Ernten auf russischen Riesenfeldern | Unser Land | BR Fernsehen

Untertitelung: BR 2019 Deutsche Mähdrescher auf einem Weizenfeld in Russland Landwirtschaft XXL: Das ist die Welt von Christian Kowalczyk 2005 ging der Agraringenieur aus Marktzeuln in Oberfranken nach Russland, um dort auf riesigen Agrarbetrieben zu arbeiten Seine Eltern hatten daheim eine Apotheke: kein Interesse Ein eigener Hof: nicht in Sicht Großbauer wollte er werden, unbedingt Schon von Kindesbeinen an war ich in Oberfranken bei mir im Dorf und in Nachbardörfern in der Landwirtschaft tätig Ich habe immer davon geträumt, selbst mal einen großen Hof zu bewirtschaften Es ist Ende Juli, bei Apascha in der Region Brjansk 296 Hektar in diesem Block hier Weizen insgesamt 620 Hektar auf vier Stücken Wir sind jetzt hier seit drei Tagen am Dreschen Seit 2015 erntet Christian Kowalczyk nicht mehr nur auf den Feldern großer internationaler Investmentgesellschaften Inzwischen bewirtschaftet er mit seiner russischen Frau Anna fast 6000 Hektar eigenes Land Russische Erde in deutscher Hand, zur Hälfte gepachtet, zur Hälfte im Eigentum Dieser Weg ist von uns nur aus logistischen Gründen reingefahren, sonst würde das Ganze hier durchgehen Wir sind immer noch auf dem Schlag mit 296 Hektar Die drei Drescher haben knappe drei Tage zu tun Die Zeit drängt. Alles muss klappen wie am Schnürchen * Spricht Russisch. * Fünfeinhalb Tonnen Weizen pro Hektar erntet Christian Kowalczyk hier, 500 Kilometer südlich von Moskau, trotz der Sommerdürre Daheim in Bayern dreschen die Kollegen rund ein Drittel mehr Aber sie haben auch viele höhere Kosten Unterm Strich könnte Christian in Russland mehr Geld pro Hektar verdienen, theoretisch Wenn immer alles nach Plan liefe Drei Mähdrescher, neun Lkw, ist eigentlich alles genau abgestimmt Und auf einmal steht schon wieder einer, weil die sich im Lager so viel Zeit lassen, obwohl genügend Möglichkeiten sind, abzukippen Die Technik muss laufen Schlafen können wir im Winter Seine Mähdrescherfahrer bekommen schließlich bis zu 1200 Euro Monatslohn, mehr als auf russischen Nachbarbetrieben Die Spedition bezahlt er nach Tonnage Die Fahrer sind ihm nicht fix genug Die müssen die ersten fünf Tage mal verstehen, dass Ernte ist Alle rein, alle trainieren, das ist wie der Boxen-Stopp beim Schuhmacher Das muss alles ein wenig trainiert sein, muss alles laufen Der ruhige Gegenpol: Apascha Im 150-Seelen-Dorf ist der Firmensitz der Komaritschi Agro GmbH Frühstück: Mit Ehefrau Anna und Praktikant Hannes aus der Oberpfalz Früher wohnten hier die Arbeiter einer Kolchose, heute, während der Ernte, die Kowalczyks Beim Frühstück wird der Arbeitsablauf des Tages geplant Die Kinder, Juliana und Karolina, sind in Russland geboren Das ist ihre Heimat Sorge um ihre beiden Töchter müssen die Kowalczyks in Apascha nicht haben Nette Nachbarskinder, kein Verkehr, keine Fremden, null Hektik Komaritschi, der nächstgrößere Ort mit Geschäften zum Einkaufen liegt 25 Kilometer entfernt Die meisten Bewohner hier haben bis 2015 in der örtlichen Kolchose gearbeitet Stress ist ein Fremdwort, eigentlich Ernte. Von elf Uhr vormittags bis elf Uhr nachts, sind die Mähdrescher und Lkw im Einsatz Der Weizen darf maximal 14% Restfeuchte haben Denn eine Getreide-Trocknungsanlage, betrieben mit Erdgas, kann sich Christian noch nicht leisten

