Mosel und Ahr: Ausgerechnet Wein | WDR Reisen

Die Menschen in Deutschland lieben Wein (alle) Prost Prost (alle) Prost Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken – Richtig 21 l Wein trinkt jeder Deutsche jährlich Die Flasche lassen wir uns im Schnitt gerade mal 2,25 Euro kosten und kaufen Sie am liebsten hier, beim Discounter Wie viele Flaschen Wein verkaufen Sie im Jahr? – Eine ganze Menge Einstellige oder 2-stellige Million? – Im 2-stelligen Bereich Bei den Preisen der Discounter können die kleinen Winzer nicht mithalten Ihr guckt wirklich jede einzelne Traube euch an? (Frau) Ja Was würde eine Flasche Wein aus diesen Trauben kosten? Aus diesem Weinberg? – Ja Die kostet 32 Euro – 32? Sie setzen auf eine andere Verkaufsstrategie Für uns ist die Verknüpfung der Gäste hier und der Weinverkauf die wichtigste Vermarktungsschiene Wie kommen die Preise zustande? Ist günstig trotzdem gut? Und teuer tatsächlich besser? Wie funktioniert der Preiskampf um Weiß, Rot und Rosé? NRW überfällt heute Dernau Jetzt in “Ausgerechnet – Wein” Untertitel: WDR mediagroup GmbH im Auftrag des WDR Die Mosel, 540 km langer Nebenfluss des Rheins 754.000 Hektoliter Weinmost werden hier im Schnitt pro Jahr produziert Der Wein ist hier Wirtschaftsmotor und Touristenmagnet Letztes Jahr kamen mehr als 1,7 Mio. Besucher Kurzurlaub in den heimischen Weinbergen liegt im Trend Was kostet der Spaß? Warum werden Winzer zu Hoteliers? Das möchte Daniel Aßmann hier in Erfahrung bringen: in Hatzenport an der Mosel Wie viele seiner Kollegen betreibt Winzer Albrecht Gietzen nicht nur ein Weingut, sondern auch eine kleine Pension mit Gastwirtschaft Einen wunderschönen guten Abend – Abend Grüße Sie – Daniel Aßmann, hallo Wo ist denn Check-in? – Check-in ist hier Ich bin die Rezeption – Mister Check-in Ich müsste ein Zimmer hier haben – Ja, zeig ich Ihnen Ich geh mit ihm nach oben, dann komm ich zu Ihnen 1 min Geduld Sie müssen in den 2. Stock Haben Sie schwer Gepäck? – Nee, das geht Schaffen Sie es selber? – Jaja Hier kommen manchmal Damen mit 30 Paar Schuhen an Daniel Aßmann bezieht eines von insgesamt 10 Zimmern auf dem Weingut Gietzen Das ist seit mehr als 100 Jahren in Familienhand Die Pension gibt es seit knapp 40 Jahren Wie liegen wir preislich bei dem Zimmer? Als Einzelzimmer für eine Nacht 53 Euro 53, das find ich aber günstig – Ja, wir sind hier Mosel Ist das so an der Mosel? – Da ist sogar Frühstück drin Und Sie kriegen ein Gästeticket, um mit ÖPNV zu fahren Gibt es auch noch dazu 53 Euro, deutschlandweit liegt der Durchschnittpreis bei 92 Euro also fast doppelt so hoch Warum bieten Winzer ihre Zimmer so günstig an? Wie hängt das mit den Kosten für den Wein zusammen? Daniel Aßmann auf der Suche nach ersten Antworten Hallo Hier ist Stimmung, gute Laune Bleiben Sie ruhig dabei Ich möchte ein bisschen abhaben von der guten Laune Frohnaturen oder schon ein bisschen getrunken? Überhaupt noch nicht Wir sind noch so nüchtern, 2 h später wird das anders sein Das müssen wir ändern, ne? – Genau, aber wir sind halt so Wo kommen Sie her? Das ist ein Kölner Mädchen Und Sie kommen aus? – Ich sagte schon, aus Düren Sind wir schon im Fernsehen? – Sie sind schon live drauf Schneid das bloß raus Wenn mein Mann die Lokalzeitung sieht der fällt vom Glauben ab Haben Sie wirklich noch nichts getrunken? – Nein Mehr als 3.200 Winzerbetriebe gibt es an der Mosel Ein Großteil davon ist auch im Gastgewerbe tätig Am Abend wird das Winzerehepaar zu Köchin und Kellner Das spart hohe Personalkosten und bindet Gäste, so wie diese hier: Befreundete Ehepaare, die jedes Jahr auf Wanderschaft gehen Wo kommen Sie her? Aus Ennepetal Ich komme aus Hattingen, man kennt sich

