der des Rathauses Damit sollte gezeigt werden, dass man mehr Macht hatte Luciano hat die “Zwillinge” 1993 bewohnbar gemacht Ein Appartement verbindet die beiden Türme Eine Ferienwohnung für 250 Euro pro Nacht Ein stolzer Preis, den reiche Touristen für diesen Blick gerne bezahlen Im 16. Jahrhundert entschied Großherzog Cosimo de Medici, dass in San Gimignano keine neuen Gebäude errichtet werden dürfen Seitdem hat sich kaum etwas verändert Geschichte, wohin man schaut Nach über 20 Jahren soll das Appartement aufgepeppt werden Luciano und Tochter Margherita wollen erst die Kammer ausbauen (Italienisch) Wann immer Luciano in den Türmen arbeitet, führt ihn sein Weg auf die Dachterrasse Das ist die perfekte Harmonie Natur und Mensch haben zusammen etwas Einzigartiges geschaffen Und ich bin Teil davon Mit meinen Projekten Ich bin ungeheuer stolz darauf * Ruhige Musik * In Massa Marittima steht alles im Zeichen des großen Armbrust-Schießens In zwei Tagen ist es soweit Luca, der Armbrust-Schütze aus der Cittavecchia, muss noch zum Friseur Ein gepflegtes Aussehen ist Italienern wichtig Vor diesem Wettbewerb erst recht, auch wenn Luca das nicht zugibt Ich wollte mir sowieso die Haare schneiden lassen, nicht nur wegen des Balestro Ich hätte sie mir auch schon vor zwei Tagen schneiden lassen können, aber ich hatte keine Zeit Die Friseurin sieht das anders: Die Vorbereitungen laufen das ganze Jahr über, alle machen mit Alle Einwohner von Massa, die Schützen, Fahnenschwinger und Edelfrauen Bei den Vorbereitungen sind alle angespannt und aufgeregt Alle wollen “bella figura” machen, gut aussehen und das Wettschießen gewinnen Die Cattedrale di San Cerbone – das Zentrum von Massa Marittima Beim Kirchgang bittet Luca um Beistand von oben Die Bewohner von Massa Marittima nehmen das Armbrustschießen ernst Der Wettkampf ist mehr als ein Touristen-Spektakel Für die Bewohner stiftet das Fest Identität und Zusammenhalt, trotz der Konkurrenz Für Luca bietet sich hier eine letzte Gelegenheit, Ruhe und Eintracht vor dem Balestro del Girifalco zu finden

* Glockenläuten * Mittlerweile ist die ganze Stadt beflaggt Jedes Viertel demonstriert Siegeswillen mit eigenen Farben und Kostümen Am Tag des Wettkampfs gleicht das Fest einem Maskenball Viele kleiden sich in historischer Kluft, um ihre Teams anzufeuern Hier ist das Zentrum des Balestro Alle drei Stadtteile pflegen zusammen die Geschichte des Wettbewerbs Zielscheiben vergangener Wettkämpfe zeugen von Treffsicherheit * Schwungvolle Musik * Wer keinen passenden Aufzug hat, lässt sich von Mariella Burgassi stilvoll einkleiden Sie weiß, worauf es ankommt Ich kümmere mich schon lange um die Kostüme, um die Bekleidung der Edelfrauen Es ist eine große Ehre für alle – ich mache das gerne Ich habe schon die Edelfrau für die Gemeinde gespielt, aber in einem anderen Kleid Dieses Kleid trage ich zum ersten Mal Es ist aufregend, in diesen Kostümen auf dem Platz zu stehen Mariella nimmt ihren Job ernst Alles muss historisch stimmig sein Keine Armbänder, kein Piercing und kein blauer Nagellack, gar kein Nagellack – der muss weg Die jungen Frauen sind einverstanden: Die festliche Kleidung ist Schmuck genug Mariella sorgt für den richtigen Sitz – fertig sind die Mittelalter-Fräuleins aus dem Bilderbuch Sitzt doch alles prima Schönes Balestro euch allen Die Männer der Cittavecchia müssen sich vor dem Schießen stärken Armbrust-Schütze Walter hat Wildschwein-Ragout mit Bandnudeln vorbereitet Das sollte helfen Dazu ein Prost und die Stadtteilhymne * Italienischer Gesang * (Alle) Cittavecchia! Noch zweimal schlafen, dann wird im beschaulichen Massa Marittima scharf geschossen Von Süden rollt noch mehr Historisches auf die Toskana zu Die Italienerinnen Saskia und Silvia schieben ihren Riley Sprite von 1936 zum Start Die bekannteste Oldtimer-Rallye der Welt, die Mille