Also müssen die optimalen Zeitfenster zum Dreschen genutzt werden Können die Mähdrescher vielleicht noch schneller fahren? Praktikant Hannes macht den Test Ich tu jetzt das während der Fahrt zwischen die Reifen schmeißen Dann fährt der Mähdrescher drüber Dann fällt in diese Schale Stroh rein Dann blasen wir das aus und schauen, wie viele Körner in der Schale liegen Das heißt: Wie viele Verluste haben wir Konstantin ist Christians Betriebsleiter in Apascha Was sagt die Wettervorhersage? Nichts Gutes: Gegen Abend soll es regnen Hannes muss jetzt Fakten liefern Hannes kommt von einem Bauernhof in der Oberpfalz und macht gerade eine Ausbildung an der Technikerschule in Triesdorf, mit dreimonatigem Auslandspraktikum in Russland Zusammen mit Konstantin sucht er nach Körnern, die der Mähdrescher nicht ausgedroschen hat Das sieht gut aus Wie wir jetzt sehen, ist so gut wie nichts vorhanden in der Verlustschale Das heißt: Wir können auf noch mehr Leistung fahren Also schneller. Gas geben Besuch am Acker: Anna mit Juliana und Karolina Und: Irina Letjago Die russische Kauffrau regelt für Christian alle Angelegenheiten mit Landeigentümern, Behörden und Politikern Dass er ein Ausländer ist, kein Problem Egal ob Deutsche oder Russen oder Franzosen oder Polen bei uns arbeiten, wichtig ist es, dass jeder seine Arbeit macht Wir haben ein Kollektiv aufgebaut mit gutem Arbeitsklima, wo keiner Angst bekommt, wenn’s einmal schwierig wird Wir investieren besonders viel in die Leute Und deswegen steigt die Produktivität und auch der Arbeitslohn und der Wohlstand von jedem von uns Mit 5 Prozent ist Irina an der Komaritschi GmbH beteiligt Wichtigste Gesellschafterin ist aber Ehefrau Anna Ausländer dürfen nur ein Unternehmen betreiben, wenn es mehrheitlich in russischer Hand ist Anna hat auch in Triesdorf studiert und nimmt ihren Mann so wie er eben ist Der Meister hat immer viel Energie und freut sich, wenn die Ernte losgeht und er die Leute ein bisschen managen kann Ein bisschen unter Kontrolle alles haben Gegen acht Uhr abends haben die drei Mähdrescher 115 Hektar geschafft Es sollen an diesem Tag aber mehr als 135 Hektar werden Noch sind nur wenige dunkle Wolken am Himmel Da geht noch was Der Chef löst einen Fahrer ab und setzt sich selbst ans Steuer Den russischen Mitarbeiter imponiert das Dieser deutsche Hektiker kommandiert nicht nur, er kann auch anpacken Und ständig ist der Agrarmanager am Rechnen und Kalkulieren Wir lösen mit dem Praktikanten am Mittag immer die Leute eine Viertelstunde ab, damit die Mähdrescher keine Minute stehen Die Technik ist einfach viel zu teuer Die zweite Geschichte ist: Man muss selber ein bisschen ein Gefühl haben für die Technik Die Einstellungen kontrollieren und selber fahren, um zu verstehen, was die Technik auch leisten kann und wo sie an ihre Grenzen kommt Die Erntetechnik ist einfach viel zu teuer, wenn sie nicht läuft Bloß kein Stillstand Da muss auch der Praktikant mit ran Hannes gefällt dieser Arbeitsstil Das Feeling ist einfach ein ganz anderes als daheim, weil man viel größere Schläge hat und nicht nur ein Mähdrescher alleine am Feld ist, sondern immer gleich eine ganze Kolonne, und die Mitarbeiter im Team arbeiten, nicht so wie in Deutschland als Einzelkämpfer Hier arbeiten alle miteinander auf einem Feld Die Kowalczyks versuchen, ihre Mitarbeiter immer zu motivieren Mit einem guten, pünktlichen Lohn, plus Prämien: Bis der Regen kommt, muss man ein bisschen schneller machen: Kaum sind die Mähdrescher zum nächsten Feld weitergezogen, starten die Schlepper mit der Bodenbearbeitung Jahrzehnte lang wurden die guten Böden in der sowjetischen Kolchose schlampig gepflügt und zu wenig gedüngt: Wir wollen die Stoppeln nur ganz flach bearbeiten, auf drei, vier Zentimeter, gar nicht so tief Christian verzichtet auf den Pflug, er will Wind- und Wasser-Erosion vermeiden und den Humus im Boden Jahr für Jahr steigern Er muss auch auf den Klimawandel reagieren,