Sind Sie wegen des Weins hierhingekommen? Oder ist es erst mal egal? Wir fahren jedes Jahr einmal im Herbst, um diese Zeit herum, so in Weinanbaugebiete und machen solch eine Weintour, um Wein zu kosten, zu schmecken Und auch so, um unsere Geselligkeit, um unsere Gesellschaft zu genießen Da spielt der Wein eine große Rolle Weil gute Gemeinschaft braucht guten Wein Quasi Pflichtprogramm für die Übernachtung beim Winzer: die Weinprobe Die soll nicht nur Spaß machen Gietzen hat einen Plan Ich hab ein paar Weine mitgebracht, damit Sie kosten können, was Sie im Laufe des Wochenendes trinken können Unser wichtigster Wein, zumindest von der Umsatzzahl her, heißt Nikolaus Gietzen Das ist von meinem Ururgroßvater ein anspruchsvollerer Wein wie der einfache Hauswein Ich nehm natürlich auch Schwenken Sie ihr Glas Diesen Wein im Mittelsegment, riechen Sie rein, haben Sie schöne tropische Zitrusaromen Das geht in die Richtung Grapefruit Dann haben Sie am Gaumen einen für Riesling cremigen Geschmack Dann ist der Wein immer noch nicht weg Klasse Wein, toller Wein, viel Gehalt, kostet dann auch 11 Euro 11 Euro die Flasche 5-mal so viel, wie wir durchschnittlich für Wein ausgeben Im Schnitt ist uns eine Flasche gerade mal 2,25 Euro wert Kauen Sie mal – Jetzt kaut man in der Runde (Albrecht) Da sind wir richtig froh mit dem Wein hier Wer am lautesten kaut, kriegt ne Flasche gratis Wie in vielen kleinen Winzerbetrieben steht bei Albrecht Gietzen nach dem Tag im Weinberg noch die Arbeit in der Gastwirtschaft an 2 Knochenjobs hintereinander 14-h-Tage sind in der Saison die Regel Wofür das alles? Hat sich von Ihnen schon jemand entschieden? Nimmt er eine Flasche mit? Von dem Wein werde ich ein oder 2 Flaschen mitnehmen Bisher ist das immer so gewesen Eine Fahrt, da kam immer mindestens eine Flasche Wein mit? Durchaus Eher ne Kiste? – Wir denken eher in Kisten Okay, alles klar, sehr gut Wein direkt vom Winzer, mindestens 3-mal so teuer wie die durchschnittliche Flasche im Supermarkt Viele kleine Weingüter verkaufen hauptsächlich im Direktvertrieb oder über spezialisierte Weinfachhändler Sie müssen um jeden Kunden kämpfen Ist das auch eine gute Möglichkeit für Sie, über den Tourismus, die Vermietung der Zimmer, an einen Kunden zu kommen, der sich für Wein interessiert? – Natürlich Leute, die hierher kommen, suchen Landschaft, das gute Angebot, Qualität und interessieren sich für einen guten Wein Für uns ist die Verknüpfung der Gäste hier und der Weinverkauf die wichtigste Vermarktungsschiene Der günstige Wein aus dem Supermarkt macht den kleinen Winzern enorme Konkurrenz Wie kommen die Preisunterschiede zustande? Fast die Hälfte aller in Deutschland gekauften Weine stammen auch aus Deutschland Auf Platz 3 der beliebtesten deutschen Weine: der Spätburgunder Auf Platz 2: Müller Thurgau Nur noch übertroffen vom modernen Klassiker, dem Riesling * Musik * Knapp 21 l Wein trinkt jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr (imitiert Schlürfen) Jetzt hätte ich mich beinahe verschluckt Das klingt erst mal viel Der Grund dafür, dass die deutschen Winzer so einen Aufwand betreiben müssen: Wir kaufen nicht auf den Weingütern, sondern hier 80% aller Flaschen werden im Supermarkt gekauft Der Großteil beim Discounter Kleine Winzer haben hier keine Chance Ihr Wein wird in Handarbeit produziert, das macht ihn teurer Ist billig sofort schlecht? Ist teuer so viel besser? Wie viele Flaschen verkauft so ein Discounter im Jahr? Viele Fragen hab ich mitgebracht, die stelle ich jetzt Patrick Donath Er ist verantwortlich für den Einkauf und die Auswahl von Wein bei einem sehr bekannten Discounter Dieser hat aufgerüstet Heute bestimmen aufgeräumte Regale das Bild, in denen die Weine, nach Regionen sortiert, stehen 50% aller Weinflaschen gehen in Deutschland bei Discountern über die Ladentheke, den allergrößten Anteil daran hat ALDI Und das zu absoluten Kampfpreisen Wie die zustande kommen, will Daniel von Chefweineinkäufer Patrick Donath erfahren Hallöchen – Hallo Herr Aßmann

Bevor wir zum Wein kommen, erst mal für mich eine spannende Sache: Ich hab gehört, Sie kommen auch aus Hattingen – Das ist richtig Auf welcher Schule waren Sie? Ich war auf dem Gymnasium Waldstraße – Ich auch Da reden wir später noch mal drüber Jetzt müssen wir am Kaiserstuhl uns treffen, um uns kennenzulernen Reden wir lieber über Wein Wie viele Weine bieten Sie an? Im permanenten Standardsortiment haben wir um die 100 Weine Inklusive Sekt und Schaumweine Darüber hinaus, übers ganze Jahr verteilt, Aktionen, bis zu 200 Aktionen pro Jahr Insgesamt 300 Weine übers Jahr verteilt werden angeboten? – Genau 300 verschiedene Weinsorten im Jahr Wie viele Flaschen Wein verkaufen Sie im Jahr? Das ist eine ganze Menge Über genaue Zahlen kann ich nicht sprechen Einstellig oder 2-stellige Million? Es ist sicherlich eher im 2-stelligen Bereich Mittlerer 2-stelliger Millionenbereich? Okay 2,25 Euro durchschnittlich Mehr