New York – Stadt der Ungleichheit | WDR Doku

Amerika wählt seine Zukunft, auch die reichsten New Yorker Das Land muss die Pandemie bewältigen, um die Wirtschaft hinzukriegen Denn die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer In New York wütet die Pandemie landesweit am heftigsten und trifft besonders die Ärmsten Wenn Trump wiedergewählt wird, wird sich für uns nichts verbessern, es wird nur schlimmer Die Corona-Krise wirft ein Schlaglicht auf die Ungleichheit, mitten im Wahljahr Nur einer der beiden Kandidaten gibt zu, dass es systemischen Rassismus gibt Wir brauchen jemanden, der das Land vereint 8 Monate, eine Stadt, 3 Welten Oben, unten und in der Mitte der Gesellschaft Dieser Film zeigt einen traumatisierten Sehnsuchtsort, einen Blick hinter New Yorks glitzernde Fassaden Hier sieht man wie unterm Brennglas, woran Amerika scheitert: Ungleichheit Untertitel: WDR mediagroup GmbH im Auftrag des WDR Es ist Frühjahr Der Schauspieler Kevin Smith Kirkwood am Broadway Die Theater sind geschlossen, er und seine Kollegen arbeitslos Es ist eine heftige Zeit Ohne ein Ende in Sicht Manche Tage sind sehr düster Wenn die Angst kommt Mein Beruf ist schon in normalen Zeiten voller Unsicherheiten Aber jetzt, so ganz ohne irgendwas am Horizont? Am 01.03. bestätigt New York seinen 1. Corona-Fall 2 Wochen später beginnt der Shutdown Schon Ende des Monats ist die Metropole ein Epizentrum der globalen Pandemie Nur die Krankenwagen durchbrechen die Stille der sonst so lebendigen Stadt Schnell schließt der Broadway New Yorks berühmte Theatermeile Normalerweise kommen Millionen Besucher im Jahr Der Ort, an dem sich Kevins Lebenstraum als Schauspieler und Sänger erfüllt hatte An dem er es geschafft hatte, gegen alle Widerstände Ich kam als der kleine, schwarze, schwule Junge aus einem Getto in Ohio nach New York, um meinen Traum zu verwirklichen 6 Jahre stand ich in diesem Theater auf der Bühne Wir haben Tony Awards und den Grammy gewonnen Für das preisgekrönte Musical “Kinky Boots” schlüpfte er auch in Frauenkleider Kevins Durchbruch Nun sollte er sogar erstmals Regie führen, in einem kleinen Theater außerhalb der Stadt Ich hatte es endlich in der Branche geschafft Bis das passierte Wenige Blocks vom Broadway entfernt, der Juwelier Tiffany, an der teuersten Einkaufsmeile von New York Emerita Ramoons Arbeitsplatz, jedenfalls bis März Mein Job sah so aus, wenn ein Kunde etwas bestellte, kam es zu mir nach unten in den Keller Ich habe es geprüft und für den Versand eingepackt Ihr privater Blick auf die Welt sieht ganz anders aus Sie lebt im ärmsten Viertel von New York in einem Hochhaus der Süd-Bronx Für sie bleiben die Tiffany-Schachteln leer Für ihre 2-Zimmer-Wohnung zahlt sie 1.300 Dollar Das war gerade noch machbar mit ihrem Job Emeritas Eltern kamen als lateinamerikanische Einwanderer nach New York In eine andere Wirklichkeit als das reiche Zentrum von Manhattan Als ich klein war, hat meine Mutter gerne alte Filme gesehen wie “Breakfast at Tiffany’s” Ich verstehe total, warum es Audrey Hepburn so viel bedeutet hat,