deshalb baut er über den Winter Zwischenfrüchte an Das Wasserspeichervermögen der Böden muss steigen, damit sie Trockenperioden besser überstehen Von Mitte Juni bis Mitte Juli hat es in Apascha keinen Tropfen geregnet Ein schonender Umgang mit dem Boden, das ist ihm wichtig Er will in Russland bleiben, seine Töchter sollen den Betrieb einmal weiterführen Maschinen können das Bodenleben fördern oder schädigen Deshalb kontrolliert Christian seine Traktoristen streng Der Rahmen ist eben, das geht Arbeitstiefe … viel tiefer zieht der Schlepper eigentlich nicht Die hinteren, die Räumscheiben passen nicht Das muss ich mir in Ruhe anschauen Aber da weiß ich schon mal, wo der Haken liegt Hier müssen wir mit Hohlscheiben in der Tiefe etwas verstellen, wahrscheinlich etwas flacher, die gehen in der Tendenz zu tief Einfach nur viel düngen, um die Erträge zu steigern, das hält er für zu kurz gedacht und das wäre bei mehreren tausend Hektar auch viel zu teuer Nun regnet es Schnell zurück auf den Betrieb Am Eingang an der Waage sitzt Ludmila Dobry Den – Guten Tag Außer “Guten Tag” kann Ludmila kein Wort Deutsch Ist auch nicht nötig Christian spricht fließend Russisch Ludmila ist die Chefin des Getreidelagers und der Waage In Russland kann auf dem Weg vom Feld zum Betrieb schnell mal eine Fuhre Getreide abhandenkommen Beinahe jede Familie in der Gegend hat eine kleine Selbstversorger-Landwirtschaft mit hungrigen Tieren Ludmila sorgt dafür, dass unterwegs nichts verloren geht Es wird alles leer und voll gewogen, damit ich weiß, was von welchem Schlag geerntet wurde, wo es hin geht und dass wir Ertragsauswertungen haben Wie viel hab ich im Lager? Was kann ich verkaufen? Auch um Finanzprognosen zu machen Den Weizen verkauft Christian an Mühlen und Lagerhäuser Ein Drittel sofort nach der Ernte für rund 135 Euro je Tonne Den Rest bis zum Frühjahr Ein bisschen Zocken gehört dazu Unterwegs nach Woronesch, sechs Autostunden weiter östlich Viel Zeit zum Telefonieren Dort ist Christian für 60.000 Hektar Feldfrüchte zuständig, als festangestellter Hauptagronom einer internationalen Agrar-Holding Der Neben-Job, zweieinhalb Tage pro Woche, garantiert ihm ein sicheres Einkommen Man weiß ja nie Und dann wieder zurück nach Apascha, auf den eigenen Betrieb Zehn Uhr morgens Tägliche Lagebesprechung mit Konstantin, Ludmila und Juri Hier kommen alle aktuellen Probleme auf den Tisch Christian mag keine Duckmäuser als Mitarbeiter In seinem Großbetrieb kann er nicht alles selbst im Detail überblicken Nemetskiy Fermer, der deutsche Landwirt, hat ganz bewusst nicht ehemalige Kolchos-Führungskräfte übernommen, sondern lernwillige Quereinsteiger Ihm ist wichtig, dass sein Unternehmen einen guten Ruf hat Wir kriegen sehr viele Ware inzwischen auch schon auf Kommission Also die Leute haben Vertrauen in uns, dass wir bezahlen Das handelt immer Juri aus Juri ist zuständig für den Einkauf, das Lager, alle Ersatzteile 63 Leute arbeiten heute bei Christian Zu Kolchos-Zeiten