geben wir Deutschen tatsächlich nicht für eine Flasche Wein aus Wie der Discounterwein produziert wird, was das für kleinere Weingüter bedeutet und wie sich darüber der Kreis zum Tourismus schließt, dazu später mehr Der Wein von Günther Jauch preislich eine andere Nummer 5,99 Euro für 0,75 Jetzt haben wir mit Günther Jauch einen Namen, der zieht Aber wenn ich ins Regal schaue: Ich will Herrn Keller nicht zu nahe treten, aber Fritz Keller ist nicht so bekannt wie Jauch Warum macht man solche Flaschen auch für 5,99? Wein ist ein emotionales Produkt Es ist immer schön, wenn man sieht, woher kommt der Wein? Verdient er an diesem Wein noch was? Da kann ich nicht genau drauf eingehen, aber das Projekt gibts seit 10 Jahren Ich denke, dass Herr Keller zufrieden ist mit dem Wein Kann ich ihn mal persönlich fragen Ich werd ihn treffen und dann sehen, was er sagt zu der Kooperation seit 10 Jahren Mehr als 10 Mio. Flaschen Wein verkauft Deutschlands Discounter- Marktführer ALDI jährlich Da kann kein herkömmlicher Winzer mithalten Es gibt noch eine andere Herausforderung für die deutschen Winzer Sie haben ganz gezielt zugegriffen – Nicht ganz gezielt Sah so aus, als wenn Sie direkt zugepackt hätten – Nee Warum haben Sie sich für den entschieden? Weil ich den kenne Mit 3,79 Euro sind Sie über dem Durchschnittspreis, was wir Deutschen für eine Flasche Wein ausgeben Normalerweise trinken wir portugiesischen Rotwein 4,59 Euro ist hier eher hochpreisiger Ja, aber ich denke, wenn man hochpreisiger kauft, kriegt man auch mehr dafür Haben wir einen besonderen Anlass? Oder warum ist es der teurere geworden? Man gönnt sich ja sonst nix Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken Ist ein Wein direkt vom Winzer deutlich besser? Wie ist da Ihr Gefühl? Ich kauf nur die ausländischen Weine Französisch, italienisch, spanisch Die deutschen Winzerweine, da kenne ich mich nicht aus Das ist das 2. Problem: Wir Deutschen trinken gerne ausländischen Wein 1,4 Mrd. Liter haben wir letztes Jahr Importiert Die Flasche für durchschnittlich gerade mal 1,46 Euro Noch billiger als der deutsche Discounterwein U.a. durch größere Flächen und niedrigere Lohnkosten als in Deutschland Die Hälfte unserer Weine kommt aus dem Ausland Hier die Top 3 unserer Lieblingsherkunftsländer Auf Platz 3: Spanien mit 8% Platz 2 geht an Frankreich mit 12% Platz 1 unseres beliebtesten Herkunftslandes für Wein ist Italien mit 16% Oberbergen im Kaiserstuhl, in der Nähe von Freiburg Hier befindet sich das Weingut von Fritz Keller Früher v.a. Weinkennern und -liebhabern hochpreisiger Weine ein Begriff Mit dem ALDI-Wein für 5,99 Euro ist der Name bei der breiteren Masse bekannt geworden Hier steht sein Name, das ist sein Weingut, Fritz Keller Eher bekannt für exklusivere und damit teurere Weine Warum er seit 10 Jahren einen Wein für den Discounter produziert, das möchte ich von ihm erfahren Vielleicht verrät er mir auch, wie viel Flaschen er verkauft und wie seine Marge ist Fritz Keller führt das Weingut in 3. Generation Deshalb steht hier überall Franz Keller, das ist der Vater von Fritz Die teuersten Flaschen kosten rund 60 Euro Hallo Herr Keller – Hallo, herzlich willkommen Ich wünschte, ich würde immer so empfangen werden

Ja, die Flaschen schon auf, und ich hab noch was drin gelassen Sehr gut Ich komm zu Ihnen, um zu erfahren, warum machen Sie das, dass Sie mit einem Discounter zusammenarbeiten? Normalerweise stehen Sie für edle hochwertige Weine Jetzt ein Discounterwein für 5,99, warum bieten Sie das an? Ich wollte für jedermann einen Wein rausbringen, der richtig trocken ist, nicht modern trocken, und handwerklich erzeugt ist Das ist mir gelungen Und ich hab damit viele junge neue Konsumenten an die großen Gewächse rangeführt Ist das die Strategie dahinter, dass man sagt: In die Masse pressen wir einen guten Wein, der günstig ist, um danach die Leute ranzuführen, dass sie unseren teureren Wein kaufen? Es ist keine unternehmerische Strategie, ich freu mich einfach, vielen Menschen ne Freude zu machen Es ist ein Solidaritätsprojekt Klingt fast so, als wenn Sie nichts daran verdienen würden Natürlich müssen wir dran verdienen Es gibt kein Unternehmen, das daran nichts verdient Aber die Winzer, die 450 Kollegen, die müssen was verdienen Ich hör da raus: Sie könnten alleine nicht