vor diesem Schaufenster zu stehen Ich wollte auch immer etwas von diesem Lifestyle abhaben Mit meinem Job bei Tiffany’s ist dieser Traum wahr geworden Und das, obwohl sie im Keller arbeitete Ich vermisse es, mir die Reaktion der Leute vorzustellen, wenn sie die blauen Tiffany-Schachteln öffnen Ich habe mir immer ihre Begeisterung vorgestellt Es lag mir so am Herzen, ein Teil davon sein zu können Der Traum ist erst mal vorbei Ihr Job gestrichen Sogar ihre eigenen Kinder musste Emerita zu Verwandten schicken, weil sonst das Geld nicht reicht Die Familie Bickley hat sich in ihr Sommerhaus in den Hamptons zurückgezogen, 2 Autostunden von ihrer Stadtwohnung in Manhattan Die Töchter sind Mode-Influencerinnen, können von überall arbeiten Ein lustiges Detail zu meinem Kleiderschrank, ich arbeite mit einer professionellen Organisatorin zusammen Sie kam vor mir in die Hamptons, um meine Kleider nach Farbe und Kategorie zu sortieren Vater Ian ist durch seine Karriere bei der Luxusmarke Coach zum Multimillionär geworden Heute sitzt er u.a. im Aufsichtsrat der Schuhmarke Crocs und der Kosmetikfirma Natura Erfolg ist für mich eine Kombination aus harter Arbeit und Glück Davon bin ich überzeugt There she is Mutter Kim ist die Managerin ihrer Töchter Sophie, 28, und Charlotte, 26 Sie sind halt Schwestern Ich sorge dafür, dass alle die Ruhe bewahren Sophie und ich sind Modeblogger, Influencer Ich sage lieber Influencer oder Content Creator Was wir machen, ist, wir geben Empfehlungen ab und beeinflussen andere auf positive Weise Die Pandemie bedeutet für sie, Influencer sind gefragter als zuvor Besonders beliebt sind jetzt Quarantäne-Outfits That’s better It’s such a cute outfit, so different Perfect Den Leuten zu Hause ist zurzeit langweilig Viele kaufen online ein Sie sind den ganzen Tag auf Instagram, weil es sonst nichts zu tun gibt Wir haben uns auch für das Masketragen eingesetzt Die Leute kritisieren uns trotzdem für unsere Posts, weil so viele gerade ihre Jobs verlieren Und bei uns gehts um Klamotten Aber das ist unser Job, manche kapieren das nicht Aber wir sind da sensibel – Wir versuchen es Die Metropole der Gegensätze und die Pandemie Im April erlebt New York Tage, die sich tief in das Gedächtnis der Stadt einbrennen werden Shutdown. Wer kann, bleibt zu Hause Bis zu 800 Menschen sterben täglich in den Krankenhäusern In den Kühllastern hinter den Kliniken müssen die Toten zwischengelagert werden Warum trifft es diese Stadt so hart? Und wen trifft es? Es gab 2 Gruppen Diejenigen, die die Stadt verlassen oder von zu Hause arbeiten konnten Und diejenigen, die weiter gearbeitet haben, um das System aufrechtzuerhalten Z.B. für die, die in die Hamptons fliehen konnten Diese Struktur der Stadt existierte schon lange vor der Pandemie Jetzt entscheidet sie mit über Leben und Tod New York City, 8,4 Mio. Einwohner, 5 Stadtteile, unterteilt in ungleiche Viertel In Teilen von Manhattan leben fast nur Weiße, in Teilen der Bronx lebt fast kein Weißer Die Hautfarbe und das Einkommensniveau sind eng miteinander verwoben In den ärmeren Teilen der Bronx und Queens leben die meisten Schwarzen und Latinos Genau hier sterben die meisten New Yorker an Corona Denn hier ist das Leben ungesünder, Gesundheit ein Luxusgut Dazu kommt: 25 von 30 Teststationen waren am Anfang in weißen reichen Stadtteilen, obwohl die armen Gegenden viel stärker betroffen waren

Dort wurde nicht getestet Zum Ende des Shutdowns platzt die Wut George Floyds Tod am 25.05. unter dem Knie eines weißen Polizisten in Minneapolis ist der Auslöser für tagelange Proteste In New York und im ganzen Land Ausschreitungen und Plünderungen überschatten den friedlichen Protest gegen Rassismus und die Folgen der Ungleichheit Polizeigewalt heizt die Stimmung weiter an Sie richtet sich jetzt gegen alle, schwarz oder weiß Wenn du das Coronavirus mit dem Virus rassistischer Polizeigewalt kombinierst, dann generierst du eine Explosion