waren es 43 Aber immer noch steht Wladimir Iljitsch Lenin hier als Betonfigur, ans Abreißen denkt niemand Drei Kilometer weiter steht Sergej und bewacht den Fuhrpark der Komaritschi Agro GmbH Ohne Aufsicht würden die Maschinen über Nacht vielleicht verschwinden Daran musste sich der deutsche Agrarmanager in Russland erst gewöhnen In der Stadt Orjol bei der Firma Atlant verkauft Andreij Borzov Landmaschinen des deutschen Herstellers Claas Borzov hat einige Jahre für einen US-Konzern gearbeitet, weiß, wie moderne Landwirtschaft funktioniert Christian braucht einen neuen Mähdrescher

Mit Praktikant Hannes diskutiert er die Ausstattungsdetails Schnell kommt eine Summe von knapp 24 Millionen Rubel zusammen, umgerechnet 335.000 Euro Weil Claas Mähdrescher in Russland baut, fördert die Regierung den Kauf mit 15 Prozent vom Listenpreis Erfreulich Doch noch wichtiger ist Christian der Service Es sind kompetente Leute, die auch Diagnostik machen können, Ferndiagnostik mit diesem System Dass die hier auf dem Computer zurückgreifen können, welchen elektronischen oder hydraulischen Fehler der Mähdrescher zeigt Und je nachdem, wie es nötig ist, innerhalb von zwei Stunden da sind und den Mähdrescher möglichst schnell wieder einsatzbereit bringen Bankkredite sind in Russland mit mehr als zehn Prozent Zins sehr teuer Deshalb hat Christian im Jahr 2015 beim Unternehmensstart mit einem gebrauchten Mähdrescher begonnen Erst später kaufte er dann zwei neue Claas Drei Mähdrescher für mehrere tausend Hektar Eine so knapp kalkulierte Maschinenausstattung wäre in Bayern undenkbar Wäre ich in der Heimat, dann würdest du zu Claas Main-Donau fahren und hättest dein Ersatzteil in zwei, drei Stunden Auch nach 15 Jahren Russland hat man dieses deutsche Denken, es müsse möglichst schnell gehen, weil wir inhabergeführt sind In einer großen Holding vielleicht, da interessiert es niemanden, ob der Mähdrescher einen, zwei oder drei Tage steht Da sind es 15 Mähdrescher Wenn einer steht, sehen die das nicht so eng Aber wir haben drei große Mähdrescher und die müssen laufen, die müssen Hektar machen Andreij Borzov ist stolz auf das Ersatzteillager Letztes Jahr hat er sogar für ein paar Tage einen Ersatz-Mähdrescher zu Christian nach Apascha auf den Betrieb gebracht So ein Service ist neu in Russland Doch die großen Agrarbetriebe wollen mit weniger Personal und bester Technik immer effizienter arbeiten Und tauschen alte russische Maschinen gegen neue westliche Zehn Rosselmasch-Mähdrehscher musste ich in Zahlung nehmen und sechs neue Claas Tucano verkaufte ich Russische Agrargroßbetriebe wachsen in rasantem Tempo und investieren kräftig in westliche Landtechnik Für das deutsche Unternehmen Claas leitet Dirk Seelig den Verkauf in Russland Claas beschäftigt hier 500 Mitarbeiter und verkaufte im letzten Jahr 2500 große Mähdrescher und Traktoren Die Betriebe sind hier größer als irgendwo sonst auf der Welt Wenn ein Landwirt sagt, er hat 30, dann heißt das nicht automatisch 30 Hektar, sondern in der Regel 30.000 Hektar Ich habe die Erfahrung gemacht: Unsere Kunden bewirtschaften in der Regel Minimum 3000 Hektar, wenn sich einer eine so teure Landtechnik kauft Doch bei den größten Kunden reden wir von bis zu einer Million Hektar Zurück auf dem Betrieb in Apascha Christian konnte hier das Ackerland für drei bis fünf Cent je Quadratmeter kaufen Für Pachtland zahlt er 30 bis 70 Euro pro Hektar und Jahr an