diesen Wein für den Discounter anbieten Warum? Weil die Masse nicht da ist? – Die Fläche haben wir gar nicht Im Klartext: Fritz Keller selbst hat 35 ha Rebfläche, auf der er seinen eigenen Wein anbaut Der wird komplett auf seinem Weingut verarbeitet Die “Edition Fritz Keller” vom Discounter trägt zwar seinen Namen, darin ist aber keine einzige Traube vom Weingut Fritz Keller Die kommen von 450 Winzern aus der Region Sie haben oft zu kleine Flächen, um selbst zu produzieren, und finden so einen Absatzmarkt Wie viel Gewinn Herrn Keller, den 450 Winzern und dem Discounter bleibt, ist ein gut gehütetes Geheimnis Könnten Sie überhaupt einen Wein für 2,99 anbieten? Nee, um Gottes willen Beim großen Gewächs kostet allein der Korken einen Euro Wie kann man so einen Wein mit Handlese erstellen? Oder ist da klar, das kann nur mit nem Vollernter passieren? Das geht meines Erachtens nicht nur mit nem Vollernter, sondern die ganze Mechanisierung im ganzen Jahr mit höheren Erträgen Da wird mit der Maschine entblättert, geheftet Da muss die Bodenbearbeitung anders gemacht werden Da müssen die Kosten schon niedrig sein Und nicht nur die Ernte ist vollautomatisch, auch bei der Weiterverarbeitung kann von Weinromantik keine Rede mehr sein Allein in diesen Tanks lagern über 900.000 l Wein Genug für 1,3 Mio. Flaschen Und dies ist nur ein Lager von 29 Das sind die Mengen, die man als Lieferant eines Discounters benötigt Auch Fritz Keller bietet Touristen den Direktverkauf auf seinem Weingut an Aber ist er auch darauf angewiesen? Brauchen Sie den Tourismus, um Ihren Wein zu verkaufen? Ich weiß es nicht, auf jeden Fall haben wir ihn Wie viel verkaufen Sie hier direkt? Wie viel geht über die Händler? Wir haben ja vorher gar keinen Verkaufsraum gehabt Bei uns in der Kneipe haben die Leute was getrunken: Mh, der schmeckt gut, gib mir ein Kartönchen mit Jetzt haben wir seit 5 Jahren hier n Weingut, wo Leute herkommen Wir verkaufen ungefähr in die weite Welt hinaus um die 25, 30% Je nach Erntemenge Ich schätze mal, dass wir hier auch so 10% direkt am Endverbraucher, der zu uns kommt D.h. 25 Export, 10 Endverbraucher und der Rest über den Händler? Der Rest über Händler oder Gastronomen Die “Edition Fritz Keller” gibt es bei ALDI für 5,99 Euro Seine eigenen Weißweine verkauft Keller für bis zu 60 Euro pro Flasche 60 Euro finden Sie teuer? Dann hören Sie jetzt mal hin: Unter den Top Ten der teuersten Weißweine weltweit finden sich 4 deutsche Gewächse Auch auf Platz 1 ist ein Deutscher: eine Riesling Trockenbeerenauslese von Egon Müller an der Saar Preis pro Flasche: 12.000 Euro Erzielt bei einer Versteigerung Seltene Weine aus ganz speziellen Anbaugebieten können zu Spekulationsobjekten werden Bieterverfahren treiben die Preise in solch exorbitante Höhen Bei der Produktion von Discounterweinen steht die Masse im Vordergrund Beim Wein direkt vom Winzer hingegen kommt alles aus einer Hand Welche Vor- und Nachteile das hat und wie es sich auf den Preis auswirkt, will Daniel Aßmann hier herausfinden: in Winningen an der Mosel Rebecca Materne kommt aus Dortmund

und hat zusammen mit Janina Schmitt seit 4 Jahren ein eigenes Weingut Von der Rebe bis zum fertigen Wein, hier ist alles Eigenproduktion Die günstigste Flasche kostet 10,50 Euro, die teuerste weit über 30 Euro Ein Grund: die extreme Steillage Jetzt treff ich gleich jemanden, die kommt aus Dortmund, die könnte sich ein Weinbaugebiet, egal wo, im Flachen aussuchen Sie sagt aber, nee, ich geh in den Hang. Warum? Schon beim Aufstieg merkt Daniel, was Steillage wirklich bedeutet Maschinen können hier nicht arbeiten Und das ist noch nicht alles Rebecca? – Ja Kommt von da. Wo bist du? Hier – Ach da Ich komm rüber Über Stock und Stein, von Terrasse zu Terrasse, von Rebe zu Rebe: gefunden Hier bist du Hallo, Daniel aus Hattingen – Rebecca aus Dortmund Aber jetzt nicht mehr aus Dortmund Bist du hierhin gezogen? – Mhm Ich hab mich gefragt, warum hast du dir, wie ich immer höre, diese schwere Hanglage ausgesucht? Die Hanglage hat unterschiedliche Vorteile Das eine ist z.B die Sonneneinstrahlung Du hast nen anderen Einstrahlungswinkel Reben kriegen im Steilen mehr Sonne als im Flachen Die Rebe ist ne faule Pflanze Wenn man sie in den Garten einpflanzen würde, würde sie oberirdisch weit wurzeln Wir haben aber die