Miglia, führt durch die Toskana: Siena muss bis Mittag erreicht werden Die Zeitkontrolle Gestern haben wir es knapp geschafft Es fehlten 18 Kilometer, und wir hatten nur noch 20 Minuten Ich musste Silvia antreiben, sozusagen den Weg freimachen Alle Autos aus dem Weg scheuchen Ich musste einfach alles geben * Zerosospiro: “L’amore che verra” * Die Mille Miglia führt 1000 Meilen durch Mittelitalien 900 Teilnehmer haben vier Tage Zeit, die Strecke zu bewältigen Es dürfen nur Autos starten, die zwischen 1927 und 1957 gebaut worden sind * Zerosospiro: “L’amore che verra” * Für Zuschauer ist das einst gefährliche Rennen

heute ein Volksfest Wenn die Oldtimer durch San Quirico d’Orcia knattern, freut sich das ganze Dorf * Zerosospiro: “L’amore che verra” * Die Piazza del Campo in Siena ist das Ziel für heute Das Publikum wartet schon Die Regeln sind streng Alle müssen in einem klaren Zeitfenster in Siena sein Klappt das nicht, gibt es Punktabzug Aus irgendeinem Grund staut sich der Konvoi Schließlich geht es doch weiter Endlich kommen auch Saskia und Silvia auf dem Campo an Endlich in Siena! Wir sind da, super! Immerhin: Die vorgegebene Zeit ist geschafft Wir sind unter Druck wegen des Staus Also lass uns weiterfahren Ciao! Am Ende der Mille Miglia waren sie das beste Frauenteam Weiter geht die Reise ganz in den Süden der Toskana An die Küste der Maremma nach Talamone Marmor-Monumente für die Ewigkeit wollen Bildhauer Massimo Catalani und Aktivist Paolo Fanciulli schaffen Die Skulpturen sollen nicht die Landschaft zieren Sie werden stattdessen im Meer versenkt – vor der Küste Jeder, der hier taucht, wird uns verstehen Wir haben drei Ziele Erstens: Illegale Schleppnetz-Fischer abhalten Zweitens: Für Fische einen natürlichen Lebensraum schaffen Und dann kommt die Kunst ins Spiel Die kann man auch unter Wasser bewundern Der Marmor kommt aus Carrara Wir arbeiten mit ausgesonderten Marmorblöcken, die wir umsonst bekommen Wegen der Maserung oder der Risse werden daraus keine Platten Sie haben einen geringen Marktwert Der Steinbruch schafft Platz, und wir können mit echtem Carrara-Marmor arbeiten Casa dei Pesci, “Haus der Fische”, tauften die Männer ihr Projekt, das sie im Meer vor der Stadt Talamone umsetzen Hier war bis zur Renaissance der Hafen der freien Stadt Siena * Ruhige Musik * Jetzt kämpfen Paolo und sein Team gegen illegale Schleppnetz-Fischer Die großen Marmorblöcke sollen die Netze aufhalten Taucher Andrea wird Paolo helfen, einen Standort für den nächsten Marmorblock zu finden 24 Skulpturen wurden schon versenkt * Spannungsvolles Trommeln * Die Aufstellung folgt einem ausgeklügelten Plan, den Paolo genau berechnet Alles wird genau dokumentiert, damit er die Skulpturen jederzeit wiederfinden kann Auch Andrea ist nicht das erste Mal für das Projekt im Einsatz Wenn du unten bist, kontrollier den Abstand zwischen den Statuen, damit wir wissen, wo wir den nächsten Block versenken Die Entfernung zwischen ihnen sollte 4 bis 6 Meter sein, damit illegale Fischer nicht mehr fischen können Gut, ich guck es mir an Paolo ist mit Leib und Seele Fischer

Er musste miterleben, wie Schleppnetz-Piraten das Ökosystem im Tyrrhenischen Meer schädigten Dem setzte er zunächst riesige Betonklötze entgegen Dann kam die Idee, den Kampf kunstvoll zu führen Mit der Zeit passen sich die Skulpturen der Umgebung an Mit Algen überwuchert werden sie zu Bestandteilen der Unterwasserwelt Fischen bieten sie Schutz, Schleppnetz-Piraten verleiden sie ihr Tagwerk Auch Paolo kämpft täglich mit zerrissenen Netzen, aber das hat natürliche Ursachen Raubfische wollen ihm den Fang abjagen Unter Wasser sucht Andrea weiter nach einem Standort für die neue Marmorskulptur Die Blöcke dürfen nicht zu dicht beieinander stehen Er hat bald eine passende Stelle gefunden Hör mal, wie sieht’s aus? Schön! Haben sich die