Genau dieselben Leute, die jetzt krank werden, sind auch auf dem Radar der Polizei Die Proteste werden noch Monate anhalten Emerita Ramoon kennt Alltagsrassismus nur zu gut Ich bin keine Farbe, sondern ein Mensch Wenn du dir einen Farbstempel aufdrückst, ändert sich alles Das ist das Problem an unserer Gesellschaft Sie weiß, in dieser Umgebung ist das Risiko sich anzustecken viel höher als in Manhattan Man sieht ja, diese Nachbarschaft hat nicht viel Geld Viele haben keine Krankenversicherung und gehen nicht zum Arzt, wenn sie krank sind, weil sie sich das nicht leisten können Es war klar, dass diese Gegend in so einer Situation hart getroffen wird, wegen der Armut Die Süd-Bronx, im Umkreis von 1 km um Emeritas Zuhause 10% der Bewohner definieren sich als weiß Das durchschnittliche Haushaltseinkommen pro Jahr: knapp 27.000 Dollar Fast die Hälfte der Bewohner lebt in Armut oder ist von Armut bedroht Vor der Pandemie waren 13% arbeitslos Diese Nachbarschaft ist im Mai eine der Gegenden mit den meisten Corona-Fällen Einige meiner Nachbarn haben sich angesteckt, ein paar sind gestorben Es ist Juni, Emerita verlässt ihre Wohnung kaum Sie wartet und hofft Auf einen Job und auf ihre Söhne Einer verbringt den Shutdown bei seinem Vater, der andere bei Emeritas Mutter Denn das Geld würde nicht fürs Essen für alle reichen Ich habe meine Kinder schon seit 3 Monaten nicht mehr richtig gesehen Physisch Ich sehe sie auf dem Handy Aber seit 3 Monaten konnte ich sie nicht mehr berühren oder umarmen What’s up, guys? I’m getting my nails done Die Familie Bickley verbringt die Pandemie gemeinsam mit bezahlter Unterstützung Die Mexikanerin Alicia ist Nageldesignerin und heute auf Hausbesuch Ich habe 4 Kinder, v.a. um sie hab ich Angst Warum arbeiten Sie trotzdem? Ich brauche Geld Mein Mann und ich sind 2 Monate zu Hause geblieben, jetzt fangen wir wieder an zu arbeiten Ihr Service kostet 150 Dollar pro Stunde Für dieses Geld nimmt Alicia ein Risiko in Kauf Die Familie Bickley muss keine Risiken eingehen Wir haben wirklich das Glück, in dieser Situation hier sein zu können Nicht alle haben eine Wahl Die Stadt ist gerade mit dem Virus so überschwemmt Wir haben sogar einen Garten Viele Leute stecken in ihren Apartments fest Das Virus wird im April auch in den Hamptons ankommen, allerdings langsamer als in New York Die Daten 1 km um die Villa der Bickleys Fast 90% der Bewohner definieren sich als weiß Rund 2,6% leben nahe der Armutsgrenze oder darunter Die Arbeitslosigkeit lag vor Corona bei unter 2% Auf dem Gipfel der Krise sterben in New York 7-mal so viele Menschen

wie in den Hamptons Wie umgehen mit dieser Ungleichheit inmitten einer tödlichen Pandemie, wenn man ganz oben steht? Und kann man seinen Reichtum öffentlich zeigen? Ich bin oft empfindlich, was die Mädchen auf Instragram machen Und frage mich, warum? Wie bitte? Warum machen sie das? Aber das ist nur meine Meinung Es ist ihre Marke, und sie sollen mit ihrem Instagram machen, was sie wollen Ich kontrolliere das nicht Die Leute mögen es einfach nicht, wenn Wenn es meine Marke wäre, würde ich solche Dinge nicht teilen Papa, wovon sprichst du? Es ist nicht meine Marke Ich sage ja nur, diese Marke geht um euch, um euren Lebensstil Das ist doch das, was die Leute daran fasziniert Ich sage nur, es ist nicht das, was ich von meinem Lebensstil auf Instagram teilen würde Ihr kennt ja meinen Account Wir haben es ja verstanden I have my own brand and my own things Kevin lebt für seine Auftritte, doch