kargen Böden und die hohe Pflanzdichte Dadurch werden die Pflanzen gezwungen, tief zu wurzeln, und können dadurch viele Nährstoffe aus tiefen Schichten extrahieren Und diese Mineralien schmeckt man auch im Wein Der Vorteil der Steillage ist der Winkel der Sonneneinstrahlung In flachen Lagen zur Massenproduktion wird mit einem automatischen Vollernter gearbeitet Der liest jede Traube von der Rebe, egal wie gut sie ist, schafft dafür aber auch 1 ha in 4 h Um diese Fläche mit Menschenkraft in der gleichen Zeit abzuernten, bräuchte man ca. 40 Arbeiter Das ist mühsam, hat aber auch Vorteile für die Qualität des Weins Wir haben hier z.B., den hier würd ich hier abknipsen Ist okay so? – Kannst du machen Okay. So Jetzt würd ich sagen, das ist unschwer zu erkennen, das ist nichts mehr – Nein Kommt die dann weg direkt? – Die wird rausgeschnitten Aber du machst schon den 1. Fehler, und zwar sortierst du über der Kiste Wenn du das rausschneidest, ist es nicht mehr hier dran, aber es liegt trotzdem in der Kiste Man dreht sich ein Stück weg, schmeißt raus, was raus soll Das würde auch noch rauskommen Ihr guckt jede einzelne Traube euch an? – Ja. Mhm Das ist ja ein Megaaufwand So geht man aber sicher, keine minderwertige Traube im Wein zu haben Und das hat eben auch seinen Preis Was würde jetzt ein Flasche Wein aus diesen Trauben kosten? Aus diesem speziellen Weinberg? – Ja – Die kostet 32 Euro 32? 0,75? – Ja Wer kauft das? Weinbegeisterte Menschen Wie viele Flaschen macht ihr im Jahr von euren Weinen? Wir wachsen stetig Jetzt abgefüllt, wir haben gerade unseren 17er-Jahrgang abgefüllt, das waren etwas über 18.000 Flaschen Im Weinberg heißt es: Ohne Kampf, kein Mampf Rebecca Materne und Kollegin Janina Schmitt greifen auf ganz besonders günstige Erntehelfer zurück Nur wenn Familie und Freunde unbezahlt bei der Ernte helfen, kann der Flaschenpreis im Rahmen bleiben Das ist meine Mama, Elke – Ah ja Wie viel Kilo haben Sie heute schon gelesen? Ich hab das nicht im Überblick 20, 30? Dann gibts nur eine Kelle 100 – Wunderbar, Kelle Nr. 2 Das ist mein Papa, Andreas – Auch 2 – Natürlich Ich bin nicht so oft hier – Nee, der Papa arbeitet noch Aber zur Lese sind 2 Wochen Urlaub Sie nehmen extra Urlaub, um der Tochter helfen zu können? Was noch übrig ist, der Tagerest Die Leute nehmen Urlaub Ist das überhaupt anders finanzierbar momentan für euch? Nein Früher war das so, dass wir alles mit Freunden und Familie gemacht haben Langsam geht das los, dass wir uns ein paar Leute leisten können, die wir bezahlen Aber ohne unsere Familie wären wir aufgeschmissen Ist schon so, dass man die Familie braucht, um starten zu können – Ja Das ist Jörg, einer unserer Ploppster-Unterstützer

Wir hatten ne Crowdfunding-Aktion, weil wir nen Weinberg kaufen wollten Jörg hat sich darüber einen Lesetag gekauft Crowdfunding heißt, viele Leute haben sich beteiligt, haben gespendet – Genau Eine Gegenleistung gab es dafür, z.B. einen Tag Lese mit uns D.h. es wird die Arbeit bezahlt Genau Was haben Sie denn bezahlt? Wie haben Sie unterstützt? 100 Euro Es gibt eine Internetplattform, die nur Geld für ausgewählte Weinprojekte sammelt Hier können Winzer ihre Projekte einstellen und bestimmte Leistungen anbieten Materne & Schmitt benötigten insgesamt gut 15.000 Euro Dafür konnte man Weine, Weingut-Bekleidung, Events und eben auch einen Tag Weinlese für 100 Euro ersteigern Wie ist das, wenn Touristen sagen, ich würd gern hier mitmachen? Müssen die bezahlen, oder werden die bezahlt? Weder noch. Bei uns darf jeder gerne mitgehen, der Interesse hat Ist schön, wenn das nicht nur ein Tag ist Weil es mühsam ist, Leute für einen Tag anzulernen Aber wenn jemand Interesse hat mitzugehen und 2, 3 Tage hier reinschnuppern will, dann sagen wir nicht Nein Rebecca und Janina kämpfen gegen einen Abwärtstrend Die Anzahl der kleinen Weingüter mit weniger als 5 ha Fläche ist rückläufig, die Großbetriebe nehmen zu Um dagegen anzukommen, schließen sich in vielen Regionen Produzenten zu Winzervereinigungen zusammen So versuchen die kleinen Winzer, auf dem Markt zu bestehen Daniel Aßmann auf dem Weg zur Produktionsstätte der ältesten Winzervereinigung der Welt Die Genossenschaft Mayschoß-Altenahr Hier haben sich 430 Winzer zusammengeschlossen Gemeinsam haben sie 1/4 der Gesamtanbaufläche des Ahrtals Also