Skulpturen angepasst? Ja, sie sind schon voller Algen Wo soll die nächste Skulptur hin? Ich würde sie zwischen die anderen beiden stellen Da ist zehn Meter Platz Die erste Skulptur liegt, die andere steht Sie wirkt viel schöner Sehr gut, komm! Die nächste Marmorskulptur kann vor Talamone versenkt werden Kunstvoll behauener Carrara-Marmor für die Fische vor der Küste Die Toskana war schon immer ein besonders kultivierter Ort In Massa Marittima wird es ernst Die Unterstützer der Armbrust-Schützen aus Cittavecchia, Cittanuova und Borgo marschieren zur Innenstadt Einen Tag vor dem Schießen wird die Reihenfolge der Schützen ausgelost Auf der Piazza Garibaldi vor der Cattedrale di San Cerbone hat das Spektakel seinen Höhepunkt * Trommeln und Fanfaren * (Italienische Ansprache) Die Reihenfolge wird im Rathaus hinter geschlossenen Türen ausgelost Dieses Mal ist Borgo als Erstes dran Als Zweites darf die Cittanuova ihr Glück versuchen Walter Bertela aus der Cittavecchia ist bedient Der letzte Schütze hat es am schwersten, weil die Zielscheibe dann voll ist mit Pfeilen Dicht an dicht Die Frauen der Cittavecchia-Schützen lassen sich nicht verunsichern Sie glauben an den Sieg ihres Teams und bereiten das “Glücksessen” vor Auf die richtigen Zutaten kommt es an und auf den Kampfgeist (Italienischer Gesang) Nebenan singt sich der Saal in Stimmung: (Italienischer Gesang) Der Abend vor dem Balestro del Girifalco Es wird gefeiert – italienisch Pasta und “Carne tonnata” – Schweinefilet in Thunfischsauce – sollen die Mannschaft ermutigen Köchin Rita ist zufrieden Alles hat perfekt geklappt, alles in Ordnung Die Nacht vor dem Schießen in Massa Marittima wird lang,

obwohl die Schützen am nächsten Tag fit sein müssen Zwischen Grosseto und Siena befindet sich das Benediktinerkloster von Siloe Ein schlichtes Gebäude in traumhafter Lage Bruder Roberto beginnt seinen Arbeitstag im Klostergarten Die Mönche verdienen ein Zubrot mit dem Anbau von Biogemüse Bruder Robertos Leidenschaft sind die Chili-Schoten Jetzt sind sie reif für die Ernte, aber Roberto ist besorgt: Die Saison ändert sich Die Erntezeit war einen Monat früher, da sich das Klima ändert Wir helfen Gott nicht, seine Arbeit zu machen Stattdessen bringen wir die Natur durcheinander Vor zehn Jahren haben wir Ende November geerntet Jetzt haben wir Mitte Oktober, und die Ernte ist schon vorbei So sieht es aus Wenigstens ist der Ertrag üppig und sichert den Mönchen ihr Auskommen Bevor es weitergeht, feiern die Brüder die tägliche Mittagsandacht mit Psalmengesang (Gesang auf Lateinisch) Im Keller des Klosters werden die Chilis verarbeitet In Italien heißen sie Peperoncini Bruder Roberto musste sich erst an die Scharfmacher gewöhnen Ich stamme aus einer Gegend, wo keine Peperoncini wachsen Ich kannte sie nicht Aber ich habe mich sehr an sie gewöhnt Mit geringem Schärfegrad fing ich an Jetzt kann ich nicht mehr ohne Den extrascharfen Habanero gebe ich sogar in den Salat Roberto entstielt, wäscht und sortiert die Peperoncini Dann presst er sie * Rumpeln und Rattern * Anschließend legt er die gepressten Schoten auf ein Sieb zum Trocknen Das dauert in der Regel vier bis sechs Wochen Danach werden sie gemahlen * Surren * Gottvertrauen ist gut, aber Atemschutz ist besser Höllisch scharfer Chili-Staub hängt in den heiligen Hallen Mit ihrer kleinen Chili-Produktion liegen die Ordensbrüder im Trend Chili-Produkte aus biologischem Anbau sind wertvoll und begehrt Das Kilo kostet 25 Euro * Trommeln * Das große Finale in Massa Marittima Heute zeigt sich, welcher Stadtteil das Armbrust-Schießen gewinnt 24 Schützen treten an – acht aus jedem Bezirk Geschossen wird im Wechsel, jeder hat nur einen Versuch Anspannung bei Luca und Walter Auch der ganze Rummel beruhigt nicht unbedingt Endlich der Einzug auf der Piazza Jedes Team hat seine Fans dabei Der Löwe schläft nicht heute Nacht Letzte Absprachen vor dem Wettbewerb