ehemalige Kolchosbauern Aber das rasante Wachstum birgt auch Risiken Einerseits ein sehr tolles Gefühl, weil man die ganzen Prozesse in der Hand hat zu organisieren Was bauen wir an? Wie machen wir das? Auf der anderen Seite sind auch große Summen, viele Werte im Spiel Und wenn dann mal wieder große Trockenheit ist oder lang anhaltender Regen, dann hat man schon mal die eine oder andere Stunde oder eine schlaflose Nacht, weil man wieder Angst hat, dass eine Abweichung ist von den geplanten Ziffern und geplanten Einnahmen, und man muss die Kredite auch wieder zurückbezahlen Das heißt scharf rechnen, auch beim Einsatz der Traktoristen Der Schlepper ist mit zwei Mann besetzt, im Zweischichtbetrieb 24 Stunden Fahrer A, dann 24 Stunden Fahrer B Schichtwechsel um 19.00 Uhr Also die Schlepper stehen etwa um 18.00 Uhr für eine Stunde und machen im Schichtwechsel Wartung, Abschmieren, Luftfilter ausblasen, ein paar Schrauben nachziehen Die Leute dürfen nachts zwei bis zweieinhalb Stunden auf dem Schlepper schlafen und fahren sonst durch

Umgerechnet bis zu 900 Euro im Monat, drei mal so viel wie andere Arbeiter im Süden Russlands, verdienen die Traktoristen Allerdings: Stundenlohn, das funktioniert in Russland nicht Es geht nach Leistung Für die Aussaat gibt es Prämien, aber erst, wenn das Getreide schön gleichmäßig aufgegangen ist Kolpna Die Kleinstadt liegt rund 200 Kilometer östlich von Apascha, mitten in der russischen Schwarzerde-Region Hier hat Christians Partner Eckart Hohmann seinen Betrieb Die beiden deutschen Landwirte teilen sich ein Büro samt Personal Auf landwirtschaftliche Gewinne werden in Russland keine Steuern erhoben Andererseits zahlt die russische Regierung keine Flächenprämien wie in der EU Also keine Bürokratie? Ein bisschen schon, aber es ist alles viel einfacher als in Deutschland Agraringenieur Eckart Hohmann hat in Kolpna bereits im Jahr 2005 eine marode Kolchose übernommen So wie Christian Kowalczyk haben ihn das politische System und die vielbeklagte Korruption nie geschreckt Wir sind hier nicht aufgetreten wie Graf Koks Wir haben immer das Gefühl gehabt, dass wir Rechtssicherheit hatten, dass wir hier vernünftig arbeiten können, Wenn ich gefragt werde nach den schlimmsten Problemen, die wir hatten, als wir den Betrieb aufgebaut haben, dann gab’s immer drei Probleme: Wetter, Wetter und Wetter Eckart Hohmann hat die ehemalige Kolchose innerhalb von 14 Jahren zur modernen 3000 Hektar umfassenden Rheinland GmbH umgewandelt Er beschäftigt heute 18 Mitarbeiter Manches sieht noch aus wie früher Wassilij, ein junger Lkw-Fahrer, hat sich bei ihm als Quereinsteiger zum Betriebsleiter hochgearbeitet Ich habe zehn Jahre lang in der Stadt gearbeitet und gelebt Dort konnte ich mir keine Wohnung leisten Dann habe ich gemerkt, dass die Landwirtschaft sich gut entwickelt Ich kam her als Lastwagenfahrer Auf dem Dorf habe ich mir ein halb verfallenes Haus gekauft Im Vergleich zur Stadt bin ich mit meiner Arbeit hier sehr viel zufriedener Mitten in den riesigen Feldern bei Kolpna hat sich Eckart Hohmann ein Wohnhaus gebaut, dazu eine Getreideaufbereitung mit Trocknung und Lager Seit 2015 sind Hohmann und Kowalczyk Partner Der Franke kümmert sich um den Pflanzenbau auf dem Betrieb des Rheinländers Eckart Hohmann wiederum ist an Christian Kowalczyks Betrieb in Apascha beteiligt Zwei Deutsche in Russland, beide keine Bauernsöhne und sehr unterschiedliche Typen