liefern sie ihre Ernte bei der Genossenschaft ab, lassen sich ihre Trauben bezahlen, und die Vereinigung übernimmt die Weiterverarbeitung Hallöchen – Hallo Gerade abgeladen? – Ja Und wie läuft es denn? Gut? – Ja Ein gutes Jahr? – Ja, doch Liegt am guten Sommer? – Ja, nur am Sommer Wie viel Kilo haben Sie abgegeben? – 110… Ca. 300 300 kg – Ja In den beiden Fässern Wie viel Kilo brauche ich für 1 l? Eine Flasche Wein: ca. 1,5 kg 1,5 – Ja So circa – Ja Was kriegen Sie für das Kilo? – 2,20 Euro 2,20 kostet ja schon die ganze Flasche hier. Wie geht das? Weiß ich nicht 2,20 Euro für 1 kg Trauben Preis schwankend, je nach Qualität Und damit ist es ja noch lange nicht getan Der Wein muss in die Flasche Im günstigen Fall bedeutet das: Kosten für die Glasflasche: 22 Cent Kosten für den Schraubverschluss: 5 Cent Die Etiketten vorn und hinten: 6 Cent Macht 33 Cent für die günstigste Flaschenvariante Arbeitskraft, Lagerung und Transport nicht mitgerechnet Hier, in der Winzervereinigung Mayschoß, kommt man auf über 1,20 Euro für die leere Flasche Allein der Naturkorken schlägt mit 46 Cent zu Buche Preise für den Wein der Genossenschaft liegen zwischen 6 und 38 Euro Also bis zu 16-mal so teuer wie die durchschnittliche Flasche vom Discounter Ich hab hier meine 2 Discounterweine Einen Merlot aus Frankreich für gerade mal 2,65 der Liter Trotz langer Anreise ist der so günstig Und ein Spätburgunder aus Baden, da kostet der Liter 3,72 Euro Inwieweit macht sich der Preisunterschied auch beim Geschmack bemerkbar? Das will Daniel Aßmann mit Matthias Baltes, dem Vorsitzenden der Winzervereingung, checken Wir haben hier den Merlot, 1,99, und den Spätburgunder für 2,79 Jetzt haben wir 2 vergleichbare Flaschen aus der Mayschoß-Altenahr Wie sagt man, Kellerei? Winzergenossenschaft – …Winzergenossenschaft besorgt Auch einen Spätburgunder, kostet – 12,90 Euro Und… Einen Merlot haben Sie natürlich nicht Wir haben hier nen Truvée Genau, nen Cuvée aus Regent, Dornfelder und Spätburgunder Der liegt bei 15,90 Euro Deshalb ausgewählt, weil er ungefähr die gleiche Farbe wie n Merlot hat Sonst wär es ja einfach für Sie, an der Farbe zu erkennen, welcher Wein welcher ist Kann der Experte den teuren vom Discounterwein unterscheiden? (imitiert Schlürfen) (hustet) Jetzt hätte ich mich beinahe verschluckt Und wenn ja, woran?

Von der Farbe ist es auf jeden Fall ein Spätburgunder Den Cuvée und den Merlot schließe ich aus Oh, da erkenn ich sogar nen Unterschied Als Laie Ist relativ eindeutig, der 1., im linken Glas, ist der günstigere ausm ALDI Ist kein schlechter Wein, ist fruchtig, hat keinen Fehler Für die Preiskategorie vollkommen in Ordnung Das ist nichts, was man weggießen müsste Der 2. ist von uns, ich hoffe, ich lieg nicht daneben Nee. Dat hätt ich als Laie genauso gesagt Weil er deutlich kräftiger schmeckt Und irgendwie mehr Aroma Da entfaltet sich mehr im Mund Hier merkt man ganz gut den Unterschied zwischen kleinen und großen Erträgen Welcher Kunde welchen Wein lieber mag, ist ihm überlassen Es gibt mit Sicherheit genug Verbraucher, denen der etwas leichtere Wein vielleicht besser schmeckt Von der Qualität der Trauben ist doch unserer der bessere Wein Aber was einem besser schmeckt, ist ne reine Geschmacksfrage Ich hör nicht raus, dass Sie sagen: Der 1,99-Wein ist schlecht Ich hör keine Kritik Sie sagen, keine Fehler Wie funktioniert das mit 1,99? Wie kriegt man so was hin? Das kann nur an den Produktionskosten liegen Der Wein ist in der Flachlage produziert, wo alles maschinell gemacht werden kann Da vergleichen wir 200 Arbeitsstunden pro Hektar mit 1.200 Arbeitsstunden bei uns Da ist die Produktion viel günstiger Dann kann man auch einen sauberen Wein für den Preis in die Flasche bekommen Ein geringer Ertrag, jeder Schritt in Handarbeit Das macht den Wein aus der Steillage teuer Zu teuer für den Verkauf beim Discounter Und hier schließt sich der Kreis zum Tourismus Wein ist neben dem Wandern und der Landschaft das Hauptthema im Ahrtal Ich würde behaupten, dass jeder, der sich hier bewegt, mit Wein in Berührung kommt Sei es mit einem Event auf einem Weingut, oder nach dem Wandern am Wanderweg selber oder in der Straußwirtschaft ein Glas Wein trinkt Da kommt keiner dran vorbei Wie viel verkaufen Sie über den Tourismus direkt? 