Der erste Schuss: Borgo, die Blauen, dürfen beginnen Treffer – die Fans sind begeistert Die anderen Schützen müssen reagieren Jetzt ist Walter dran * Jubel und Trillerpfeifen * Auch er trifft Dann schießt die rote Konkurrenz, die Cittanuova, noch etwas besser Walter ist enttäuscht Ich hatte einen Pfeil genau in der Mitte Dann haben sie ihn zur Seite gedrückt So ist der Balestro Ich fürchte, wir sind nicht die Ersten heute Das ist das Besondere beim Balestro: Jeder kann jeden immer aus dem Wettbewerb werfen Cittanuova liegt vorne Nun ist es an Luca, die Ehre der Cittavecchia zu verteidigen Walters Skepsis ist nicht gerade hilfreich Lucas großer Moment Er trifft – aber nicht gut genug Eine Entscheidung um wenige Millimeter * Fanfare * Der Schiedsrichter kontrolliert, ob die Pfeile stecken Es scheint alles seine Richtigkeit zu haben Sie schießen besser, sie haben das Zentrum zugemacht Das war’s wohl Wer als Letzter drankommt, hat es schwer, sich gegen die steckenden Pfeile durchzusetzen (Durchsage auf Italienisch) Bevor der Sieger verkündet wird, präsentiert der Schiedsrichter den Honoratioren der Stadt und dem Volk die Pfeile * Fanfare * (Italienisch) * Lautes Jubeln * Der Gewinner steht fest Die Sieger-Fahne geht an die Cittanuova – die Neustadt * Lautes Jubeln * Kein guter Tag für Luca Aber nach dem Wettkampf ist vor dem Wettkampf In ein paar Monaten wird wieder geschossen Balestro del Girifalco ist zweimal im Jahr In San Gimignano ist es vergleichsweise ruhig Gerade diese Ruhe liebt Matteo Macalle Früher wohnte der Goldschmied in Florenz Doch da wurde es ihm zu hektisch Also beschloss er, nach San Gimignano zu ziehen, wo er selbstgemachte Gürtel und Schmuck vertreibt Sein Laden ist über die Stadtmauern hinaus bekannt Heute erwartet er ein verliebtes Paar aus der Nachbarschaft, das Ringe mit Bezug zur Stadt in Auftrag gab (Italienisch) Wir kommen schon mal gucken Die Ringe sind so weit Ah, wunderschön. Was meinst du? Gefällt mir gut Passt auf Anhieb Nun kann Matteo die Ringe gravieren Nach dem Stress muss er sich stärken, und zwar bei Brunetto Bertelli Bertelli, buongiorno Machst du mir ein belegtes Brötchen mit Schinken? Schinken ist für Leute mit zu hohen Cholesterinwerten Ich hab nur Fenchelsalami, Salami und Pecorino Brunetto hält nichts von Schnickschnack

Bei ihm gibt es nur zwei Sorten Salami und einen Käse Ich setze auf Qualität, dann ist das Ergebnis immer gut Es gibt zum Glück viele Touristen in San Gimignano Die kommen eh nur einmal Dann müssen Geschmack und Qualität stimmen Viele verkaufen alles Mögliche, aber man braucht nicht viele Produkte Ich verkaufe seit 15 Jahren diese drei Spezialitäten Bis jetzt läuft alles gut, ich kann mich nicht beklagen Weniger ist mehr: Dem Motto ist Brunetto treu geblieben Seine Kunden danken es ihm Matteo holt sich täglich ein Panino bei Brunetto Bertelli * Glockenläuten * Matteo ist ein Genießer in jeder Hinsicht Sein Panino isst er an seinem Lieblingsplatz: Über den Dächern und Türmen von San Gimignano Nach der kleinen Pause geht es quer durch die Stadt Als Anwohner darf er durch die historischen Gassen fahren Sein Käfer ist ja auch schon fast historisch Matteo muss noch Wein besorgen – Freunde geben am Abend ein Fest Durch die Weinberge fährt er zum Winzer * Schwungvolle Musik * Ciao! Gibst du mir ein paar Flaschen Vernaccia? Gern, hier bitte! Der Tag geht zu Ende Was könnte jetzt schöner sein als ein Abend mit Freunden unter dem Himmel der Toskana? Darf ich eintreten? Guten Abend Oh, ihr habt schon angefangen Ich hab Wein mitgebracht Dann verzeihen wir dir deine Verspätung Hey, Eliana, gib mir einen Kuss Wie schön du bist! Lasst uns anstoßen – Prost! * Gitarre * (Italienischer Gesang) * Renato Carosone: “Tu Vuo Fa L’Americano” * Copyright Untertitel: NDR 2018