Sie diskutieren oftmals kontrovers Aber beide sind sich einig: In Russland ist Weizen das neue Öl Und die Chance von Null auf 100 zum Großbetrieb, die gibt es nur hier Christian und sein Partner denken langfristig Sie bringen Kalk auf die fruchtbare Schwarzerde, damit sie nicht versauert Das haben die Kolchosbauern über Jahrzehnte vernachlässigt Aber es geht aufwärts Hier wächst Soja Und Christian fühlt sich beim Ertrag durchaus auf Augenhöhe mit Soja-Farmen in Amerika Am meisten Spaß macht ihm aber immer wieder der Test mit dem Spaten Er dringt mühelos in die Ackerkrume ein So muss es sein. Fruchtbarste Erde Das ist das, was man immer in Bodenkunde gelernt hat Jetzt lebt Bodenkunde live, was man früher im Hörsaal in Triesdorf hatte Wenn man diese Blumenerde nimmt, der Boden ist wie Blumenerde, wie Omis Blumenerde zu Hause für die Geranien auf dem Balkon Das ist ja Wahnsinn In den südrussischen Schwarzerde-Böden steckt noch viel ungenutztes Potential Diesen Schatz will er heben, das ist sein großes Abenteuer Zum Beispiel auch mit Sonnenblumen Sie gelten als die Königinnen der russischen Felder und sind die bestbezahlte Ackerfrucht Nach der Ernte ab Mitte September wird daraus Speiseöl gepresst,

der Ölpresskuchen ist wertvolles Viehfutter Doch zwei selbstbewusste Großagrarier als Partner, funktioniert das? Ich habe vielleicht fünf Prozent bei der Feldsaat eine Idee, er hat auch immer beim Verkauf eine Idee Aber jeder kann seine Sachen Jeder weiß, wo seine Stärken sind Dass wir uns da gegenseitig ergänzen, ich finde das sehr gut so Und schon ist Christian wieder gefragt Und immer erreichbar nahezu ohne Funklöcher Ortswechsel: In Schtschigry ist der Firmensitz von Russkij Dom Hierher liefert Christian Weizen, hier kauft er Dünger ein Hier sieht man, wie das Getreidegeschäft in Russland brummt Täglich werden 10.000 Tonnen angeliefert Doch Russkij Dom soll noch größer werden Die russische Besitzerfamilie will die Lagerkapazität verdoppeln Gerade wird das 20 Hektar große Betriebsgelände komplett betoniert, um internationale Hygienestandards zu erfüllen Die alten Betonsilos aus Sowjetzeiten werden bald abgerissen Alle Zeichen stehen auf Wachstum, an Geld scheint es nicht zu mangeln Mit 130 firmeneigenen Eisenbahnwaggons gelangt das Getreide über Schwarzmeerhäfen nach Ägypten und über die Ostsee auch nach Bayern, etwa als Braugerste für Bier Der Hammer, 200.000 Tonnen Getreidelager haben die jetzt da Das gibt es, glaube ich, in Deutschland so oft nicht Überwältigend, also für mich auch Christian und Praktikant Hannes nutzen den Regentag für einen Rundgang Daheim in Apascha müssen die Mähdrescher Zwangspause machen Der Russkij Dom Holding gehören neben dem Lager, einer Mühle und einem Kraftfutterwerk auch noch ein Düngerhandel und Zehntausende Hektar Ackerland Solche Giganten dominieren das Agrargeschäft in Russland immer mehr Dass er als Ausländer da mitmischt, darauf ist Christian stolz Denn viele haben spöttisch geschmunzelt, als er 2005 von Marktzeuln in Oberfranken nach Russland aufs Land zog Heute hat er mit seiner Familie auch eine moderne Wohnung in Orjol, einer Stadt, die im 2. Weltkrieg von den Deutschen besetzt war Und Christian hat auch noch einen Kuhstall Denn nur Ackerbau, das reicht ihm nicht Ein Oberfranke, der auswandert nach Russland Und dort nicht nur ackert und erntet, sondern auch melkt Mehr dazu nächste Woche in UNSER LAND Untertitelung: BR 2019