dieses Leben steht Kopf Ein Schauspieler und Sänger ohne Einkommen Und fast noch wichtiger, ohne Bühne Eigentlich ? You alone are my heart’s desire And I long towards… ? Kirche ersetzt für ihn das Theater Sie ist sein Fenster zur Welt, auch wenn das Publikum nur virtuell ist ? Hearts are yearning for you. ? Die ersten Male dachte ich nur, total komisch und verrückt Dann habe ich mich so gut es geht daran gewöhnt Es ist nicht so erfüllend, wie dem Publikum in die Augen sehen zu können, sie mitsingen und klatschen zu hören, ihre Bewegungen zu sehen Es ist wirklich eine ganz andere Erfahrung Für mich ist es herausfordernd, meine Energie bei diesen Auftritten trotzdem auf demselben Level zu halten Vielleicht sollte ich als Pastor gar nicht predigen Wir sollten einfach nur singen, das tut so gut So viele Menschen haben ihre Mutter oder ihren Vater verloren Die Menschen leiden, fühlen sich allein, isoliert Es ist eine bedrückende Stimmung und auch als Pastor eine schwere Zeit We call to you as a source of comfort and strength Religion gibt Kevin Halt, ganz besonders jetzt Wie vielen anderen macht ihm die erzwungene Einsamkeit zu schaffen Ich genieße es, hierherkommen und am Gottesdienst teilnehmen zu können, die Predigt aus 1. Hand zu hören Das fährt mein Stresslevel und meine Angst enorm herunter It’s too hot in here Nach der Kirche in Kevins Viertel Astoria in Queens Diese Gegend ist lebenslustig, vielseitig und divers Man kann gut shoppen Es ist eine nette Mittelklasse-Nachbarschaft, viele Familien, viele junge Zugezogene Die Daten 1 km um Kevins Wohnung herum 74% der Bewohner definieren sich als weiß Das durchschnittliche Haushaltseinkommen pro Jahr: rund 74.000 Dollar 11% leben nahe der Armutsgrenze oder darunter Vor der Pandemie waren rund 5% arbeitslos Die Zahl der Corona-Fälle liegt im April 40% unter dem Durchschnittswert der Stadt Ich habe mich hier im Viertel sehr sicher gefühlt Es ist eine gute Gegend, um in so einer Extremsituation auszuharren Ich war sehr froh, dass meine Gegend nicht zum Epizentrum wurde Aber die wirtschaftlichen Auswirkungen hier sind erschütternd Emerita Ramoon fühlt sich in der Bronx überhaupt nicht sicher Aber jetzt freut sie sich auf einen Lichtblick Ihr jüngster Sohn Eissac wird in 4 Tagen nach Hause kommen

Der 13-Jährige hat gerade das Schuljahr beendet, virtuell Du bist jetzt in der 8. Klasse Du kannst so stolz auf dich sein, es unter diesen Umständen geschafft zu haben Du hast den Fokus behalten, auch wenn du am Anfang etwas zurückgefallen bist, und hast es geschafft, dich wieder zurückzukämpfen Das Ende war stark, beglückwünsche dich selbst dafür Gerade lebt Eissac bei Emeritas Mutter, die ihn miternähren kann Ich freue mich so darauf, dass er nach Hause kommt Ich liebe es, meine Kinder riechen zu können Das ist etwas Besonderes Es erinnert mich so an die Zeit, in der sie noch Babys waren Es ist Juni New York traut sich, nach fast 3 Monaten komplettem Shutdown einen Teil der Stadt wieder aufzumachen Einige Betriebe und Friseure können unter Auflagen wieder öffnen Zeitgleich wird langsam sichtbar, was das Coronavirus in New York hinterlässt Die Arbeitslosigkeit steigt auf über 20%, fast so hoch wie zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise Im Mai stehen nach unserer Datenrecherche 1 Mio. New Yorker plötzlich ohne Arbeit da Die Zahl derer, die sich nicht mehr aus eigenen Mitteln ernähren können, steigt von einer auf 2 Mio Die Krise war schon vorher da, Corona verdoppelt sie Wer es