55% sind Direktvertrieb von unseren 3 Vinotheken Das ist ein extem hoher Wert Jedes andere Weingut wäre glücklich, wenn es vielleicht auf 30% Direkt-ab-Hof-Vertrieb käme Da sind wir glücklich, dass wir die Leute aus Köln, Bonn, Düsseldorf zu uns ziehen können 13 Weinanbaugebiete gibt es in Deutschland Das Ahrtal ist eins der kleinsten 560 ha, so groß wie gut 600 Fußballfelder Das sind gerade mal 0,5% der Weinanbauflächen Deutschlands Dafür ist es das größte zusammenhängende Rotweinanbaugebiet Genau wie an der Mosel sind Wein und Tourismus hier untrennbar verknüpft 4 von 5 Besuchern kommen aus Nordrhein-Westfalen Strahlender Sonnenschein Wenn noch Wochenende dazukommt, ist die Terrasse voll Ich hör mich mal um, wer hier am Glas hängt Menschenmassen schieben sich durch den kleinen Ort Mayschoß inmitten der Weinberge Daniel Aßmann will wissen: Warum, wie lange und zu welchem Preis kommen die Besucher hierhin? Wie lang sind Sie hier? – Fürs Wochenende Insgesamt 10 Tage – Was zahlen Sie? Sehr günstig – 65 Euro 790 Euro Empfinden Sie das als teuer als Urlaubsregion? Nee, ist angemessen Und der Wein? – Ist lecker Sind Sie häufiger hier wegen des Weines? – Ja Ist mit einer der beste Roséweine Deutschlands Wir kommen schon 20 Jahre hierher – 20? – Mindestens Warum immer wieder hierhin? Warum? – Weil es schön ist Nehmen Sie danach auch schon mal ne Kiste mit nach Hause? Wenn Sie neuen Wein gefunden haben, nehmen Sie einen mit? – Jede Menge Den bekommen wir bei uns in der Qualität nicht Sonst würden wir den gerne auch zu Hause kaufen Jedes Jahr kommen 1 Mio. Menschen ins Ahrtal Die meisten für Tagestrips und Kurzwanderungen Der Rotweinwanderweg startet in Altenahr und verbindet die Orte des Weinanbaugebietes an der Ahr Viele Winzer bieten geführte Ausflüge an, natürlich mit Weinbegleitung Hallo, seid ihr die Lehrerinnen, die einen Rundgang machen? – Ja Wo kommt ihr her? – Aus Baesweiler Setterich und Loverich Wo ist dat? – In der Nähe von Aachen

Also NRW – Genau Wann sind Sie angereist? Heute Morgen sind wir gekommen, hatten 2 h Unterricht, danach sind wir losgezogen Mit Mustern – Mit dem Bus Im Bus wahrscheinlich schon n Piccolöchen – Einen Was habt ihr denn bezahlt für die Führung? Noch nichts. (lachen) Und was wird es wohl kosten? 20,50 Euro haben wir gesagt – Pro Person, die dann mitläuft Für die 18 Lehrerinnen der Verbundschule St. Andreas gehts zunächst in den Keller der Winzervereinigung Mayschoß-Altenahr Für 20,50 Euro gibt es nicht nur ein Glas Sekt, sondern auch 5 verschiedene Weine, Softdrinks und Brot Dauer: ca. 2 h Wir haben gerade beobachtet, dass der Wein mit der Gießkanne eingefüllt wird, ist das korrekt? Bei den kleineren Fässern wird so eine Gießkanne benutzt Natürlich lebensmittelgerecht Ansonsten haben wir hier ein Schlauchsystem, das liegt dahinten Da werden die Weine in die großen Fässer mit befüllt Die Fässer müssen immer vollständig gefüllt sein, damit der Sauerstoff draußen bleibt Ein guter Tropfen lagert oft mehrere Jahre Das kostet Platz, Zeit und damit Geld Praktisch, dass man interessierten Touristen all das zeigen, den Aufwand klarmachen und damit die vergleichsweise hohen Preise schmackhaft machen kann Bei Wein dürft ihr alles machen, was ihr morgens am Waschbecken macht * Schlürfen * – Genau, richtig schön Macht das ruhig, probiert das So, einmal gemeinsam schlürfen Ich will was hören * Schlürfen * Gilt das bei euch als Bildungsreise? – Ja Ja? Alles klar Und noch ein Gläschen hinterher Nummer, äh… 3 Weiter gehts zu Glas Nr. 4 So, Stößchen Letzte Station Hier ist Stereo schon. Sehr gut Würdet ihr noch mal wiederkommen? Zum Einkaufen auf alle Fälle Das ist ja das Ziel wahrscheinlich, oder? Der Winzer – Genau Daniel Aßmann fragt nach bei Tourleiter und Winzer Udo Wie sehr brauchen die Winzer den Tourismus? Würde man überhaupt ohne Tourismus funktionieren? Es ist so, dass wir um jeden einzelnen Kunden kämpfen müssen Das macht man mit solchen Aktionen Jetzt hat jeder hier 20 Euro bezahlt, sind 260 Euro Ihr habt einiges an Wein rausgehauen Deine Persönlichkeit will auch bezahlt werden Rechnet sich das, die Führung an sich? Oder ist es Mittel zum Zweck? Dass man sagt, das ist Selbstkostenpreis, aber Man sieht anhand der Gläser, wir sind großzügig mit dem Ausschenken Wie gesagt, das ist Kundenwerbung, um den Kunden zu animieren, unseren Wein zu