sich leisten kann, verlässt die Stadt Die reichsten Viertel von New York stehen Anfang Mai zu 23% leer Dieses Land ist sehr, sehr reich Der Grund, dass wir die Bedürfnisse unsere armen Mitbürger nicht erfüllen können, ist nicht, dass wir nicht das Geld haben Sondern wir hatten Jahre mit Steuerkürzungen, Schlupflöchern und lascher Verfolgung von Steuerbetrug Es gibt Menschen, die in dieser Pandemie immer reicher werden Und wir trauen uns nicht, sie zu bitten, ihre zivile Pflicht zu tun und ihren fairen Anteil zu zahlen Das müssen wir aber tun, um unser Budget zu retten Am 01.07. in den Hamptons unweit der Bickleys Das ärmere New York protestiert vor den Toren der Reichen New York soll die Millionäre besteuern, fordern sie, statt Leistungen für Arme zu kürzen Denn genau das hat der Bundestaat gerade beschlossen, um das Milliarden-Haushaltsloch zu stopfen, das Corona gerissen hat Die Reichen können weiter ihr Leben leben, während wir uns in endlosen Schlangen anstellen müssen für ein Essen Bis vor das Haus der Familie Bickley zieht der Protestzug nicht Ian wäre bereit, mehr Steuern zu zahlen Er versucht, seinen Beitrag zu leisten Er kümmert sich als Mentor um Menschen wie James, seinen ehemaligen Praktikanten Der hat gerade sein Studium abgeschlossen Ich hatte mich so auf das Jahr 2020 gefreut Aber jetzt einen Job zu finden, ist schwer Ich will dir sagen, was ich mir jeden Tag auch selbst sage Das ist ein Moment, der vorübergeht Genauso ist es. Ich werde einen Job finden, der mich begeistert * Radiomusik * Für Sophie bestimmt das Influencer-Dasein auch unter Corona den Alltag In Southampton ist nun auch das Einkaufen mit Maske wieder erlaubt Ein superreiches Dorf, dem die Katastrophe kaum anzusehen ist Ich würde sagen, es ist ein idyllischer Sommerort Und das Meer ist gleich am Ende der Straße Wenn du in New York lebst, dann gehst du im Sommer eben in die Hamptons Vergleichbar mit jedem Sommerort in Deutschland * Musik * Am Tag darauf in der Bronx Emerita wartet nach 3 Monaten Trennung auf ihren Sohn Eisaac Ihr Bruder bringt ihn nach Hause (beide) Hey Hey guys Ich bin sehr aufgeregt

Das letzte Mal, dass ich mein Baby gesehen habe, war im März Er ist gesund, groß und sieht einfach toll aus Und er ist sogar gewachsen Mutter und Sohn hoffen, dass jetzt wieder Normalität einkehrt Er ist zu Hause, Mami Er sieht toll aus, ganz groß Ich fühle mich hier zu Hause wohl, ich mag es hier sehr Es fühlt sich sicherer und größer an, als ich es in Erinnerung hatte Noch ist die Freude ungetrübt, aber schon bald wird Emerita es finanziell schwer haben Camera rolling, take 6 March 11th 2020 was the last day of what I knew as normal Kevin hat heute einen Auftritt in seinem Wohnzimmer Das Theaterprojekt verarbeitet die Pandemie-Erfahrungen von New Yorkern Eine Kombination aus Monolog und Tanz Der Theaterregisseur gibt die Anweisungen virtuell Kevins Rolle: Ein Choreograf, der sich im Shutdown völlig verloren fühlt Als Künstler habe ich mich zu Beginn der Pandemie auch total verloren gefühlt Ich wusste nicht mehr, woher ich meine Inspiration nehmen soll Mit dieser Rolle kann ich meine eigenen Ängste verarbeiten Das ist das Schöne an meinem Beruf als Schauspieler All right It looks so cool Ein Tanz, in dem Kevin die Erlebnisse der letzten Monate verarbeiten kann Geld bringt dieser Auftritt allerdings kaum Das war toll, ich habe dich noch nie so tanzen sehen Er bekommt gerade die Corona-Zulage zum Arbeitslosengeld, 600 Dollar mehr pro Woche Aber jetzt steht die Verlängerung landesweit vor dem Aus Ich bin da noch optimistisch Ich glaube nicht, dass diese 600 Dollar gestrichen werden So viele Amerikaner würden finanziell gesehen von einer Klippe fallen Ich wäre zwar nicht obdachlos, aber ich brauche das Geld, um meine Rechnungen zu bezahlen Und doch passiert genau das New York im August, die Fallzahlen sind deutlich gesunken Sogar das Rockefeller Center öffnet wieder für Besucher Kevin muss jetzt seine Ersparnisse anbrechen Die Corona-Zulage wird bis auf Weiteres ausgesetzt Jetzt geht die Wirtschaft weiter bergab Familien, die dank der Zulage überlebt haben, sind jetzt in echten finanziellen Schwierigkeiten Die Wirtschaft wird einen doppelten Einbruch erleiden, jetzt, wo sie gerade angefangen hat, sich etwas zu erholen Ian Bickley ist zurück in der Stadt Er zeigt uns seine Wohnung an der noblen Upper East Side in Manhattan Wir haben hier Schutzgitter für unsere Hunde, die so gern Dinge zerstören Genutzt haben sie das Apartment bisher kaum Luxus im Leerstand Während viele New Yorker nicht mehr wissen, wie sie ihre Miete zahlen sollen Schaut mich an, schaut meine Familie an, welche Art von Leben wir führen können Uns haben die Folgen der Pandemie kaum berührt, v.a. aus finanzieller Sicht Wir können uns es schlicht leisten, dem Ganzen zu entfliehen Viele andere können das nicht Emerita Ramoon kann ihre Miete nur noch anteilig und in Raten zahlen Ihre Rettung, eine Tafel im Keller des Hauses Lebensmittelkonserven, mit denen sie sich und ihren Sohn Eissac durch diese Zeit bringt Emerita fällt, kein soziales Netz fängt sie auf Sie ist kein Einzelfall Von denen, die eigentlich ein Anrecht auf Arbeitslosengeld hätten, bekommen es nur 70% bewilligt Und bei den Afroamerikanern sind es sogar nur etwa 55% Der Grund, ein überlastetes Prüfsystem, bei dem viele Fehler passieren Für ihren Sohn bleibt Emerita stark Gärtnern als Therapie im Hof des Hauses

Wie soll ich meinem Sohn sonst sagen, du kannst alles schaffen, vertraue in Gott, wenn ich gleichzeitig voller Zweifel wäre? Das kann ich mir nicht erlauben Es wird Abend an der Upper East Side in Manhattan Ian trifft seinen Mentee Zum 1. Mal seit Langem persönlich Der hat heute sehr gute Neuigkeiten Ich habe einen Job gefunden Bei einer New Yorker Immobiliengesellschaft Tolle Kollegen, und es ist eine Vollzeitstelle Und das in dieser Zeit Mit Blick auf die Zukunft fühlt sich dennoch alles viel unsicherer an als noch vor 8 Monaten Aber wenn jeder seinen Teil beiträgt, geht es bergauf Ich glaube immer noch, dass das alles vorübergeht Aber es ist eine viel tiefergehende Krise, als ich es noch vor ein paar Monaten erwartet hätte So viele Menschen sind arbeitslos, geben weniger Geld aus, das den Firmen fehlt Es ist ein gefährlicher Kreislauf In der Bronx wird die Stimmung angespannter Emerita verschanzt sich mit Eissac Denn seit Beginn des Sommers gibt es immer mehr Schießereien in New York Im August sind es mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr Es ist erst 8 Uhr und schon so viel los Zwischen Partystimmung und Schießereien liegen oft nur Augenblicke Man gewöhnt sich irgendwann daran Du hältst die Schüsse für Feuerwerk Zumindest bis du am nächsten Morgen mitbekommst, es war wieder eine Schießerei Und das nach all dem, was wir gerade überstanden haben Es wird immer schlimmer Die Schießereien können direkt neben dir passieren Wenn du was mitbekommst, musst du schnell wegrennen Es kommt einfach zu nah, bis vor die Haustür Es sterben Leute, die