kaufen So, wer kauft? Hände hoch Aber ist doch bestimmt so ein bisschen, ich sag mal, wie der Cocktail im Urlaub, so jetzt hier der Wein Man hat ein Erlebnis und möchte das mit nach Hause nehmen Auf jeden Fall Wir fanden den 1. besser, den werden wir sicher mitnehmen Auf jeden Fall Das Prinzip “Holen wir die Leute zum Wein, dann kaufen sie den teureren auch”, scheint aufzugehen Die Tagestouristen verbringen einen fröhlichen Tag im Weinberg und nehmen dann eine Kiste ihres neuen Lieblingsweins mit nach Hause Urlaubsgeschichte inklusive Wichtigster Termin im Kalender dafür: das Weinfest So gut wie jeder Ort hat sein eigenes Das größte im Anbaugebiet an der Ahr steigt in Dernau Was wäre der Weintourismus ohne Weinfest? Und was wäre der Wein ohne seine Majestäten, die Königinnen? Hier in Dernau kommt heute alles zusammen: Wein, Weinfeste, Königin Und ich treff jemanden, der das Ganze hier organisiert, Frau Näkel-Surges, die schwirrt hier rum, ich geh mal gucken Frau Näkel-Surges, Vorstand des Tourismusvereins in Dernau, versucht, die Fäden zusammenzuhalten Was passiert heute hier? Heute gehen wir Heute gehen wir die Weinkönigin abholen Wir freuen uns immer, dass unsere Junggesellen auch mitgehen Die sind auch dabei. Sehr gut Und wie viele Leute werden hier erwartet? Bei dem ganzen Fest rechnen wir, Freitag, Samstag, 25.000, 30.000 Besucher

Und wie viel Einwohner hat das Dorf? – 1.700 Also überwiegend Touristen, die kommen? – Ja Woher kommen die überwiegend? – Zu 70% aus NRW Also Nordrhein-Westfalen überfällt heut Dernau Fester Bestandteil der Weinfeste: die Krönung der Weinköniginnen Der Marsch setzt sich in Bewegung Quer durchs Dorf, kurz bei der Weinkönigin von 1953 vorbeigeschaut, die ältere Dame in der Mitte ist es, dann gehts weiter Der Festzug erreicht ein Promille und das Wohnhaus der amtierenden Weinkönigin Ihre Majestät Alisa Ihre Amtszeit endet heute Und jetzt froh, dass es vorbei ist? Mit einem lachenden und einem weinenden Auge Das haben wir jetzt ein Jahr gehabt, viele Termine mitgemacht Das ist auch zeitintensiv Deswegen steht dann das Private wieder mehr im Vordergrund Schön, dass ihr da seid – Danke Weinköniginnen sind ehrenamtliche Markenbotschafterinnen ihrer Region und sollen den Umsatz ankurbeln Auf gehts zur neuen Weinkönigin, Corinna I Das Jahr, was wird alles passieren? – Einiges Gut, viel Spaß – Danke 1. Interview geschafft Weiter gehts Richtung Festplatz zur offiziellen Proklamation, dem wahren Höhepunkt des Festes Und das zieht die Massen Auch die aus Nordrhein-Westfalen Aber die Autos lassen wir lieber stehen Denn der Wein fließt in Strömen, und die Gäste geben dafür mehr aus als sonst im Supermarkt: 15 bis 17 Euro pro Flasche Der Stimmung tun die Preise keinen Abbruch, im Gegenteil Sind Sie auch wegen des Weins hier? – Ja Wir kommen aus dem Münsterland, da wird mehr Bier getrunken, aber der Wein ist hervorragend Super. Sehr lecker Seid ihr das ganze Wochenende da? – Nein. – Nur heute Wer fährt? – Der Zug Alles klar, schöne Feier Ziel erreicht Und dann: Auftritt der Majestäten Königin Corinna wird offiziell proklamiert So funktionierts Mit dem richtigen Rahmenprogramm kommen auch die Touristen zum vergleichsweise teuren Winzerwein Steile Hänge, kleine Flächen, Ernte ausschließlich per Hand Guter Wein ist harte Arbeit und dadurch viel zu teuer für den Hauptabsatzmarkt im Supermarkt, wo die Hälfte aller Weine in Deutschland verkauft wird Ein Großteil davon bei Discountern Hier geht es in 1. Linie darum, den Preis möglichst klein zu halten Viele Lieferanten aus dem In- und Ausland, maschinelle Produktion und große Mengen machen es möglich, Wein zum Durchschnittspreis von 2,25 Euro pro Flasche anzubieten Das ist Winzern mit vergleichsweise kleinen Flächen nicht möglich Sie sind v.a auf den Direktvertrieb angewiesen und müssen um jeden Kunden kämpfen Deshalb locken Winzer mit kleinen Weingütern die Menschen mit günstigen Übernachtungspreisen auf die Höfe, um ihnen dort auch den teureren Wein schmackhaft zu machen Copyright WDR 2019 Und? Reiselust geweckt? Bevor Sie die Koffer packen, ganz wichtig: Abonnieren Sie unseren WDR Reisekanal, und noch wichtiger: aktivieren sie die Glocke, dann verpassen sie keines unserer Videos Hier sind schon direkt zwei weitere für Sie und ich mach mich weiter auf den Weg. Tschö!