ich kenne Das Frustrierende daran ist, dass du nichts dagegen tun kannst Du kannst beten, protestieren, aber am Ende des Tages kommt es nur auf kleinste Entscheidungen innerhalb von Sekunden an Für Kevin wendet sich im September das Blatt Was er verloren glaubte, ist plötzlich wieder möglich geworden In New Hampshire macht das 1. Theater der Region wieder auf Und er darf Regie führen Ich bin sehr aufgeregt Das alles kam total kurzfristig innerhalb der letzten Wochen zustande Ich war sofort total inspiriert, habe angefangen, mir Choreografien auszudenken, Kostüme, wie das Licht eingesetzt wird, und in der Küche zu tanzen Fast 600 km liegt das Theater entfernt, doch das Debüt als Regisseur ist gerettet Nun muss es nur noch gelingen Ich habe sofort zugesagt Es ist so wichtig, die Maschinen wieder zum Laufen zu bringen Ich fühle mich geehrt, Theater endlich wieder auf die Bühnen bringen zu können Fashion Week Mitte September in New York Der Sommer ist vorbei Charlotte und Sophie kommen von den Hamptons zurück in die City Und werden gestylt Sophie und ich arbeiten auch für ein Magazin, das über die Hamptons, New York und L.A. berichtet Heute sind wir Gastgeber bei einem Lunch Eines der wenigen Live-Events Diese Fashion Week findet weitgehend online statt Am meisten Spaß macht das Aufhübschen Normalerweise trage ich ja kein Make-up Während der normalen Fashion Week geht das von morgens bis abends, 4, 5 Tage lang Dann bin ich etwas nervös, weil die beiden sich gegenseitig auf die Nerven gehen und streiten (Sophie) Ich drehe dann durch Und ich muss dann schlichten Aber diesmal ist es bisher sehr entspannt

Vater Ian ist auf dem Weg zum Central Park Ich möchte, dass die beiden die richtige Sicht auf die Dinge haben Man muss immer das Beste aus sich herausholen und die Situation im Zusammenhang sehen Die Vorteile und Möglichkeiten, die sie haben, und dass nichts selbstverständlich ist Verstehen sie wirklich, welche Privilegien sie haben, und könnten sie nicht mehr daraus machen? * Musik * Wir fühlen uns nicht privilegiert Aber jetzt müssen wir aufhören Whitefield, New Hampshire Kaum Corona-Fälle, rund 2.200 Einwohner Kevin Smith Kirkwood steht kurz vor der Premiere Es ist großartig hier oben Ich liebe diesen Ort, und es ist sicherer als New York Ich konnte sofort durchatmen Das Theater ist eines der ersten im ganzen Land, das wiedereröffnet Kevin musste in Quarantäne gehen, sich testen lassen, wie alle im Team Wir haben mit Masken geprobt, gesungen und getanzt Nicht einfach, aber notwendig Wir mussten ein paar Dinge ändern Die Hauptdarsteller konnten sich nicht küssen, so wie es eigentlich im Drehbuch steht Und dann ist der große Tag da Nur unter strengsten Vorsichtsmaßnahmen dürfen die Zuschauer zur Vorstellung Fernsehkameras sind im Theater sicherheitshalber nicht zugelassen Kevin hat es geschafft, mitten in der Pandemie ein bisschen Normalität zurückzuholen Es war ein Erfolg Alle sind gesund, das Theater ist desinfiziert Die Leute haben zusammen gesessen und gelacht Wunderbar Es ist Oktober Die Stadt versucht, sich zurückzukämpfen Vor 6 Monaten war hier noch das Epizentrum der Pandemie Die New Yorker sind noch immer traumatisiert Draußen keine Maske zu tragen, gilt als unsozial Nur zum Essen in den neu entstandenen Straßenrestaurants wird sie abgenommen 25% Belegung sind drinnen erlaubt, aber nur wenige nutzen die Möglichkeit Die Zahl der Anträge auf Arbeitslosengeld ist wieder deutlich zurückgegangen, aber immer noch 8-mal so hoch wie im Vorjahr Viele kleine Geschäfte haben schon aufgegeben, weil die großen Bürogebäude leer stehen New York steht vor einem gewaltigen Steuerloch, ein Ausweg ist nicht in Sicht Und trotz aller Vorsichtsmaßnahmen steigen die Corona-Zahlen in einzelnen Vierteln wieder an In allen Stadtteilen stehen Menschen für ihr Essen Schlange Ohne Job geht das Ersparte für Miete drauf Und wieder sind es die Armen, die um ihre Existenz kämpfen müssen Für viele ist es schlimmer als der 11. September, die bisher größte Katastrophe der Stadt Die Zahl der Toten übersteigt den 11. September bei Weitem Auch der Grad der wirtschaftlichen Zerstörung Es gibt viele Anstrengungen, alles wieder so schnell wie möglich zu normalisieren Aber diese Pandemie ist schlichtweg noch nicht vorbei Eisaac und Emerita Ramoon fühlen sich immer noch in ihrer Wohnung gefangen Sie lässt ihren Sohn nicht zurück zur Schule, zu groß ist die Angst vor dem Virus Homeschooling dank iPad aus der Schule und einem alten Computer Ich bin nicht gerne drinnen Dann lenke ich mich mit Spielen und Shows ab Wenn ich das nicht tue, sitze ich einfach auf meinem Bett Ich fühle mich oft einsam Emerita findet keinen neuen Job Sie ist pleite Bald kann sie sich ihre Wohnung nicht mehr leisten Ich bekomme kein Arbeitslosengeld, aber trotzdem

Mein Glaube bleibt stark Ich sehe es positiv und gehe jeden Tag mit neuer Energie an, statt zu versuchen, mein ganzes Leben zu planen Das funktioniert sowieso nicht mehr Ihr großes Ziel: es endlich raus zu schaffen aus der Bronx Die Bickleys haben sich zum Familiendinner verabredet Hey. Welcome back – Thanks mom. It was so fun Die Präsidentschaftswahl steht kurz bevor Ein Thema, das sie mit so manchen Freunden lieber meiden Hi Dad, how are you? Nice to see you, too Wir reden lieber nicht über Politik Unter unseren Freuden gibt es jede Menge heimlicher Republikaner Die Auswirkungen der Pandemie haben die Bickleys nachdenklich gemacht Sophie zweifelt an der Welt der Influencer Ich möchte jetzt gerne Kindern Nachhilfe geben, die keine Laptops haben oder keine Eltern, die ihnen helfen können Ich will mehr tun Die Schere zwischen Arm und Reich, und sogar der Abstand zur Mittelklasse ist so viel größer geworden Die Leute leiden Daran muss der nächste Präsident unbedingt arbeiten Die Pandemie hat diese Probleme verschärft und ins Licht gerückt, aber sie waren schon vor Corona da Charlotte dagegen gibt sich unverändert Das Leben ist kurz Ich finde, man sollte nicht zu viel nachdenken Die Leute sollten sich einfach treiben lassen Die Zeit ist wertvoll Jeder sollte selbst bestimmen, was er tun will Popcorn zur Fernsehdebatte Biden gegen Trump Kevin macht sich Sorgen um die Wahl und um die Zukunft des Landes Ich bin einer derjenigen, deren Leben direkt von dieser Entscheidung in unserem Land betroffen ist Ich habe keine großen Ersparnisse Ich komme nicht aus einer reichen Familie Ich bin Künstler, schwarz und schwul Der Ausgang dieser Wahl betrifft mich direkt Kevin Smith Kirkwood hat trotz der Krise sein großes Debüt geschafft Aber der Broadway bleibt vorerst geschlossen Emerita Ramoon steht finanziell am Abgrund und bleibt dennoch optimistisch Die Familie Bickley hat einen neuen Blick gewonnen, auf ihre Stadt und auf ihr Leben 3 Leben, 3 Welten, eine Stadt Die Gegensätze waren schon längst vor der Pandemie da Das Virus hat sie verstärkt, die Kluft in der Gesellschaft zementiert V.a. in New York, der Metropole der Ungleichheit, aber auch im ganzen Land Copyright WDR 2020